China droht massive Coronawelle – derweil wächst Protest gegen «Zero Covid»

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Zero-Covid-Politik«Was immer China jetzt tut, es wird sie teuer zu stehen kommen»

Der Unmut der chinesischen Bevölkerung gegen die Pandemie-Strategie der Regierung hat sich zuletzt in Protesten niedergeschlagen. Doch laut Experten droht dem Land trotzdem eine Infektionswelle.

von
Benedikt Hollenstein

Studenten protestieren in Peking gegen die Corona-Lockdowns.

20min

Darum gehts

  • Die Regierung Xi Jinpings sieht sich bei der Umsetzung ihrer Zero-Covid-Strategie zunehmend mit Schwierigkeiten konfrontiert.

  • Bei plötzlichem Kurswechsel droht ein Gesichtsverlust – Proteste gegen die Lockdowns werden darum derzeit hart niedergeschlagen.

  • Francois Balloux, Direktor des UCL Genetics Institute, fürchtet gar, dass China in naher Zukunft schwer von einer massiven Corona-Welle getroffen werden könnte.

In China kommt es derzeit wegen der Corona-Lockdowns zu wüsten Szenen. Proteste in diversen Landesteilen gehen vereinzelt sogar so weit, den Rücktritt von Präsident Xi Jinping zu fordern. Schon Demonstrationen sind in China eher ungewöhnlich, Rufe nach dem Abgang des Vorsitzenden der allmächtigen Kommunistischen Partei Chinas in der Öffentlichkeit blieben bislang aus. Doch was hat die sonst relativ systemtreue chinesische Bevölkerung so aufgebracht?

Brutale Lockdowns schüren Wut

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor bald drei Jahren hat die Regierung von Xi Jinping auf die sogenannte «Zero Covid»-Strategie gesetzt. Infektionen sollten mit allen Mitteln minimiert werden – dies bedeutete teilweise extrem strikte Lockdowns für Millionen von Menschen aufgrund einiger einzelner Infektionen. In anderen Fällen wurden Angestellte in den Fabriken eingeschlossen, nachdem vor Ort Infektionen registriert worden waren. Jetzt gehen mehr und mehr Leute auf die Strasse und fordern ein Umdenken – die chinesische Regierung scheint sich mit ihrer Strategie in eine Sackgasse manövriert zu haben, aus der es laut Francois Balloux keinen wirklich sauberen Weg hinaus gebe.

Balloux ist Biologe, machte im Jahr 2000 seinen Doktortitel an der Uni Lausanne und leitet das britische UCL Genetics Institute in seiner Position als Direktor. Wie er in einer Reihe an Tweets schreibt, sei die jetzige Situation, in der sich Xi Jinpings Regierung befinde, ohne offensichtlichen Ausweg. «Was auch immer sie als Nächstes tun – oder wozu sie gezwungen sein werden – es wird sehr teuer werden», so Balloux.

Bisher habe China Corona-Infektionen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterdrückt. Dieses Vorgehen werde nun zunehmend unhaltbar, da die Bevölkerung mehr und mehr leide. «Die Regierung hat deshalb keine andere Wahl, als die Proteste immer härter niederzuschlagen – oder aber die Massnahmen zu lockern, was zu einer massiven Ansteckungswelle führen würde», schreibt Balloux.

Fragiles Gesundheitssystem

Eine Corona-Welle würde laut dem Biologen eine horrende Zahl von Toten fordern, da nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung bereits immun gegen das Virus sei. Vor allem Menschen über 80 seien im Vergleich zu anderen Ländern selten geimpft – besonders problematisch, da Chinas Bevölkerung im internationalen Vergleich sehr alt ist. Auch sei das Gesundheitssystem besonders in ländlichen Gebieten fragil, wie Francois Balloux schreibt.

Das plausibelste Szenario sei laut dem Biologen, dass China von einer massiven Corona-Welle erfasst werde, die einen massiven Anstieg der Mortalität zur Folge habe und möglicherweise mit einem Kollaps des Gesundheitssystems einhergehe. Die Auswirkungen, die ein offensichtliches Versagen der Zero-Covid-Strategie nach Jahren mit Lockdowns und Isolation für die chinesische Regierung haben könnte, sind weit schwerer vorhersehbar. 

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Corona-Zeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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