Bundesrat Alain Berset äussert sich zum Covid-Gesetz und Covid-Impfzertifikat
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Alain Berset wirbt für Impfung«Was ist die Alternative? Mit den Schultern zucken und nichts tun?»

Alain Berset hat sich zur Impfoffensive, zu der Zertifikatspflicht und zum Covid-Gesetz geäussert. Die tiefe Impfquote in der Schweiz habe kulturelle Gründe, sagt der Bundesrat.

von
Marcel Urech
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«Entscheidend ist, dass wir die Kontrolle nicht verlieren», sagt Alain Berset zur aktuellen Corona-Lage.

«Entscheidend ist, dass wir die Kontrolle nicht verlieren», sagt Alain Berset zur aktuellen Corona-Lage.

REUTERS
Die Herbstferien seien noch nicht überall vorbei, es werde kälter und der Trend bei den Ansteckungen habe sich gekehrt, sagt der Bundesrat.

Die Herbstferien seien noch nicht überall vorbei, es werde kälter und der Trend bei den Ansteckungen habe sich gekehrt, sagt der Bundesrat.

20min/Stefan Lanz
«Hätten wir Anfang des Jahres gewusst, dass im Oktober 71 Prozent derjenigen, die sich überhaupt impfen lassen können, vollständig geimpft sind, wären wir glücklich gewesen», so Berset.

«Hätten wir Anfang des Jahres gewusst, dass im Oktober 71 Prozent derjenigen, die sich überhaupt impfen lassen können, vollständig geimpft sind, wären wir glücklich gewesen», so Berset.

20min/Stefan Lanz

Darum gehts

  • Reisen werde bei einem Nein zum Covid-Gesetz deutlich komplizierter, sagt Alain Berset.

  • Eine Aufhebung der Zertifikatspflicht liege noch nicht drin, so der Bundesrat.

  • Weitere Erleichterungen für Genesene seien aber möglich.

Mit dem Herbst zeichnet sich eine Trendwende bei den Corona-Fallzahlen ab – sie steigen wieder. «Die Herbstferien sind noch nicht überall vorbei, es wird kälter, und der Trend bei den Ansteckungen hat sich gekehrt», sagt Bundesrat Alain Berset in einem Interview mit Zeitungen von «CH Media». Das Auf und Ab der Infektionszahlen gehöre aber zu einer Pandemie. «Entscheidend ist, dass wir die Kontrolle nicht verlieren.»

Impfoffensive ist laut Berset alternativlos

Berset weist darauf hin, dass die Impfquote in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern tief sei. Er sagt aber auch: «Hätten wir Anfang des Jahres gewusst, dass im Oktober 71 Prozent derjenigen, die sich überhaupt impfen lassen können, vollständig geimpft sind, wären wir glücklich gewesen.» Mit der Delta-Variante, die nun grassiert, reiche dieser Wert allerdings nicht, um eine Überlastung des Gesundheitswesens auszuschliessen.

Die tiefe Impfquote hat gemäss Berset kulturelle Gründe. In Portugal seien 86 Prozent der Bevölkerung gegen Corona geimpft. Die Impfbereitschaft sei deswegen so hoch, weil das Land bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts viele Polio-Erkrankungen erlebt habe. Diese Erfahrung sei bis heute prägend, so Berset. Auf die Impfoffensive angesprochen, fragt Berset: «Was ist die Alternative? Mit den Schultern zucken und nichts tun?»

Nein zum Covid-Gesetz hätte Folgen

Der Bundesrat äusserte sich im Interview auch zur Abstimmung zum Covid-Gesetz. Bei einer Ablehnung würden alle vom Parlament im März 2021 beschlossenen Anpassungen des Gesetzes wegfallen. Davon betroffen wären laut Berset auch Hilfsleistungen für Selbstständigerwerbende, Angestellte, Unternehmen, Kultur, Sport oder Kitas und Regelungen wie die Befreiung von Geimpften von der Quarantänepflicht.

Reisen werde bei einem Nein deutlich komplizierter, da man das Zertifikat dann nicht mehr nutzen könnte. Ein Zertifikat zu schaffen, das nur für das Ausland gültig sei, würde mehrere Monate dauern, sagt Berset.

Bundesrat prüft erweiterte Zertifikatspflicht

Berset sagt zudem, dass der Bundesrat Mitte November erneut die erweiterte Zertifikatspflicht prüfen werde. Bei Grossanlässen werde die Zertifikatspflicht aber wohl noch länger nötig bleiben. Eine Aufhebung der Zertifikatspflicht liege zwar noch nicht drin, aber Erleichterungen für Genesene seien möglich.

Langfristig lasse es sich nicht rechtfertigen, dass die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die Tests bezahlen müssen. Das Ende der Gratistests habe dazu geführt, dass die Kosten für die Tests gesunken seien – «dank innovativer Lösungen».

Berset wirbt für Gegenvorschlag zur Pflegeinitiative

Zur drohenden Niederlage des Bundesrats bei der Pflegeinitiative sagt Berset, dass er noch nie einen derart starken Gegenvorschlag zu einer Initiative gesehen habe. Die Arbeitsbedingungen seien zwar nicht Teil davon. «Aber wenn mehr Pflegende ausgebildet werden, entlastet das die Tätigen», argumentiert Berset.

Zudem falle die Regelung der Arbeitsbedingungen auch bei einer Annahme nicht hauptsächlich in den Kompetenzbereich des Bundes. Das Risiko, dass die Umsetzung der Initiative lange dauern würde, werde unterschätzt. Trete der Gegenvorschlag in Kraft, könnte man die Ausbildungsoffensive hingegen rasch starten.

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