21.10.2020 15:27

Q&A zu 1000er-GrenzeSion-Boss Constantin fordert Unterbruch der Super League

Auch Basel verbietet Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen, im Wallis sind gar keine Fans mehr zugelassen. Aber wieso müssen andere Clubs nicht zurückstecken?

von
Laura Inderbitzin
Ernüchterung beim FC Basel: Nur noch 1000 Fans dürfen ins Stadion.

Ernüchterung beim FC Basel: Nur noch 1000 Fans dürfen ins Stadion.

Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

Darum gehts

  • Der FCB und die Young Boys dürfen nur noch vor 1000 Zuschauern spielen, beim FC Sion sind gar keine Zuschauer mehr erlaubt.

  • Für die Clubs hat das riesige Auswirkungen.

  • Derweil dürfen bei den anderen Vereinen weiter massiv mehr Fans ins Stadion, woher kommt diese Diskrepanz?

Wieso hat nun auch Basel so entschieden?

Die Antwort liegt auf der Hand: Die Infektionszahlen steigen in der ganzen Schweiz rasant, auch Basel-Stadt und Basel-Land sind stark betroffen. Deshalb beschränkten die Basler Kantone am Mittwoch die Anzahl Zuschauer an Grossanlässen auf 1000 Personen und folgten damit dem Kanton Bern, der selbiges bereits am Sonntag entschieden hatten.

Vor allem für den FC Basel hat das grosse Konsequenzen, der Club darf wieder massiv weniger Zuschauer ins Stadion lassen. Die Basler Behörden begründen: «Mit dem Ansteigen der Fallzahlen erhöht sich das Risiko eines Superspreader-Anlasses mit weitreichenden Folgen. Es gilt nun, bestehende Interventionssysteme wie das Contact-Tracing und die Gesundheitsversorgung, insbesondere in den Spitälern, zu schützen.» Die Schutzkonzepte in den Stadien würden zwar funktionieren. Die Schwierigkeit sei aber, was vor und nach den Spielen ausserhalb der Stadien oder Veranstaltungslokale passiere. Die neue Beschränkung gilt bis Ende Jahr.

Die Tribünen im St. Jakob-Park müssen wieder dünner besetzt werden.

Die Tribünen im St. Jakob-Park müssen wieder dünner besetzt werden.

Foto: Freshfocus

Und wieso lässt Sion gleich gar keine Fans mehr rein?

Das Wallis ist derzeit der am stärksten von der Pandemie betroffene Kanton und trifft entsprechend harte Massnahmen. «Angesichts der Entwicklung hat der Staatsrat keine andere Wahl, als diese einschneidenden und sofortigen Massnahmen zu ergreifen», teilten die Walliser Behörden mit. Unter anderem sind ab Donnerstag sämtliche Kontaktsportarten (Fussball, Basketball, Hockey, Kampfsportarten usw.) komplett verboten – mit Ausnahme des Profisports. Der FC Sion muss aber neu unter Ausschluss des Publikums spielen.

Christian Constantin, Präsident des FC Sion, hatte kurz vor der Ankündigung noch drastischere Massnahmen gefordert. Gegenüber «Le Matin» sagte er: «Wir sollten heute alles bis Weihnachten stoppen und die Meisterschaft aussetzen.»

Christian Constantin würde eine rigorose Vorgehensweise begrüssen.

Christian Constantin würde eine rigorose Vorgehensweise begrüssen.

Foto: Pascal Müller (Freshfocus)

Aber warum dürfen die anderen Super-League-Clubs weitermachen?

Es stimmt, die restlichen Clubs aus der Super League dürfen derzeit weiterhin über 1000 Personen in ihre Arenen lassen – natürlich immer unter Einhaltung der Schutzkonzepte. Ob weitere Kantone mit ähnlichen Entscheiden wie Bern, Basel oder dem Wallis folgen werden, ist noch unklar. Doch der Kanton Aargau hat beispielsweise ebenfalls am Mittwoch ausdrücklich kommuniziert, dass Grossveranstaltungen mit über 1000 Besuchern weiterhin erlaubt seien. Genauso in St. Gallen. «Im Kanton St. Gallen haben sich gemäss aktuellen Daten keine Personen an einer Grossveranstaltung mit dem Coronavirus angesteckt», begründet der St. Galler Regierungsrat seinen Entscheid in einer Medienmitteilung. Zudem bestünde ein «gutes Sicherheitskonzept», heisst es in der Mitteilung weiter. Die Schweizer Kantone sind sich folglich in Sachen Grossveranstaltungen und deren Corona-Auswirkungen uneinig.

Was sagt der FCB zum Entscheid?

FCB-CEO Roland Heri spricht von einem «Stich ins Herz».

FCB-CEO Roland Heri spricht von einem «Stich ins Herz».

Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)

In Bern waren sie ganz und gar nicht «amused» über den Entscheid ihrer Behörden. «Uns ist in fünf Minuten die wirtschaftliche Existenz entzogen worden. Und ein gewählter Regierungsvertreter fand es nicht für nötig, mit seinem Volk zu reden. Das bringt mich auf die Palme», sagte beispielsweise Marc Lüthi, CEO des SC Bern. Wie reagiert nun der FC Basel auf die neuen Vorgaben? «Der heutige Entscheid ist ein Stich ins Herz aller Fussball- und Sportfreunde», sagt FCB-CEO Roland Heri. «Äusserst schade ist die drastische Reduktion der Zuschauerkapazität auch in Bezug auf die enormen Anstrengungen, die zur Erstellung des aktuellen Schutzkonzeptes notwendig waren.»

Die finanziellen Konsequenzen seien enorm. Heri erklärt: «Dieser Entscheid ist für den FC Basel gravierend und stellt den Club vor existenzielle Herausforderungen. Die Perspektive, bis Ende 2020 praktisch ohne Zuschauer spielen zu müssen und damit vor allem im Catering und Merchandising nicht von den einträglichen Spieltagen profitieren zu können, trifft uns hart.» Die 10’000 Halbjahreskartenbesitzer, die ihre Ticktes bereits reserviert hatten, müssen diese nun auch (noch) nicht bezahlen. Wie es hier weitergeht, müsse abgewartet werden. (ete)

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61 Kommentare
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RM

22.10.2020, 10:39

Nach meiner Ansicht sollte man die Meisterschaft sofort abbrechen und erst im Januar starten und dann nur mit Hin- und Rückspiel, also die halbe normale Meisterschaft spielen.

Herzchen

21.10.2020, 18:42

Ich bin nicht immer überzeugt und damit einverstanden was CC sagt, aber diesmal stimme ich ihm zu. Das sage ich als FC. Gallen Fan. Den der Fussball sollte für alle Clubs unter den selben Voraussetzungen statt finden dürfen.

Mayer

21.10.2020, 18:22

Bin ich hier richtig für den Live Stream des Cage Fights zwischen Christian und Rolf?