Aktualisiert 26.12.2011 08:45

Preisfrage

Was kostet der Spengler Cup?

Die Frage ist diesmal nicht nur: Wer gewinnt den Spengler Cup? Erstmals in der Turniergeschichte geht es auch um die Frage: Was kostet der Hockey-Leckerbissen in der Altjahreswoche?

von
Klaus Zaugg
Dynamo Minsk gewann den Spengler Cup 2009. (Bild: Keystone)

Dynamo Minsk gewann den Spengler Cup 2009. (Bild: Keystone)

Die Davoser haben das Turnier erfunden (1923) und die Davoser führen es durch. Deshalb ist es logisch, dass der Gewinn aus dieser Veranstaltung auch in der HCD-Kasse verbleibt. Der Spengler Cup ist die Geldmaschine des HC Davos. Ohne Spengler Cup würde der HCD in der 1. Liga spielen. Wie der EHC Arosa.

Was der Spengler Cup kostet, beziehungsweise wie viel er dem HCD in die Kasse schwemmt, hat früher niemand interessiert. Allenfalls gab es ein bisschen Spekulationen in Medienberichten. Doch nun wird erstmals ganz konkret die Frage nach den Kosten bzw. dem Gewinn gestellt. Und zwar von den Nationalliga-Clubs. Die NLA-Klubs sind sozusagen «forderungsberechtigt»: Die NLA ist nämlich weltweit die einzige wichtige Liga, die in der Altjahrswoche Pause macht. Damit der HCD den Spengler Cup zelebrieren kann. In allen wichtigen Ligen sind die Spieldaten der Altjahrswoche die besten der ganzen Qualifikation.

Eine Million Entschädigung

Die Nationalliga hat dem HCD inzwischen einen Vorschlag unterbreitet und ausgerechnet, was der Spengler Cup kostet. Wie viel der HCD künftig den Klubs für das Gewähren der Spenger Cup-Pause zu bezahlen hat. Die durchschnittliche Summe, die jeder Klub verliert, weil wegen des Spengler Cups in der Altjahrswoche nicht gespielt werden darf, wird von der Liga mit 100 000 Franken beziffert. Das ergibt bei 10 Klubs (jeweils einer aus dem Unterland darf seit 2010 als zweiter Klub neben dem HCD am Turnier teilnehmen) ziemlich exakt eine Million. Aber eben: Der HCD-Präsident Gaudenz F. Demenig bekräftigt: «So viel können wir unmöglich bezahlen. Das würde unsere wirtschaftliche Existenzgrundlage gefährden.» Er sagt aber auch, dass ein Scheitern der Verhandlungen ausgeschlossen werden kann. Der kluge Diplomat weiss bereits, dass er zahlen muss, was gefordert wird. Da er aber die Interessen des HCD zu verteidigen hat, liefert er jetzt noch ein Rückszugsgefecht.

Die grosse Frage ist bei all diesen Diskussionen: Wie viel verdient der HCD eigentlich mit dem Spengler Cup? Wenn wir HCD-Präsident Domenig fragen, bekommen wir keine Antwort. Der erfolgreiche Wirtschaftsanwalt öffnet die Bücher nicht und lehnt es kategorisch ab, den Gewinn offenzulegen. Eher badet der Teufel im Weihwasserbecken als dass Domenig in eine Teilung des jeweiligen Spengler Cup-Gewinnes mit den Klubs im Unterland einwilligen würde. Nur eine pauschale Abgeltung kommt in Frage.

Vereine rechnen selbst

Weil die Flachlandklubs keine Einsicht in die HCD-Bücher bekommen und der Spengler-Cup-Gewinn ein gut gehütetes Geheimnis ist, haben die Klubs im Unterland ihre eigene Rechnung gemacht:

- Aufwand für den HC Davos (als Organisator des Turniers): 1,6 Millionen Franken. Die Summe setzt sich zusammen aus der Antrittsprämie von je 80 000 Franken für die fünf Gastteams (total 400 000 Franken), Preisgeld für die Teams (750 000 Franken) sowie der Übernahme der Reisekosten, der Unterkunft und der Verpflegung der fünf Gastteams sowie der Entschädigung für die fürs Turnier bei anderen Teams ausgeliehenen Spieler (rund 450 000 Franken).

