Verwirrung um Staubilder: Was ist los an der finnisch-russischen Grenze?

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Verwirrung um StaubilderWas ist los an der finnisch-russischen Grenze?

Nach der Ankündigung einer russischen Teilmobilmachung tauchten im Netz Bilder von Autokolonnen an der finnisch-russischen Grenze auf. Einige davon sind aber alt und wurden aus dem Kontext gerissen. 

von
Fee Anabelle Riebeling
Tobias Bolzern
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Nachdem Wladimir Putin eine Teilmobilisierung der Streitkräfte angekündigt hat, verbreitete sich im Internet die Behauptung, an der finnisch-russischen Grenze hätten sich auf russischer Seite lange Schlangen gebildet. Doch so lang wie behauptet, waren die Autokolonnen nicht. 

Nachdem Wladimir Putin eine Teilmobilisierung der Streitkräfte angekündigt hat, verbreitete sich im Internet die Behauptung, an der finnisch-russischen Grenze hätten sich auf russischer Seite lange Schlangen gebildet. Doch so lang wie behauptet, waren die Autokolonnen nicht. 

Screenshot Twitter.com/@SSoapWasTaken
«Die Situation an der Grenze hat sich nicht geändert mit der Ankündigung der Mobilisierung. Einige der Clips, die auf Social Media in Umlauf sind, sind schon älter oder aus dem Kontext gerissen. Es sind falsche Aussagen», schreibt die finnische Grenzbehörde auf Twitter. (Im Bild: Die sechs Verwaltungseinheiten des finnischen Grenzschutzes)

«Die Situation an der Grenze hat sich nicht geändert mit der Ankündigung der Mobilisierung. Einige der Clips, die auf Social Media in Umlauf sind, sind schon älter oder aus dem Kontext gerissen. Es sind falsche Aussagen», schreibt die finnische Grenzbehörde auf Twitter. (Im Bild: Die sechs Verwaltungseinheiten des finnischen Grenzschutzes)

Raja.fi
Besonders viele Aufnahmen wurden vom Grenzübergang Vaalimaa geteilt. Auch in diesem Tiktok-Video ist er von russischer Seite aus zu sehen. 

Besonders viele Aufnahmen wurden vom Grenzübergang Vaalimaa geteilt. Auch in diesem Tiktok-Video ist er von russischer Seite aus zu sehen. 

Screenshot Tiktok/@igorinrussia

Darum gehts

  • Im Internet kursieren Bilder, die lange Autoschlangen an der Grenze zu Finnland zeigen sollen.

  • So hätte der Verkehr nach der Ankündigung der Teilmobilisierung zugenommen, heisst es.

  • Sie prangern an, dass einige der Aufnahmen, die zurzeit zirkulieren, nicht aktuell sind.

«An der finnischen Grenze hat es 35 Kilometer Stau, alle wollen weg», solche und ähnliche Meldungen kursierten am Mittwoch, nachdem Russland eine Teilmobilisierung der Truppen angekündigt hat. Auch 20 Minuten hat darüber berichtet. Zudem wurden in den sozialen Medien Videos und Fotos geteilt, die den Ansturm auf die Grenze zwischen Finnland und Russland zeigen sollen. Wie sich nun zeigt, sind nicht alle Bilder aktuell.

«Die Situation an der Grenze hat sich nicht geändert mit der Ankündigung der Mobilisierung. Einige der Clips, die auf Social Media in Umlauf sind, sind schon älter oder aus dem Kontext gerissen. Es sind falsche Aussagen», schreibt die finnische Grenzbehörde auf Twitter. Und Matti Pitkäniitty, Leiter der Abteilung für internationale Angelegenheiten beim finnischen Grenzschutz, präzisiert: «Vaalimaa ist der belebteste Grenzübergang an der finnisch-russischen Landgrenze. Die Situation lässt sich live über eine Wetterkamera sehen», sagt er. 

Eine Aufnahme von 10.18 Uhr (Lokalzeit) am Grenzübergang Vaalimaa auf finnischer Seite. 

Eine Aufnahme von 10.18 Uhr (Lokalzeit) am Grenzübergang Vaalimaa auf finnischer Seite. 

