Aktualisiert 23.06.2015 13:09

Gotteskrieger-BräuteWas junge Frauen an IS-Kämpfern fasziniert

110 Frauen aus Deutschland sind bereits zur Terrormiliz IS nach Syrien und in den Irak gereist. Die Islamisten werben sie auf Facebook als ihre Bräute an.

von
hal
Tendenz steigend: Immer mehr junge Frauen aus Deutschland schliessen sich den IS-Kämpfern an. (Archiv)

Tendenz steigend: Immer mehr junge Frauen aus Deutschland schliessen sich den IS-Kämpfern an. (Archiv)

Merve S. und Ece B. unterschieden sich bis vor zwei Jahren nicht von ihren Freundinnen. Doch plötzlich begannen sie, sich zu radikalisieren – zuerst verschleierten sie sich, dann schliefen sie auf dem Boden. Anfang Juni reisten die 17 und 18 Jahre jungen Hamburgerinnen nach Syrien, um sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Ihre Familien wussten nichts davon.

Die jungen Frauen sind nicht die einzigen, die von den IS-Kämpfern fasziniert sind. Mindestens 110 Frauen aus Deutschland sind bereits nach Syrien und in den Irak gereist, berichtet die «Augsburger Allgemeine».

Besondere Sorge machen den Behörden die sogenannten «Gotteskrieger-Bräute», die von IS-Kämpfern angelockt werden. Die Zeitung berichtet beispielsweise von Sanda aus Augsbrug, die zuerst einen IS-Kämpfer heiratete und dann an einen Islamisten mit niederem Rang weitergereicht wurde. Oder von ihrer Freundin Elif, die im Februar mit 16 Jahren nach Syrien ging, offenbar, um einen jungen Kämpfer aus Dresden zu heiraten. Oder von Fatma aus München, die ebenfalls mit 16 Jahren zu Hause weglief, um eine Dschihadisten-Braut zu werden.

Facebook als Heiratsmarkt des Jihads

Wie kamen sie mit dem radikalen Islam in Kontakt? Im Internet ist das kein Problem, zeigt ein Test der Journalisten. Ein paar Likes für islamistische Gruppen, für islamistische Sprüche, einige «pseudo-religiöse Floskeln» als Kommentare, wie es im Artikel heißt – und sofort kommen die Freundschaftsanfrage der IS-Kämpfer.

Und die Islamisten sind direkt: Sie suchen eine Frau, wollen heiraten. Sie fragen bald, ob die vermeintliche junge Frau schon den Niqab trage. Sie schicken Bilder. So entstehen Liebesgeschichten. Und am Ende reisen die jungen Frauen zu ihren Angebeteten in den Djihad.

«Wir hatten keine Anhaltspunkte»

In anderen Fällen aus Deutschland waren offenbar auch Vermittlerinnen tätig. Die Frauen testeten zuerst, ob ein Mädchen das Zeug zur Gotteskrieger-Braut hat. Sie trieben die Radikalisierung voran. Am Ende halfen sie den Mädchen, zu ihrem Bräutigam zu reisen.

Wenn sich die Behörden einschalten, sind die jungen Frauen meistens schon weg. Beim Fall der Mädchen in Hamburg teilte das Landeskriminalamt mit: «Wir hatten keine Anhaltspunkte, dass Ece B. sich radikalisierte oder einer verbotenen Organisation anschließen will.» Im Fall von Fatma ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen Terrormitgliedschaft. Doch die junge Frau ist längst in Syrien bei ihrem Bräutigam.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.