Erfolgreicher Film: Was macht eigentlich das «Angry Birds»-Game?

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Erfolgreicher FilmWas macht eigentlich das «Angry Birds»-Game?

Bei der Verfilmung von «Angry Birds» ist Publisher Rovio zum Erfolg verdammt. Denn die Game-Franchise mit den Federviechern ist zurzeit etwas flügellahm.

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rtl
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Als Smartphone-Spiel wurde «Angry Birds» zu einem globalen Phänomen.

Als Smartphone-Spiel wurde «Angry Birds» zu einem globalen Phänomen.

Rovio
Sieben Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen wurde das populäre Game verfilmt.

Sieben Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen wurde das populäre Game verfilmt.

Rovio
Mit Erfolg: Die Vögel sind in Skandinavien, Deutschland und der Schweiz auf Platz 1 der Kinocharts geflattert.

Mit Erfolg: Die Vögel sind in Skandinavien, Deutschland und der Schweiz auf Platz 1 der Kinocharts geflattert.

Rovio

Noch vor drei Jahren spuckte man bei Rovio grosse Töne. «Wir wollen Angry Birds zu einem fixen Teil der Popkultur machen», sagte Marketingchef Peter Vesterbacka in einem Interview und verglich seine Game-Vögel mit Mickey Mouse oder Hello Kitty – Figuren also, sie sich seit Jahrzehnten einer ungebrochenen Popularität erfreuen.

Beliebt sind Red, Bomb, Terence, Mighty Eagle und Co. in diesen Tagen auch wieder. Doch das hat nicht primär mit dem Game, sondern vor allem mit der Verfilmung zu tun. «The Angry Birds Movie» steht derzeit nicht nur in Skandinavien und Deutschland, sondern auch in der Schweiz zuoberst in der Kino-Hitparade. In den USA startet der 3-D-Animationsfilm dieses Wochenende.

Schwierige Jahre

Der Erfolg in den USA ist für Rovio Entertainment zwingend, denn die Finnen haben 73 Millionen Dollar eigenes Geld in die vierjährige Produktion des Filmes gesteckt, was sich in den Zahlen niedergeschlagen hat: Umsatz und Gewinn hatten sich in den Jahren 2013 und 2014 nahezu halbiert. Im Oktober 2014 wurde bekannt, dass Rovio bis zu 130 Arbeitsplätze – rund 16 Prozent der Belegschaft – streichen muss.

«Angry Birds geht die Luft aus», titelte die Nachrichtenagentur DPA prompt. Rovio beeilte sich jedoch zu präzisieren, dass die schlechten Zahlen mit den Investitionen für den Film zu tun hätten. Tatsächlich konnten die Finnen im ersten Quartal 2016 einen «erfolgreichen Turnaround» vermelden, um im gleichen Atemzug einen operativen Verlust für das «erwartet schwierige Jahr 2015» von 14 Millionen Franken zu deklarieren.

Bande-annonce Angry Birds - Le film

Spiele stagnieren

Rovios Risikospiel mit dem Kinofilm ist kein Zufall. Für die 2003 gegründete Computerspielfirma geht es um die Existenz, denn das Geschäft mit den Spielen stagniert. Zwar sind die Zahlen seit ein paar Jahren wieder leicht ansteigend, doch das hat vor allem mit der Masse an Games zu tun, die Rovio in immer kürzeren Abständen auf den Markt wirft.

Nachdem «Angry Birds» dank seinen originellen Figuren und dem süchtig machenden Spielprinzip ab 2009 zu einem globalen Phänomen geworden war, überboten sich die Hersteller mit Ablegern. Während das Original-«Angry Birds» seit 2013 («Short Fuse») praktisch auf Eis liegt, gibt es von «Angry Birds Season» unzählige Varianten. Mit «Angry Birds Star Wars (I und II)», «Angry Birds Transformers», «Angry Birds Epic» und vielen anderen Spin-Offs versuchte man sich im Action-, Shooter- oder Rollenspiel-Genre.

Wie das Moorhuhnspiel?

So abenteuerlich diese Kollaborationen auch scheinen – am Ende sind sich die meisten Gamer einig, dass «Angry Birds» ein eher limitiertes Spielprinzip ist, das seinen Reiz irgendwann verlieren muss.

Nach dem Moorhuhn kräht schliesslich auch kein Hahn mehr (siehe Bildstrecke). Dazu kommt, dass der Übergang vom Download- zum Freemium-Game nicht reibungslos verlaufen ist. Heute haben Spiele wie «Clash of Clans» oder «2048» die zornigen Vögel auf dem Handy oder Tablet längst abgelöst. Wenn die Angry Birds einst also wirklich so unantastbar wie Mickey Mouse werden sollen, muss der Film auch in den USA ein echter Überflieger werden.

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