Aktualisiert 18.09.2014 14:45

Fünf Antworten

Was macht die Schotten eigentlich aus?

Sie sind wenige mit verhältnismässig grossem Einfluss - und sie hatten grosse Ideen. Lesen Sie hier fünf Antworten auf fünf wichtige Fragen zu den Schottinnen und Schotten.

1. Was ist Schottland?

Schottland mit seinen 5,3 Millionen Einwohnern ist eines der ältesten Länder der Welt. Im Jahr 843 wurde Kenneth MacAlpin erster König Schottlands. Über 850 Jahre lang war Schottland unabhängig. Immer wieder kämpfte es mit England um diese Unabhängigkeit.

Als sich England Anfang des 18. Jahrhunderts mit Frankreich bekriegte, war die Sorge gross, dass sich die Schotten auf die Seite des Feindes schlagen könnten. London verhängte ein Handelsembargo und drohte, den Schotten ihren Besitz südlich der Grenze abzuerkennen, sollten sie sich nicht zu einem Staat zusammenschliessen. Nach heftiger Debatte und grosser Ablehnung in Schottland wurden am 1. Mai 1707 das schottische und das englische Parlament aufgelöst und durch ein neues britisches ersetzt. Grossbritannien war geboren.

Begünstigt wurde der Zusammenschluss durch den drohenden Staatsbankrott Schottlands: In den 1690er-Jahren versuchte das Land, seinen Weltmachtstatus durch die Gründung einer Kolonie in Panama zu sichern. Es endete in einem Desaster. Das Land war so verschuldet, dass es England um finanzielle Hilfe bitten musste - und um die politische Union.

2. Was unterscheidet Schottland vom Rest des Vereinigten Königreichs?

Schottland hat sein eigenes Justizsystem. Auch die Eigenständigkeit der Church of Scotland wurde im Vereinigungsgesetz festgeschrieben. Alle Geldangelegenheiten werden aber von London aus gelenkt.

3. Hat Schottland nicht schon sein eigenes Parlament?

Doch. 74,3 Prozent der Stimmbürger sagten 1997 ja zu einem schottischen Parlament in Edinburgh. 1999 nahm es seine Arbeit auf.

Die Abgeordneten beschliessen unter anderem Gesetze in den Bereichen Bildung, Gesundheitsausgaben, Wohnbau, Tourismus und Transport. Sie haben aber keine Kontrolle über Einwanderung, Verteidigung, Aussenpolitik, Arbeitsmarkt, Energie oder Finanzpolitik. Ein Grossteil des Geldes, das für die Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen verwendet wird, kommt aus einem Zuschuss der Regierung in London.

4. Was sind die wirtschaftlichen Stärken Schottlands?

75 Prozent der EU-Offshore-Ölproduktion kommen aus Grossbritannien. 90 Prozent davon wird im Meer vor Schottland gefördert. 2012 rechnete die schottische Regierung vor, dass das schottische Öl umgerechnet rund 37,3 Milliarden Franken zur britischen Wirtschaft beiträgt.

Dazu will die schottische Regierung neue Energiequellen erschliessen. 25 Prozent der EU-weiten Offshore-Windkraft und der Gezeitenenergie sowie zehn Prozent der Energie aus Wellenkraftwerken könnten laut Regierung in Schottland produziert werden.

Schottland exportiert Waren im Wert von rund 153 Milliarden Franken pro Jahr. Fast 17 Milliarden davon kommen aus Finanzdienstleistungen, fast 14 Milliarden durch die Ausfuhr von Lebensmitteln und Getränken, darunter Whisky.

5. Was haben die Schotten der Welt gegeben?

Der Einfluss Schottland ist im Vergleich zur geringen Grösse des Landes enorm. Die Deklaration von Arbroath 1320, mit der sich Schottland für unabhängig erklärte, beeinflusste die amerikanische Unabhängigkeitserklärung massgeblich. Am Jahrestag der Erklärung, dem 6. April, wird in den USA der Tartan Day und damit die Verbindung zu Schottland gefeiert.

Über die Jahrhunderte haben Schotten der Menschheit eine Reihe wichtiger Erfindungen geschenkt. Der Engländer Winston Churchill, sagte: «Unter allen kleinen Nationen der Welt übertreffen vielleicht nur die alten Griechen die Schotten in ihrem Beitrag zur Menschheit.» (sda)

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