Aktualisiert 19.10.2012 16:59

Q&AWas hinter dem Google-Absturz steckt

Quartalszahlen vorzeitig veröffentlicht, Totalabsturz der Google-Aktie: Wer ist schuld? Und wird der Verursacher verklagt? Klar ist: Für Google dürfte sich der Schaden in Grenzen halten.

von
hpa/sas
Google-Chef Larry Page musste sich gestern an einer Telefonkonferenz für den Patzer entschudligen.

Google-Chef Larry Page musste sich gestern an einer Telefonkonferenz für den Patzer entschudligen.

Ein ungewöhnliches Bild am Donnerstagabend: Die bisher solide Google-Aktie rauschte innert weniger Sekunden um zehn Prozent in die Tiefe. Aus Versehen wurde der Quartalsbericht des führenden Suchmaschinenbetreibers rund vier Stunden zu früh veröffentlicht. Geplant war die Veröffentlichung nach Börsenschluss in den USA. Den Anlegern gefielen die Zahlen ganz und gar nicht; sie verkauften die Google-Titel panikartig. Die Aktie wurde vom Handel ausgesetzt.

Wie konnte es zu diesem Missgeschick kommen?

Es handelt sich vermutlich um menschliches Versagen. So äusserte sich jedenfalls Tom Quinlan, Chef des Dienstleisters R.R. Donnelley. Die Firma wurde von Google mit dem Druck bzw. der Publikation des Quartalsberichts betraut.

Was lief genau schief?

«Wie unsere Druckerei gesagt hat, haben sie den 'Senden'-Knopf an der Veröffentlichung einfach ein bisschen zu früh gedrückt», sagte Google-Chef Larry Page an der Telefonkonferenz. Die Daten wurden nicht nur zu früh, sondern auch bloss an eine Teilöffentlichkeit gesandt. Konkret tauchten die Google-Daten auf der Homepage der US-Börsenaufsicht SEC auf, die von den Computern unmittelbar gelesen wird und flossen direkt in den Handel ein.

Welchen Einfluss hat der Fehler auf den Aktienkurs von Google?

Die Aktie ist vor allem wegen der enttäuschenden Zahlen eingebrochen. Kurzfristig, unmittelbar nach Bekanntwerden der Zahlen, war der Schock wegen des Überraschungseffektes erheblich. Innert Kürze wurde ein Börsenwert von 20 Milliarden Dollar vernichtet. Gegen Handelsschluss erholte sich die Aktie etwas und schloss an der Nasdaq noch acht Prozent tiefer (Schlusskurs 695 Dollar). Im europäischen Handel lag die Aktie am Freitag zwischzeitlich über sieben Prozent im Minus. Im US-Handel vom Freitag hielt sich der Google-Titel in einem leicht sinkenden Markt bei rund 695 Euro.

Auf längere Sicht dürfte der Einfluss der frühzeitigen Publikation aber zu vernachlässigen sein.

Hat Google durch die vorzeitige Publikation nun ein Imageproblem?

Der Reputationsschaden ist kurzfristig gesehen erheblich. Michael Robinson, Vorstand von Levick Strategic Communications, sprach nach der Panne von einem «monumentalen Fehler epischen Ausmasses». Die ohnehin schlechten Nachrichten seien auf dem denkbar schlechtesten Wege kommuniziert worden. Auf längere Sicht ist aber für Google entscheidender, dass keine grösseren Datenschutzprobleme mit seinen Nutzern auftreten.

Haben Google oder der Dienstleister Schadenersatzforderungen von Anlegern zu befürchten?

Zwar ist ein Reputationsschaden entstanden. Dieser lässt sich aber kaum finanziell beziffern. Bei der Haftungsklage ist der Nachweis eines bezifferbaren Schadens entscheidend. Der Kursrutsch ist in erster Linie auf die enttäuschenden Zahlen zurückzuführen. Zudem befindet sich die Aktie wieder auf einem Erholungskurs.

Was sagen Börsianer zum Google-Missgeschick und den Folgen?

Burhan Fazlija, Aktienhändler der Bank Rahn & Bodmer Co., rechnet nicht mit einer Klage von Aktionären: «Zweifellos ist ein solches Ereignis wie auch der nachfolgende Handelsstopp unschön. Doch auch nachbörslich hätten die enttäuschenden Geschäftszahlen einen negativen Effekt gehabt», sagt der Spezialist.

Was wird Google gegen den Dienstleister R.R. Donnelley unternehmen?

Wahrscheinlich wird Google eine Entschädigung von R.R. Donnelley verlangen. Diese dürfte aber laut Fazlija aussergerichtlich geschehen. Google habe kein Interesse, viel Lärm zu veranstalten. Klar ist: Würde Google tatsächlich von einem Gericht zu einer Schadenersatzzahlung an «geprellte» Aktionäre verdonnert, so würde sie den Schaden an den Dienstleister RR Donnelley weiterverrechnen.

Welches Potenzial hat die Google-Aktie?

Das Businessmodell und der Trend sprechen weiter für den US-Konzern. Allerdings ist die Aktie innert Jahresfrist sehr gut gelaufen. Google ist mit einem Börsenwert von 183 Milliarden Franken stattlich bewertet.

Motorola-Zukauf als Hypothek

Die Zahlen von Google blieben deutlich unter den Erwartungen. Der Umsatz stieg zwar im vergangenen Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar (13 Milliarden Franken). 2,6 Milliarden Dollar sind jedoch auf den Zukauf des Handyherstellers Motorola zurückzuführen. Enttäuschend war vor allem die Gewinnentwicklung. Er büsste gegenüber der Vorjahresperiode um 20 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar ein. Die Entwicklungskosten für neue Smartphones von Motorola mit Googles Betriebssystem Android schlugen sich negativ zu Buche.

Panne auch bei YouTube

Als ob der Internetkonzern Google mit der verfrühten Veröffentlichung seiner Geschäftszahlen nicht schon genug Ärger am Hals gehabt hätte, da brach auch noch sein Videoportal YouTube zusammen. Am Donnerstagabend Schweizer Zeit war beim Aufrufen der Website nur eine Fehlermeldung zu sehen: «500 Internal Server Error. Etwas ist falschgelaufen. Ein Team von bestens ausgebildeten Affen ist ausgesandt worden, um die Situation unter Kontrolle zu bringen.» Nach wenigen Minuten lief Youtube wieder. (sda)

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