Russischer Angriff : Was kann die Ukraine mit den gelieferten Waffen erreichen – jetzt und künftig? 

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Russischer Angriff Was kann die Ukraine mit den gelieferten Waffen erreichen – jetzt und künftig? 

Seit Russlands Einmarsch Ende Februar bittet die Ukraine immer wieder um westliche Waffen. Zwei Experten erklären, was dem angegriffenen Land mit den bisherigen Lieferungen gelingen könnte – und was eher nicht.

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«Das Wort Himars ist für unser Land fast schon zum Synonym für das Wort Gerechtigkeit geworden», sagt …

«Das Wort Himars ist für unser Land fast schon zum Synonym für das Wort Gerechtigkeit geworden», sagt …

VIA PAVLO NAROZHNYY via REUTERS
… der ukrainische Präsident Selenski über das im Juni von den USA gelieferte …

… der ukrainische Präsident Selenski über das im Juni von den USA gelieferte …

REUTERS
… Mehrfachraketenwerfer-System Himars. 

… Mehrfachraketenwerfer-System Himars. 

AFP

Darum gehts

  • Himar-Systeme, M777-Haubitzen und Gepard-Panzer: Die Ukraine hat eine Reihe schwerer Waffen aus dem Westen erhalten. 

  • Experten sind skeptisch, ob den ukrainischen Kräften damit eine grössere Offensive gegen Russland gelingen wird.

  • Für die Zukunft und kriegsentscheidend ist demnach die anhaltende Unterstützung des Westens – militärisch wie auch politisch. 

Die ersten Himars-Mehrfachraketenwerfer kamen Ende Juni aus den USA in der Ukraine an – fast genau vier Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs. Dazu gab es auch Harpoon-Raketen und M777-Haubitzen sowie Gepard-Flugabwehrpanzer aus Deutschland.

Seither berichtet der ukrainische Generalstab, man habe insbesondere dank der US-Waffen Gegenoffensiven auf besetzte Gebiete starten können. In Videos und offiziellen Mitteilungen zelebrieren Regierung und Armee regelmässig die Störung russischer Logistik durch die Vernichtung von Munitionslagern.

Doch wie viel können die Ukrainer mit den bislang gelieferten Waffen erreichen – jetzt und in der Zukunft? 

Die USA lieferten der Ukraine M777-Haubitzen, hier in der Region Charkiw am 21. Juli 2022. 

Die USA lieferten der Ukraine M777-Haubitzen, hier in der Region Charkiw am 21. Juli 2022. 

REUTERS

Russland hat dazugelernt

Es gebe zwar weiterhin taktische Vorstösse der Ukraine. Doch insgesamt wirke das Kriegsgeschehen derzeit statisch, sagt Sicherheitsanalyst Wolfgang Richter von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin der Deutschen Presse-Agentur.

Gerade in der Ostukraine hätten die Russen aus ihren Fehlern gelernt. «Sie konzentrieren ihre Artillerie lokal auf relativ begrenzte Räume, aber schaffen dort eine hohe Feuerüberlegenheit und bohren sich langsam vorwärts.» Zugleich erlitten sie durch die Verzögerungstaktik der Ukrainer aber auch erhebliche Verluste, meint der Ex-Militär.

Ukraine «für Grossoffensive noch nicht aufgestellt»

Richter ist skeptisch, ob den ukrainischen Kräften eine grössere Offensive gelingen wird. Möglicherweise würden diese noch die eine oder andere Ortschaft zurückerobern. Aber: «Für eine Grossoffensive glaube ich aber, dass sie noch nicht aufgestellt sind.»

«Das ist eine völlig andere Operation mit vielen Kräften, die man aufeinander abstimmen muss, man muss regionale Überlegenheit herstellen an Kräften und Feuer, um grössere Räume zu nehmen.»

Zugleich habe Russland noch nicht voll mobilisiert und grosse Mengen an – wenn auch veralteter – Militärtechnik bereitstehen. Die Ukraine wiederum sei stark abhängig von westlichen Rüstungslieferungen.

M777-Haubitzen in der Donbas-Region.

M777-Haubitzen in der Donbas-Region.

