Carlos Bernegger: «Was hat Pickel dort überhaupt zu suchen?»
Aktualisiert

Carlos Bernegger«Was hat Pickel dort überhaupt zu suchen?»

Carlos Bernegger holte an alter Wirkungsstätte gegen seinen Nachfolger einen Punkt. Ohne einen Tobsuchtsanfall vom GC-Trainer ging es aber nicht.

von
E. Tedesco
Luzern

GC-Trainer Carlos Bernegger nach dem 2:2 gegen den FC Luzern. (Video: 20 Minuten)

Er schrie und tobte. Der feurige Argentinier machte seinen GC-Spielern die Hölle heiss. «Immer diese Gelben Karten. Das ist ein Sch...dreck», tobte der GC-Trainer in der Pause. Noch so schalldichte Türen hätten in der Swissporarena nichts genützt, um die Lautstärke von Carlos Bernegger zu dämpfen. Der GC-Trainer war stinksauer. Dabei führte sein Team in Luzern nach 7 Minuten durch Ridge Munsy 1:0.

Was hat Bernegger an alter Wirkungsstätte so sauer gemacht? Charles Pickel. Der ehemalige Bebbi hatte wegen Reklamierens nach 12 Minuten die Gelbe Karte gesehen. 20 Minuten später leistete Pickel sich ein ungeschicktes Tackling und flog mit Gelb-Rot vom Platz. GC musste über eine Stunde in Unterzahl spielen. Sauer stiess Bernegger vor allem die erste Verwarnung Pickels auf.

«Was hat Pickel dort überhaupt zu suchen?», so Bernegger. «Claudio Lustenberger war ja verwarnt worden, wieso muss er da hingehen und reklamieren? Charles ist ein guter Fussballer und ein toller Mensch, aber er muss seine Lehren ziehen.» GC, so der Trainer, wird Pickel intern darauf ansprechen und vielleicht auch büssen. Die Eselei musste GC aber noch auf dem Platz ausbaden und hätte die Mannschaft fast um den Lohn gebracht.

Zwei Griffe in die Trickkiste

Denn Bernegger hatte seine Hausaufgaben gemacht. Letzten Sonntag studierte er den FCL im Spiel gegen den FCB (1:3). Und wie der Meister liess der GC-Trainer in Luzern mit einer Dreierabwehr spielen, welche bei Luzerner Ballbesitz auf eine 5er-Kette aufgestockt wurde. «Wir haben gegen Ende der letzten Saison öfter so gespielt und viele Spieler kannten das System», so Bernegger. «In unserem Findungsprozess ist es wichtig, dass wir defensive Stabilität haben, denn vorne haben wir die schnellen Leute, die ein Tor machen können. So sind wir auch weniger auszurechnen.» Der Trick ging auf ging auf.

«Ich bin gar nicht zufrieden»

GC-Abwehrchef Milan Vilotic ist mit dem Punktgewinn in Luzern nicht zufrieden und sagt warum das so ist. (Video: 20 Minuten)

GC-Abwehrchef Milan Vilotic ist mit dem Punktgewinn in Luzern nicht zufrieden und sagt warum das so ist. (Video: 20 Minuten)

Genauso wie ein zweiter Griff in die Trickkiste: Bernegger hatte unter der Woche die neuen Spieler zum Essen eingeladen, um sie besser kennen zu lernen. Bernegger: «Es ist für alle neuen Spieler, die aus unterschiedlichen Ländern stammen, alles viel zu viel und zu schnell gegangen. Wir haben darüber und auch über den Druck und Erwartungen gesprochen.»

Bernegger gehört zu den Menschen und Trainern, die sich interessieren wie es den Familien und den Spielern geht. Er selber ist Familienmensch und in dieser turbulenten Phase, in der er acht Neue in die Mannschaft integrieren muss und das in kurzer Zeit, sei das für ihn eine gute Art und wichtig gewesen auf die Spieler zuzugehen. Vor allem in dieser Phase der Meisterschaft.

Berneggers Rückkehr nach Luzern

Bernegger erlebt derzeit bei GC einen ähnlich grossen Umbruch wie vor drei Jahren in Luzern. 2013 rettete er die Innerschweizer vor dem Abstieg und führte sie auf Platz 4. In der Folgesaison und nach einem Umbruch wurde er nach 11 Runden ohne Sieg als Tabellenletzter am 6. Oktober 2014 entlassen. Am Sonntag kehrte er mit GC erstmals nach 2 Jahren und 10 Monaten an seine alte Wirkungsstätte zurück und holte gegen seinen Nachfolger Markus Babbel einen Punkt. Ein kleiner Schritt, aber zumindest ein Anfang, dass sich die Geschichte von 2014 nicht wiederholt.

«Es war schon speziell für mich und es sind einige Erinnerungen hochgekommen», so Bernegger. «Das Stadion ist für mich eines der schönsten Stadien in der Schweiz mit seiner Atmosphäre und den vielen Fans, die fantastisch sind für das Heimteam. Trotzdem war es mir wichtig, ein wenig Distanz zu haben.» Sportlich mag das gelungen sein. Privat kehrt er aber immer wieder nach Luzern zurück. Denn seit seinem Engagement lebt Bernegger mit seiner Frau, mit Sohn Kevin (14) und Tochter Sofia (10) immer noch in Luzern.

«Ich rege mich noch immer auf»

FCL-Torschütze Shkelqim Demhasaj und Christian Schwegler nach dem 2:2 gegen GC. (Video: 20 Minuten)

FCL-Torschütze Shkelqim Demhasaj und Christian Schwegler nach dem 2:2 gegen GC. (Video: 20 Minuten)

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