Aktualisiert 13.08.2009 16:29

Kritik im Fall Zofingen«Was haben die sich bei dieser Wahl gedacht?»

Der Polizeichef von Zofingen verkaufte Drogen und nahm selbst welche. Damit habe er nicht nur sich selbst geschadet, sondern der gesamten Polizei, findet der Verband Schweizerischer Polizeibeamter und erhebt massive Kritik an der Wahl der Zofinger Behörden: «Der Mann hatte keine Ahnung von der Polizei.»

von
amc

«Was haben sich die Behörden bei der Wahl dieses Mannes nur gedacht?», fragt sich Heinz Buttauer. Der Präsident des Verbandes Schweizerischer Polizeibeamter VSPB ist sauer. Er fürchtet um das Image der Polizei. Doch seine Wut richtet sich nicht gegen den wegen Drogenkonsum und Dealerei freigestellten Polizeichef Mathias M., sondern gegen die Zofinger Behörden, die den 36-Jährigen ins Amt hievten. «Der Mann hat und hatte keine Ahnung von der Polizei», sagt Buttauer gegenüber 20 Minuten Online.

«Die Behörden haben ihre Sorgfaltspflicht verletzt»

M. sei Quereinsteiger und habe keinerlei polizeiliche Qualifikation vorweisen können. «Vielleicht liessen sich die Behörden von seiner Tätigkeit als Informatiker bei der Fremdenpolizei blenden», vermutet Buttauer. Für ihn und seine Kollegen im Verband ist es jedenfalls unverständlich, dass ein Mann wie Mathias M. eine so wichtige Position erhalten konnte, ohne auf «Herz und Nieren geprüft zu werden». Für sie ist klar: «Die Zofinger Behörden haben ihre Sorgfaltspflicht in diesem Fall verletzt», sagt Buttauer. Er verlangt im Namen des VSPB Antworten vom zuständigen politischen Ressortleiter.

An sich gelte nämlich für Polizeiangehörige ein strengeres Anforderungsprofil als für andere Berufsgattungen, vor allem für Kommandanten, hält Buttauer fest. So müssten neben dem sozialen Umfeld und den finanziellen Verhältnissen auch der Umgang mit «Stimulanzien aller Art» sowie die Sozialkompetenzen abgeklärt werden. Auch ein Assessment, also ein systematisches Auswahlverfahren, könne Belege für die Tauglichkeit und Integrität eines Bewerbers nicht lückenlos aufdecken.

«Da müssen doch die Alarmglocken läuten»

Der zuständige Zofinger Stadtrat Herbert H. Scholl sagte gegenüber der «Mittelland-Zeitung»: Der «Quereinsteiger» M. sei während eines strengen Auswahlverfahrens 2008 genau geprüft worden und habe sehr gut abgeschnitten. «Er wirkte sehr seriös», so Scholl. Die Behörden fühlten sich durch den «normal» verlaufenden Dienstbetrieb bestätigt. Für Scholl «gab es keine Anzeichen für das, was herausgekommen ist.» Dennoch will man in Zukunft das Auswahlverfahren verschärfen: «Wir müssen in Zukunft Privates noch mehr abklären», so Stadtrat Scholl gegenüber der «Aargauer Zeitung».

Für Buttauer das Mindeste: Knapp ein Jahr sei M. im Dienst gewesen und alleine in dieser Zeit seien elf Kollegen aus dem Korps ausgetreten. «Da müssen doch die Alarmglocken läuten.» Es sei ähnlich wie im Fussball, sagt Buttauer: «Wenn es im Team solche Anzeichen gibt, muss man reagieren und den Trainer hinterfragen.» Deshalb verlangt er von politischen Behörden, dass sie die Verantwortung für das Desaster übernehmen und Antworten liefern: «Die verbliebenen Korpsmitglieder und die Bevölkerung haben auf die vielen offenen Fragen diese Antworten verdient.» (amc/dapd)

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