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Russland mit Kriegsproduktion, Westen nicht

Deshalb sei die Frage, wie stark diese künftig ausfielen, meint Richter. Indes: «Der Westen hat nicht auf Kriegsproduktion umgeschaltet.» Anders in Russland: Hier hat die Regierung mit einem neuen Gesetz das Recht eingeräumt bekommen, Unternehmen zur Produktion für den Armeebedarf zu verpflichten.

Speziell mit Blick auf die USA sagt Richter: «Die Produktion der Himars-Munition, die die Amerikaner an die Ukraine geliefert haben und noch liefern, kommt allmählich an die Grenzen der eigenen Kapazitäten.» Fraglich sei auch, wie lange der politische Wille zur Unterstützung andauern werde.

Deutschland lieferte Gepard-Flugabwehrpanzer. 

Deutschland lieferte Gepard-Flugabwehrpanzer. 

AFP

Unterstützung bleibt für Ukraine entscheidend

Auch Steven Horrell vom Center for European Policy Analysis in Washington hält es für entscheidend, ob der Westen bei seiner Unterstützung bleiben werde. Der Kampf der Ukraine gegen Russland sei «ein echter Kampf der Demokratie gegen den Autoritarismus», meint er.

Deshalb sei es wichtig, dass der Westen der Ukraine dabei helfe, die Hoheit über international anerkannte Grenzen zurückzugewinnen. Territoriale Konzessionen dürften nicht als akzeptable Lösungen angesehen werden, so der frühere Marine-Offizier.

Wenig Hoffnung auf Verhandlungen

Auch der deutsche Experte Richter betont: «Das Ziel kann natürlich kein Kapitulationsfrieden sein, das wäre völlig inakzeptabel.» Zugleich verweist er darauf, dass es wichtig sei, irgendwann miteinander zu reden, um den Krieg zu beenden.

Viel Hoffnung mache ihm die Lage derzeit allerdings nicht: «Meine Befürchtung ist, dass zurzeit alle Seiten nur auf militärische Mittel setzen, weil sie hoffen, die eigene Verhandlungsposition durch die nächste Schlacht zu verbessern.» 

Steven Horrell vom Center for European Policy Analysis: «Der Kampf der Ukraine gegen Russland ist ein echter Kampf der Demokratie gegen den Autoritarismus.»

Steven Horrell vom Center for European Policy Analysis: «Der Kampf der Ukraine gegen Russland ist ein echter Kampf der Demokratie gegen den Autoritarismus.»

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Soll der Westen der Ukraine weiter Waffen liefern? 

Ukraine: Es fehlt sowjetische Munition

Fast ein halbes Jahr schon dauert der von Kreml-Chef Wladimir Putin angeordnete Angriffskrieg gegen die Ukraine. Im Osten mussten sich die ukrainischen Streitkräfte Anfang Juli im Gebiet Luhansk vorerst geschlagen geben. Im benachbarten Donezk hingegen halten sie weite Teile – noch.

Ihre Hauptverteidigungslinie verläuft dort vom Fluss Siwerskyj Donez über die Städte Siwersk, Soledar und Bachmut. Doch auch hier rücken die Russen aufgrund ihrer Artillerieüberlegenheit langsam vor. Sollten die drei Kleinstädte fallen, wäre für Russlands Armee der Weg frei in Richtung der Städte Slowjansk und Kramatorsk. In diesem Ballungsraum lebten vor dem Krieg mehr als eine halbe Million Menschen.

«Es gibt sie einfach nicht mehr»

Hauptproblem der ukrainischen Streitkräfte im Artilleriekrieg ist die zur Neige gehende Munition für ihre vorhandenen Waffen sowjetischer Bauart. «Es gibt sie einfach nicht mehr», sagt Brigadegeneral Dmytro Krassynlnykow dem Internetsender Hromadske.tv.

In den vergangenen rund 30 Jahren seit der ukrainischen Unabhängigkeitserklärung sei keine eigene Produktion aufgebaut worden. Auch deshalb sei die Lieferung westlicher Artilleriesysteme, die in Moskau regelmässig für grossen Unmut sorgen, jetzt so wichtig.

(DPA/gux)

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