Harsche Kritik: Was ist bei «Suicide Squad» schiefgelaufen?
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Harsche KritikWas ist bei «Suicide Squad» schiefgelaufen?

Das Urteil der Fans steht noch aus, doch bei den Kritikern fällt der Streifen durch. Nun beginnt die Suche nach dem Grund für die angeblich ungenügende Comic-Verfilmung.

von
Schimun Krausz
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Im Vorfeld des Kinostarts von «Suicide Squad» wurde dem von Jared Leto gespielten Joker von allen Figuren die meiste Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei ist der grünhaarige Psychopath eigentlich gar kein vollwertiges Mitglied des Suicide Squad; aber seine perverse Beziehung zu Harley Quinn ist immer wieder Thema in der Comic-Vorlage.

Im Vorfeld des Kinostarts von «Suicide Squad» wurde dem von Jared Leto gespielten Joker von allen Figuren die meiste Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei ist der grünhaarige Psychopath eigentlich gar kein vollwertiges Mitglied des Suicide Squad; aber seine perverse Beziehung zu Harley Quinn ist immer wieder Thema in der Comic-Vorlage.

Clay Enos
Laut den Kritikern stiehlt Margot Robbies Harley Quinn den anderen Bösewichten des Suicide Squad im Film die Show. Warner Bros. scheint das Potenzial der Figur erkannt zu haben; ein Solo-Film ist bereits angekündigt.

Laut den Kritikern stiehlt Margot Robbies Harley Quinn den anderen Bösewichten des Suicide Squad im Film die Show. Warner Bros. scheint das Potenzial der Figur erkannt zu haben; ein Solo-Film ist bereits angekündigt.

Clay Enos
Auch Will Smiths Deadshot gebühren einige der wenigen lobenden Kritikerworte über den «Suicide Squad»-Film. Die Figur bietet Potenzial für Tiefgang: Der beste Schütze des DC-Comics-Universums hat Todessehnsucht und begibt sich darum absichtlich in brenzlige Situationen.

Auch Will Smiths Deadshot gebühren einige der wenigen lobenden Kritikerworte über den «Suicide Squad»-Film. Die Figur bietet Potenzial für Tiefgang: Der beste Schütze des DC-Comics-Universums hat Todessehnsucht und begibt sich darum absichtlich in brenzlige Situationen.

Clay Enos

Die meisten Kritiker mögen «Suicide Squad» nicht. «So viele verpasste Chancen» attestiert man dem Superbösewichte-Ensemblefilm auf BBC.com. Das Werk sei aufgebläht, heisst es beim «Collider» und die Story wirke wie vom Häcksler ausgespuckt. «Es passiert so viel, dass man am Ende das Gefühl hat, gar nichts gesehen zu haben», ist im «Time Magazine» zu lesen. Der Kritiker von «The Hollywood Reporter» findet, der Film «Suicide Squad» sei zu keinem Zeitpunkt so cool, wie er vorgibt zu sein, bei «Vanity Fair» fällt das Wort «uninspiriert» und im «Rolling Stone» wird der Streifen gar als seelenlos bezeichnet.

Sogar die glaubwürdigen Leistungen von Will Smith und speziell Margot Robbie würden nicht helfen, heisst es bei CNN.com. Und bei der «New York Post» werden die titelgebenden Squad-Mitglieder als «die lahmsten Bösewichte überhaupt» abgewatscht. Zusammengetragen werden die Wertungen und Meinungen vom Filmportal Rotten Tomatoes, laut dem aktuell nur 27 Prozent der Kritiker den DC-Comics-Streifen gut finden. Das bedeutet, dass es durchaus positive Stimmen gibt, diese aber klar in der Unterzahl sind.

(Quelle: Youtube/Warner Bros. Pictures)

Der falsche Regisseur?

«The Hollywood Reporter» versucht sich in Ursachenforschung. Angekündigt wurde der Film im Oktober 2014. Einer Quelle zufolge habe Regisseur und Drehbuchschreiber David Ayer (48, hat auch «Street Kings», «End Of Watch» und «Fury» gemacht sowie den Oscar-prämierten «Training Day» geschrieben) das Skript innerhalb von nur sechs Wochen erstellt und dann habe man losgelegt – mit mehr Zeit hätte er die Geschichte vielleicht schlüssiger schreiben können.

Ein weiterer Grund für die Kritikerschelte könnte die Tatsache sein, dass Ayer bisher noch keinen mit Spezialeffekten vollgestopften, sogenannten Tentpole-Film gemacht hat (Studios bezeichnen die wichtigsten Releases des Jahres als ihre Tentpoles). Das Problem sei, dass dahingehend erprobte Regisseure teuer sind und meist keinen Bock haben, sich diesen Druck erneut aufzubürden.

(Quelle: Youtube/Warner Bros. Pictures)

Das liebe Geld

Ganz allgemein sei das Budget wohl die Hauptursache für das durchwachsene Ergebnis. Weil gleich zu Beginn lukrative Branding- und Merchandise-Deals abgeschlossen worden seien, habe man den Kinostart nicht mehr verschieben können, sagt eine andere Quelle gegenüber «The Hollywood Reporter». Als dann noch «Batman v Superman: Dawn of Justice» das vom Studio gesetzte Ziel eines Einspielergebnisses von über einer Milliarde US-Dollar verfehlte, sei Warner Bros. zunehmends nervös geworden.

Weil es so wichtig ist, dass das DC-Comics-Kino-Universum erfolgreich wird – die Hauptmotivation dahinter sind die übermächtigen Verfilmungen von Konkurrent Marvel/Disney –, hat das Studio immer mehr Köche an den Brei gelassen. Es wurden kostenintensive Nachdrehs angesetzt – angeblich, um «Suicide Squad» witziger zu machen, aber später hiess es, man habe schlicht weitere Action-Sequenzen produziert. Diverse Cutter hätten verschiedene Filmversionen erstellt und diese seien dann unterschiedlichen Testgruppen gezeigt worden, woraufhin nicht David Ayers ursprüngliche Vision umgesetzt worden sei, sondern ein Mix aus verschiedenen Fassungen, die dem Testpublikum am meisten zugesagt hätten.

(Quelle: Youtube/Warner Bros. Pictures)

Fans haben das letzte Wort

Der Cast selbst stellt sich erwartungsgemäss hinter den Film und findet die harsche Kritik nicht gerechtfertigt. «Er mag nicht perfekt sein», sagte Cara Delevingne (23) der Nachrichtenagentur Reuters, aber er sei sowieso für die Fans gemacht. Will Smith (47) meinte, gewisse Leute hätten «vielleicht einfach andere Erwartungen» an den Film gehabt. Jay Hernandez (38) wiederum gab sich laut «Digital Spy» weniger diplomatisch und findet es «Schei**e», wie in den negativen Reviews argumentiert werde.

Obwohl «Batman v Superman» den Kritikerstimmen nach ein ziemlicher Totalausfall hätte werden sollen, war er an den Kinokassen sehr beliebt – auch wenn er die finanziellen Erwartungen von Warner Bros. nicht ganz erfüllte. Reviews bestimmen demnach nicht zwingend den Erfolg eines Films. Ob sich auch «Suicide Squad» über die Kritik hinwegsetzen kann, wird sich im Laufe der nächsten Wochen zeigen.

«Suicide Squad» (Warner Bros.) läuft am 18. August in den Deutschschweizer Kinos an.

(Quelle: Youtube/Movieclips Trailers)

Rick Ross.

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