- Ertrag für den HC Davos: 5,6 Millionen Franken. Die Summe wird errechnet aus den Zuschauereintritten (rund 4 Millionen Franken bei mindestens 70 000 Fans) und der Vermarktung-Garantiesumme von IMG Schweiz (mindestens 1,6 Millionen Franken).

- Ergibt zusammen einen Gewinn von rund vier Millionen Franken.

Das sind die Zahlen, die den Unterlandklubs als Basis für die Forderungen an den HC Davos in der Höhe von rund einer Million dienten.

Zusätzliche Einnahmequelle

Geld spielt beim Spengler Cup eigentlich erst im 21. Jahrhundert eine so zentrale Rolle. Solange das Eishockey kein «Big Business» war (bis in die 1980er-Jahre hinein) kümmerte sich im Flachland niemand darum, wie viel der HCD mit dem Spengler Cup verdiente. Und als es «Big Business» wurde, waren die Davoser zu wenig erfolgreich, um im Unterland Neid und Gelüste zu provozieren. Aber 2002 ist der HCD erstmals seit dem Wiederaufstieg Meister geworden und gewinnt seither fast jedes zweite Jahr den Titel. Schlimmer noch: Die Davoser sind wirtschaftlich inzwischen so stark, dass sie es sich sogar leisten können, Spieler im Unterland zum Vertragsbruch zu bewegen und aus laufenden Verträgen auszukaufen: Der Transfer von Nationalverteidiger Beat Forster während der laufenden Saison 2008/09 und gegen den Willen der ZSC Lions nach Davos markiert im Rückblick der Anfang der Versuche, die Spengler-Cup-Kasse zu sprengen. Je grösser auch der finanzielle Erfolg, desto grösser die Begehrlichkeiten im Flachland. Noch Anfang der 1990er-Jahre lag der Gewinn des Spengler Cups bei rund 250 000 Franken. 1997 waren es bereits 1,6 Millionen. Heute dürfte der Reinertrag bei rund vier Millionen Franken liegen.

Neuer TV-Vertrag bringt keine Mehreinnahmen

Aber auch TV-Sportchef Urs Leutert stellt die Frage: Was kostet der Spengler Cup? Er muss die TV-Produktionskosten berechnen. Die TV-Übertragungen des Spengler Cups gelten weltweit als erstklassig. Die TV-Bilder sind qualitativ besser als jene der WM-Übertragungen oder der NHL. Wenn sich Urs Leutert an die Kostenwahrheit hält, dann kommt er auf mehr als eine Million Franken Produktionskosten.

Die TV-Produktionskosten sind erstmals ein Thema. Weil das Schweizer Fernsehen die TV-Rechte 2011 zum letzten Mal gratis bekommt: Bisher waren die TV-Rechte am Spengler Cup immer im TV-Gesamtvertrag mit dem Verband enthalten. Der neue Vertrag (gültig ab nächster Saison) wird nur noch für die Meisterschaft, die Playoffs und die Länderspiele ausserhalb der WM gelten. Die TV-Rechte für den Spengler Cup muss Urs Leutert erstmals vom HC Davos separat erwerben.

Ursprünglich hoffte HCD-Präsident Domenig, beim Schweizer Fernsehen die Summe herauszuholen, die von den Klubs im Unterland gefordert wird. Doch nach den ersten Gesprächen mit TV-Sportchef Urs Leutert dämmert ihm, dass er gar kein TV-Geld bekommen wird. Er ist auf die TV-Präsenz des Turniers angewiesen. Urs Leutert garantiert ihm diese Präsenz. Dafür verrechnet der schlaue TV-General die Produktionskosten mit der Entschädigung für die TV-Rechte: Ein Nullsummenspiel. Es bleibt also Domenig nichts anderes übrig, als der Versuch, die Forderungen der Klubs aus dem Flachland noch ein wenig herunterzuhandeln. Mit dem Spengler-Cup-Festmahl ist es für immer vorbei. Aber Domenig kann dafür sorgen, dass er beim künftigen Chästeilet ein möglichst grosses Stück für den HCD behalten kann.

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