Jeans for Jesus x Steiner & Madlaina: Was kann Hochdeutsch, was Mundart nicht kann?
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Jeans for Jesus x Steiner & MadlainaWas kann Hochdeutsch, was Mundart nicht kann?

Auf «2000 etc.» singen die Berner Mundartmagier Jeans for Jesus deutsch. Und bekommen dabei Schützinnenhilfe von den Hochdeutsch-Heldinnen Steiner & Madlaina aus Zürich.

von
Schimun Krausz

Zum Release ihres dritten Albums «19xx_2xxx_» stellten sich die beiden Jeans-for-Jesus-Frontmänner Mike und Demi dem 20 Minuten-Unboxing-Interview

Serano Brazerol/Schimun Krausz

Darum gehts

  • Die Berner Popband Jeans for Jesus hat ein Rework ihrer 2020er Single «2000&irgendwo» releast.

  • Das Spezielle daran: Statt wie gewohnt auf Mundart singen sie nun auf Hochdeutsch.

  • Dabei werden sie vom Zürcher Duo Steiner & Madlaina supportet, das in letzter Zeit vor allem auf Hochdeutsch gesungen hat.

  • Darum fragen wir Jeans-Mike und Steiner-Nora: Was kann Hochdeutsch, was Mundart nicht kann – und umgekehrt?

Mike, wie ist es, auf Hochdeutsch zu singen?

Mike Egger: Wie viele Andere habe auch ich den Lockdown als Chance wahrgenommen, eine Fremdsprache zu lernen. Hochdeutsch ist ja praktisch, wenn ich in den Nachbarländern bin und so. Aber im Ernst, das Singen war schon weird, aber es hat auch huere gfägt, so eine neue Herausforderung. Es ist, wie wenn du in einem Mundart-Haus wohnst und es dort ganz easy findest, und plötzlich entdeckst du die Tür zu einem grossen Garten mit all den neuen Möglichkeiten.

Nora, was könnt ihr auf Hochdeutsch, was auf Mundart nicht geht?

Nora Steiner: Ich finde es so schwierig, auf Mundart zu schreiben. Es erscheint mir oft zu kitschig. Und wenn ich dann Slang reinbringe, halt so, wie man spricht, dann ist das für mich oft cringe, speziell auf Züridütsch. Auf Hochdeutsch empfinde ich das nicht so.

M: Früher habe ich viel zürideutschen Rap gehört, E.K.R., Rokator und Samurai fand ich richtig gut. Darum habe ich kein Problem mit dem Zürcher Dialekt, ich bin ihn mir gewohnt.

Mike, was ist auf Hochdeutsch schwieriger als auf Mundart?

M: Unser Song «In deinem Garten» ist der erste, der von Anfang an hochdeutsch war und ich empfand es als schwierig, weil wir gerne sehr präzise schreiben. Wie verändert sich die Aussage, wenn es statt «Ich lieg betrunken in deinem Garten» «Ich lieg besoffen» heissen würde? Ich erkundige mich dann bei Deutschen mit Beizen-Credibility, welcher Ausdruck am präzisesten ist. Auch Steiner & Madlaina habe ich nach Feedback gefragt.

N: Dabei haben auch wir kein lupenreines Hochdeutsch. Erst beim Aufnehmen von unserem neuen Song «Wenn ich ein Junge wär» habe ich gemerkt, dass Deutsche ja gar nicht «einparkieren», sondern «einparken» sagen würden. Wir fanden es aber witzig und haben es so gelassen.

M: Ich mag es, wenn die Sprache gefärbt ist, einen Akzent hat.

N: Die Leute wissen ja, dass wir aus der Schweiz kommen, das hat dann ja auch Charme.

«2000 etc.»

Warum Hochdeutsch?

Jeans for Jesus x Steiner & Madlaina. Hinten: Mike Egger, Demian Jakob, Marcel Kägi (von links). Vorne: Madlaina Pollina, Philippe Gertsch, Nora Steiner (von links).

Jeans for Jesus x Steiner & Madlaina. Hinten: Mike Egger, Demian Jakob, Marcel Kägi (von links). Vorne: Madlaina Pollina, Philippe Gertsch, Nora Steiner (von links).

Matthias Günter

Die Single «2000&irgendwo» ihres 2020er Albums «19xx_2xxx_» haben Jeans for Jesus auf Hochdeutsch übersetzt, um sie am deutschen Melt Festival spielen zu können. Wegen The Rona findet dieses nicht statt, die neue Version haben die Berner trotzdem releast – in einer überarbeiteten Fassung und zusammen mit den Zürcherinnen Steiner & Madlaina, die ihrerseits gerade ihre zweite Platte «Wünsch mir Glück» rausgehauen haben.

Ist die Sprache überhaupt wichtig?

M: Mir ist die Sprache eines neuen Sophie-Hunger-Releases zum Beispiel egal, ich freu mich auf den Song. Bei Manu Chao ist es auch so. Aber gerade bei Mundart ist der Bezug natürlich schon spezieller.

N: Am meisten Mühe mit wechselnden Sprachen haben doch die Leute, die sie verkaufen müssen, zum Beispiel die Labels. Dann hörst du oft: «Ihr habt euch nicht entschieden.» Doch, haben wir. Wir haben uns dazu entschieden, uns nicht entscheiden zu müssen. Es ist doch egal. Aber ich kann nachvollziehen, wenn uns einige Leute sagen, dass sie unsere deutschen Lieder besser finden als unsere englischen – letztere haben einfach nicht denselben Wortwitz.

Auf welche Sprache whatsappt ihr?

M: Auf Grüfnisch. Kennt ihr das in Zürich?

N: Nein, was ist das?

M: Das ist eine Sprache, die Uneingeweihte nicht verstehen. Nerds benutzen die. Nora wird dann zu Nonoforanafa.

N: Mit einigen Leuten schreibe ich Hochdeutsch, mit anderen Schweizerdeutsch und es vermischt sich jeweils so schnell. Mein Mami ist Legende: Sie ist Griechin und schreibt mir immer auf Griechisch. Ich kann es sprechen und lesen, aber nicht schreiben. Es dauert jeweils, bis ich es wirklich gelesen habe und in der Zwischenzeit schreibt sie dann oft: «Verstahsch du, was ich dir schrib?» Und ich antworte dann auf Hochdeutsch – es ist ein sehr lustiger Chat.

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