Test: Was lange währt, wird nicht immer gut
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TestWas lange währt, wird nicht immer gut

Asus bringt mit dem Eee Keyboard einen Rechner auf den Markt, der in einer Tastatur steckt. Unklar ist, wer ihn braucht. 20 Minuten Online hat ihn trotzdem ausprobiert.

von
Henning Steier

Jedes Jahr lässt das US-Magazin «Wired» seine Leser über die beste Vaporware abstimmen. Darunter versteht man Produkte oder Technologien, die zwar lange angekündigt, aber bisher nicht auf den Markt gekommen sind. Fast hätte das Eee Keyboard auch das Zeug gehabt, in die Liste aufgenommen zu werden. Denn der Computer war bereits unter anderem auf der CeBIT 2009 zu sehen gewesen.

Doch nun kommt der zirka ein Kilogramm wiegende Rechner hierzulande für rund 900 Franken in den Handel. Dafür bekommt man eine QWERTZ-Tastatur samt 5-Zoll-Touchscreen. Asus hat drei USB-Anschlüsse sowie eine HDMI-, VGA, Kopfhörer-, LAN- und Mikrofonbuchse sowie einen Ultra-Wideband-Sender verbaut. Letztgenannter sorgt für drahtlose Kommunikation mit dem Fernseher. Surfen kann man im WLAN (n-Standard). Der Computer hat einen bekannten Netbook-Prozessor vom Typ Intel Atom N270 (1,6 GHz) und ein Gigabyte Arbeitsspeicher an Bord. Der Designed-for-XP-Aufkleber verweist schon vor dem ersten Start auf das installierte Betriebssystem.

Geringe Ausdauer

Allerdings ist die Akkulaufzeit im Vergleich zu Netbooks dieser Preisklasse eher bescheiden. Asus gibt vier Stunden an, im Praxis-Test von 20 Minuten Online war bei normaler Nutzung (Word-Dokumente verfassen, surfen, Bilder bearbeiten) bereits nach rund dreieinhalb Stunden Schluss. Eine Gemeinsamkeit mit Netbooks ist das Fehlen eines optischen Laufwerks. Daten werden auf einem 16 Gigabyte fassenden Solid State Drive (SSD) abgelegt. Der kleine Speicher ist einer der Nachteile dieser Festplattenart, welche ohne bewegliche Teile auskommt. Daher kann sie höhere Belastungen aushalten, verbraucht weniger Energie und bietet kürzere Zugriffszeiten und arbeitet geräuschlos. Dafür ist ein Solid State Drive deutlich teurer in der Herstellung, was ein Hauptgrund für den hohen Preis dieses Asus-Computers sein dürfte.

Schick und gut verarbeitet

Und wo bleibt das Positive? Für sein Geld bekommt man einen hochwertig aussehenden Rechner, dessen Tastatur äusserst komfortables Tippen ermöglicht. Auch am mit 800 x 480 Pixeln auflösenden Touchscreen gibt es auf den ersten Blick nichts auszusetzen: Einerseits ist er ein luxuriöser Maus-Ersatz, andererseits bietet er Zugriff auf die bekannte XP-Oberfläche, über die Asus ein eigene zur Nutzung von Multimediafunktionen gelegt hat. Deren Bedienung ist sehr einfach, weil sie an die gut durchdachten Menüs vieler Smartphones erinnert.

Asus verspricht zwar, dass das Keyboard bei der Wiedergabe von Filmen maximal fünf und beim Bilderschauen höchstens zehn Meter vom Fernseher stehen kann. Allerdings wurden diese Werte im Test um jeweils etwa einen Meter unterschritten. Hinzu kommt, dass keine Hindernisse im Weg stehen dürfen, da sonst die Kommunikation sofort abbricht. Weil Programme nicht immer so schnell starteten wie wir es von Netbooks dieser Liga gewöhnt sind, erwarteten wir Probleme bei der Wiedergabe von Full-HD-Filmen und tatsächlich war störungsfreier Blockbuster-Genuss in fünf Versuchen nicht möglich.

Fazit

Warum steckt Asus ein Netbook in eine Tastatur? Die Antwort ist wohl: Weil das Unternehmen es kann. Als Machbarkeitsstudie ist der Rechner aber zu teuer. Wir hätten uns mehr Leistung gewünscht, um ihn als extravagante externe Festplatte in Kombination mit dem TV-Gerät einsetzen zu können. Allerdings passen in 16-Gigabyte-Speicher relativ wenige Filme in guter Qualität. Auch hier sollte Asus nachbessern, was den Preis - wie erwähnt - aber nach oben treiben dürfte. Lange hat die Technologie-Welt auf diesen Rechner, der etwas wirklich Neues ist, gewartet. Doch viel mehr als ein schicker Schmuck für den Wohnzimmertisch ist Asus mit dieser ersten Version nicht gelungen.

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