Aktualisiert 13.08.2009 17:18

«Arctic Sea»Was hat der verschwundene Frachter geladen?

Das Verschwinden des Frachtschiffs «Arctic Sea» im Atlantik sorgt weiter für Spekulationen. Experten vermuten, es könnte eine geheime Ladung an Bord haben. Die Reederei hat erstmals von einer Entführung gesprochen.

von
pbl

Der 98 Meter lange Frachter hatte offiziell Holz im Wert von rund zwei Millionen Franken geladen und befand sich vor gut zwei Wochen auf dem Weg nach Algerien. Das letzte Funksignal setzte die «Arctic Sea» am 28. Juli beim Einfahren in den Ärmelkanal ab. Kurz darauf wurde der elektronische Signalgeber abgeschaltet. Reeder Viktor Matwejew äusserte am Donnerstag den Verdacht, das Schiff könnte Piraten in die Hände gefallen sein. Was aus der 15-köpfigen Besatzung geworden ist, wisse er nicht - «ich hoffe, dass die Seeleute wohlauf sind».

Gegen die Piratenthese spricht, dass bislang keine Lösegeld- Forderung bekannt wurde. Allerdings schweigt sich die Reederei aus, ob eine solche Forderungen bei ihr eingegangen ist. Britische Zeitungen bringen eine andere These ins Spiel. «Die Osteuropa-Mafia könnte dahinter stecken. Esten, Letten oder Russen. Möglicherweise geht es um Drogen», sagte ein Piraten-Experte, der wegen früherer Verhandlungen mit somalischen Seeräubern nicht namentlich genannt werden möchte.

Rätselraten um «geheime Ladung»

Der russische Schifffahrtsexperte Michail Wojtenko hält den Fall für noch mysteriöser. «Als einzig vernünftige Antwort erscheint mir, dass das Schiff heimlich mit etwas beladen wurde, von dem wir nichts wissen», sagt er und erinnert daran, dass das Schiff im russischen Kaliningrad vor Anker lag, bevor es in Finnland mit dem Holz beladen wurde. Dass es sich dabei um Drogen oder gar um normale Schmuggelware handelt, schliesst Wojtenko aus. «Ich denke, es ist etwas, das teurer und gefährlicher ist.»

Zuvor hatte es schon Gerüchte gegeben, dass das Schiff Waffen aus Russland für Afrika geladen haben könnte. Zielhafen der «Arctic Sea» war die Hafenstadt Béjaia im Nordosten Algeriens. In diesem Fall wäre offen, ob die Waffen in Russland, in Finnland oder erst während der Fahrt nach Algerien an Bord gekommen sind.

Weiterer Zwischenfall

Schon am 24. Juli, vier Tage vor dem endgültigen Verschwinden des Schiffs, gab es einen bizarren Zwischenfall. Laut Interpol enterten damals maskierte Männer den Frachter. Gemäss Medienberichten gaben sie sich als Drogenfahnder aus und suchten zwölf Stunden etwas, verschwanden dann aber unverrichteter Dinge.

Die Angehörigen der 15 russischen Seeleute sind unterdessen zusehends verzweifelt. In einem offenen Brief an den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew schrieben sie: «Wir bitten darum, alle nötigen russischen Sonderdienste mit einer umfassenden Such- und Rettungsoperation zu beauftragen.»

Die russische Marine sucht in der Tat nach dem Schiff, doch nähere Angaben dazu sind nicht erhältlich. Zur Rolle der angeblich an der Suche beteiligten Atom-U-Boote sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums: «U-Boote der russischen Marine erfüllen spezifische Aufgaben in verschiedenen Gebieten des Weltmeeres. Die Aufgaben und die Koordinaten von U-Booten werden geheim gehalten.» (pbl/sda/dapd)

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