Fintraffic.fi

«Diese Webcam zeigt die Westseite der Grenzübergangsstelle. Die linke Spur ist für Autos, die nach Finnland einreisen und die rechte für die Ausreise nach Russland», erklärt Pitkäniitty auf Twitter.  Und weiter: «In der Nacht hat der Verkehr zugenommen (siehe Bildstrecke). «Gestern kamen 4824 Russen über die Ostgrenze nach Finnland. Letzte Woche am Mittwoch waren es 3133. Die gestrige Zahl ist niedriger als an einem normalen Wochenende», so Pitkäniitty.

Von einer Ausnahmesituation weiss auch Kommandant Kimmo Ahvonen, Leiter des Referats Kommunikation der finnischen Grenzschutzzentrale, nichts: «Der Grenzverkehr an den Grenzübergängen in Südostfinnland hat in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag leicht zugenommen», erklärt er auf Anfrage von 20 Minuten. «Bis jetzt waren es einige hundert Personen mehr als sonst.»

Ahoven bezeichnet die Lage an der gesamten finnisch-russischen Grenze als stabil. «Der Grenzverkehr wird sich in den nächsten Tagen wahrscheinlich auf einem leicht erhöhten Niveau fortsetzen. Ein langfristiger Anstieg ist unwahrscheinlich.» Insgesamt befände sich der Grenzverkehr an der Ostgrenze immer noch auf einem deutlich niedrigeren Niveau als vor der Covid-Pandemie.

Video trotz Hinweis aus dem Kontext gerissen

Ein vermeintliches Beweisvideo, das von der langen Autoschlange an der finnisch-russischen Grenze am Mittwoch, dem Tag der Ankündigung der Teilmobilmachung, zeugen soll, zeigt zwar tatsächlich einen Stau vor dem Grenzübergang Vaalimaa. Allerdings wurden die Aufnahmen an einem anderen Tag aufgenommen.

So wurde das Video bereits einen Tag vor der Anordnung Putins auf Tiktok hochgeladen, wie das Upload-Datum zeigt. @igorinrussia, der offenbar auch der Urheber des Clips ist, schrieb am Mittwoch nachträglich dazu:  «Dieses Video wurde vor den Ankündigungen gedreht, bitte reisst es nicht aus dem Zusammenhang

«Wie verlasse ich Russland?»

«Как уехать из России» – «Wie verlasse ich Russland» – eine Suchanfrage, die bei Google in den letzten Tagen einige Male innerhalb von Russland gestellt wurde. Das zeigt eine Auswertung des Suchbegriffs durch Google Trends. Dabei gilt es zu Bedenken, dass Google innerhalb Russlands mit Yandex einen sehr beliebten Suchmaschinenkonkurrenten hat. Die Daten sind also nicht so repräsentativ, wie in anderen Regionen. Ein Spike an Popularität nach dem Suchbergriff wurde am Abend des 20. Septembers 2022 verzeichnet. An dem Tag wurde spekuliert, dass der russische Präsident Wladimir Putin eine Rede hält. Diese fand dann effektiv am anderen Morgen statt. Ändert man das Zeitfenster auf ein Jahr, sieht man, dass Ende Februar 2022 die Suchanfrage noch beliebter war. Denn am 24. Februar begann die russische Invasion der Ukraine.

Viel los im Luftraum

Kurz nach der Ankündigung Wladimir Putins hat in Russland ein Sturm auf Auslandsflugtickets eingesetzt. Laut der Nachrichtenagentur Reuters stiegen die Suchanfragen für Aviasales, der beliebtesten Flugbuchungs-Website Russlands stark an. Kurzfristige Direktflüge von Moskau nach Istanbul (Türkei) und Eriwan (Armenien), beides Ziele, die Russen die visafreie Einreise ermöglichen, waren laut Aviasales-Daten am Mittwoch nicht mehr verfügbar. Auch Flüge mit Zwischenstopps, darunter jene von Moskau nach Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, waren auf Tage hinaus ausgebucht, so die Nachrichtenagentur AP. Die hohe Nachfrage beflügelte die Preise: So kostete ein Direktflug in die Türkei, der vor einer Woche noch für etwas mehr als 22’000 Rubel (rund 360 CHF) zu haben war, auf knapp 70’000 Rubel (etwa 1150 CHF), so Reuters unter Berufung auf die Daten von Google Flights.

Viele Menschen fürchteten, die Behörden könnten die Grenzen für Männer im wehrfähigen Alter schliessen oder die Teilmobilmachung ausweiten. Von einem deutlich erhöhten Flugaufkommen twittert auch Flightradar24. Das gepostete Video zeigt die Abflüge am 21. September 2022 im Zeitraffer.

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