Stadtparlament : Was geschieht mit der alten Feuerwehrkaserne?

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Stadtparlament Was geschieht mit der alten Feuerwehrkaserne?

Die Planung zur Umnutzung stand am Donnerstag im Stadtparlament zur Debatte. Es wird auf gemeinnützige Bauträger und eine autoarme Überbauung gesetzt.

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miw /sda
Die ehemalige Feuerwehrkaserne soll nun umgenutzt werden.

Die ehemalige Feuerwehrkaserne soll nun umgenutzt werden.

Über nicht weniger als fünf dringliche Motionen zur Zwischen- und Endnutzung der früheren Feuerwehrkaserne wurde diskutiert. Die Parteien und Fraktionen nutzten nun die Chance, auf das weitere Vorgehen Einfluss zu nehmen.

Aus der alten Kaserne – Ende 2014 war die Berufsfeuerwehr Bern dort ausgezogen und hatte ihren neuen Stützpunkt im Forsthaus bezogen – soll ein Wohn- und Dienstleistungsstandort werden. Dies hat das Stadtberner Stimmvolk bereits 2008 beschlossen. Bevor der Baustart erfolgen kann, soll das Areal bis 2017 einer Zwischennutzung zugeführt werden. So will die Stadtregierung dem Kanton Bern einen Teil der Anlage als oberirdische Asylunterkunft zur Verfügung stellen. Damit zeigte sich das Parlament einverstanden. Ein SVP-Vorstoss, auf das Interims-Asylzentrum sei zu verzichten, wurde klar abgelehnt.

Verzicht auf Rendite

Die Vorstösse der SP, der Fraktion GB/JA und der Grünliberalen zielten auf den Wettbewerb für Planer und Investoren, den die Stadt während der Zwischennutzung durchführen wird. Die Fraktionen forderten, dass die Stadt als Besitzerin des Areals auf hohe Rendite-Erwartungen beim Baurechtszins verzichtet. Gemeinnützige, kleine Investoren sollen bevorzugt und die geplanten Wohnungen in Kostenmiete abgegeben werden.

Gemeinnützige Bauträger seien am besten geeignet, eine vielfältige und quartiergerechte Nutzung an diesem zentrumsnahen Standort zu realisieren, sagte Stéphanie Penher (GB). Auch die SP sieht die Chance, ein «Vorzeigeprojekt für innerstädtische Umnutzung» mit ökologischen und sozialen Akzenten zu realisieren.

Keine Zusatzrunde

Die Bürgerlichen warnten davor, den Investoren zu viele Auflagen zu machen. Auch sei es nicht richtig, auf Profit von vornherein zu verzichten. Die Stadt dürfe an diesem attraktiven Wohnstandort «durchaus etwas verdienen», sagte Alexander Feuz (SVP). Doch der Stadtrat stellte sich mehrheitlich hinter die Forderungen.

Ebenfalls angenommen wurde die Vorgabe der Fraktion GB/JA und der Grünliberalen, die neue Siedlung autoarm zu gestalten. Hingegen scheiterte die Ratslinke mit dem Anliegen, vor dem Wettbewerb nochmals eine Diskussion um Nutzungskonzepte durchzuführen, mit Quartierbeteiligung. Die Bedürfnisse des Quartiers seien bekannt, das Verfahren dürfe nun nicht weiter verzögert werden, befand die Mehrheit.

Kritik am Gemeinderat

Viel Kritik einstecken musste in der ausgedehnten Debatte der Gemeinderat. Obwohl seit Jahren bekannt sei, dass die Feuerwehrkaserne frei werde, habe die Exekutive mit der Planung zugewartet, monierten die Bürgerlichen. Die Linke warf dem zuständigen Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP) vor, eine öffentliche Diskussion verhindern und die alte Feuerwehrkaserne «an den Meistbietenden verscherbeln» zu wollen, wie es Patrik Wyss (GFL) formulierte.

Es sei nie das Ziel gewesen, nur den Baurechtszins zu maximieren, konterte Schmidt. Zudem sei er nicht eigenmächtig vorgegangen. Der zuständige Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik werde nun die stadträtlichen Beschlüsse ins Wettbewerbsverfahren einfliessen lassen.

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