Wissenschaft: Was geschieht im Körper von Topathleten?
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WissenschaftWas geschieht im Körper von Topathleten?

Wie schnell kann ein Mensch laufen, wie hoch springen? Wo liegen seine natürlichen Grenzen? Wissenschaftler versuchen mittels Technik den Geheimnissen der Topathleten auf den Grund zu gehen.

Gestern wurden wir Zeugen eines kleinen Wunders: Usain Bolt lief die 100 Meter in unglaublichen 9,58 Sekunden - Weltrekord. Auch sein jamaikanischer Sprinterkollege Asafa Powell brachte Höchstleistungen - und belegte den dritten Platz.

Fakten, Fakten, Fakten

Während vielen noch der Mund vor lauter Begeisterung offen steht, besinnen sich Wissenschaftler auf die Fakten: Wie schnell kann ein Mensch laufen? Wie hoch kann er springen? Welche Körpermechanismen entwickelt ein Hochleistungssportler, um beinahe Unmögliches zu leisten? Mithilfe von neuester Technik werden spezifische Bewegungsabläufe von Superathleten analysiert und zeigt, zu welchen Wunderleistungen der menschliche Körper fähig ist

Die erste Folge der TV-Dokumentationsreihe «Im Körper der Topathleten» untersucht, welches Geheimnis sich hinter den fantastischen Leistungen des jamaikanischen Sprinters Asafa Powell verbirgt.

Nach einer nur vierjährigen Sprinterlaufbahn lief Asafa Powell 2005 seinen ersten 100-Meter-Weltrekord: 9,77 Sekunden. Im darauf folgenden Jahr gelang ihm die gleiche Zeit noch zweimal. Im September 2007 brach er dann mit schier unglaublichen 9,74 Sekunden seinen eigenen Rekord. Damit stellte Powell als erster Athlet überhaupt vier offiziell anerkannte Weltrekorde auf. Als Powells Stärke gilt sein explosionsartiger Start. In der zweiten Hälfte der Kurzdistanz ist seine Sprinttechnik durch eine Kombination von langen und schnellen Schritten gekennzeichnet.

Für den Film wurden von Powells Sprint Aufnahmen mit HD-Hochgeschwindigkeitskameras und modernsten bioanalytischen MRT- und Ultraschallverfahren aufgezeichnet. Aus diesen Bildern wird deutlich, dass Powell seine explosive Geschwindigkeit seinem aussergewöhnlich kräftigen Grossen Lendenmuskel und ausgesprochen harten Sehnen an den Beinen verdankt.

Harte Muskeln, schwache Nerven?

Auch in der Psyche des Sprinters sucht der Film nach Erklärungen. Asafa Powells athletischer Körper ist für den Sprint wie geschaffen, doch Goldmedaillen und olympische Ehren blieben dem Athleten bisher versagt. Warum gewinnt er keine grossen Wettkämpfe? Spezialisten erklären dies damit, dass Powell möglicherweise an muskulärer «Koaktivierung»s leidet, einem oft durch Extremstress verursachten Phänomen: Wenn ein Läufer unter grossem psychischen Druck steht und sein Gehirn seinen Muskeln befiehlt, sich immer schneller zu bewegen, kann es durch diese Signale zu einer Störung der natürlichen, rhythmischen Muskelaktivierung kommen.

Um einen Sprint aus nächster Nähe mit einer HD-Hochgeschwindigkeitskamera zu filmen, ist ausser einer verkabelten Kamera ein extrem leistungsfähiges Beleuchtungssystem erforderlich. Damit diese Maschinerie mit dem Läufer Schritt halten kann, wurden spezielle Fahrzeuge mit hohem Beschleunigungsvermögen eingesetzt.

Um die Bewegungsabläufe von Spitzensportlern analysieren zu können, entwickelte der japanische Fernsehsender NHK unter anderem eine Hochgeschwindigkeitskamera. Mit dieser einzigartigen Technik können erstaunliche Körpertechniken internationaler Topathleten visualisiert werden. Die Reihe dokumentiert, zu welchen Wunderleistungen der menschliche Körper fähig ist und konzentriert sich dabei auf die wichtigsten Bewegungsmechanismen von vier unterschiedlichen Sportarten.

Die Sportler, die in der Dokumentationsreihe ihre Spitzenleistungen unter Beweis stellen sind: Asafa Powell, früherer Weltrekordhalter über 100 Meter; Michael Phelps, Schwimmstar mit mehreren Weltrekorden; Stefan Holm, Hochspringer ; Bahamian Donald Thomas, Hochspringer (Weltmeister 2007); Werner Schlager, Tischtennis-Europameister; Eagle Den Junlaphan, früherer WBC-Weltmeister im Minimumgewicht (TV-Tipp: Siehe Box).

(rre/ARTE)

TV-Tipp:

«Im Körper der Topathleten», erster Teil heute (Montag, 17. August) um 19:00 Uhr auf ARTE.

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