Roger de Weck: Was macht eigentlich der SRG-Chef?
Aktualisiert

Roger de WeckWas macht eigentlich der SRG-Chef?

Seine Wahl hat es auf die Titelseiten aller grossen Tageszeitungen geschafft. Doch was sind überhaupt die Aufgaben und Möglichkeiten des neuen SRG-Generaldirektors?

von
Ronny Nicolussi

Die Wahl Roger de Wecks zum Nachfolger von SRG-Generaldirektor Armin Walpen hat für kontroverse Reaktionen gesorgt. Ab 2011 wird er beweisen müssen, wie er die grossen Herausforderungen der SRG meistern will. Allein: was darf ein Generaldirektor der SRG und was nicht?

«Der Generaldirektor ist der Motor der SRG-Unternehmensphilosophie, er muss das gesamte Unternehmen zusammenhalten und dafür sorgen, dass die SRG die im Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) festgehaltenen Vorschriften einhält», erklärt der emeritierte Professor für Medienwissenschaften und Schweizer Medienexperte Roger Blum. Dazu gehört laut Gesetz die Sicherstellung der Grundversorgung in den Landessprachen in sämtlichen Gebieten der Schweiz.

Keine primäre Aufgabe de Wecks wird es sein, auf Sendungen direkten Einfluss auszuüben. Sofern dies «im Interesse des Gesamtunternehmens steht», könnte er im Alleingang die Absetzung von Sendungen veranlassen. Es gehe aber nicht darum, dass der Direktor beispielsweise festlege, wie ein Beitrag der Rundschau aussehen soll, sagt Blum. Er könne jedoch Vorgaben machen, welche Standards bei der Berichterstattung zu beachten seien. «Zum Beispiel, dass es nicht korrekt ist, bei einem Streit nur eine Seite zu konsultieren», so Blum. Diese Standards sind allerdings seit Jahren festgelegt. «Stimmt», räumt der Medienexperte ein: «Der Direktor kann sie aber auch ändern, verfeinern oder neu interpretieren.»

Garant des gesetzlichen Auftrags

Als Linienvorgesetzter legt de Weck zudem den Leitern der Unternehmenseinheiten – also auch dem künftigen «Superdirektor» von Schweizer Radio DRS und Schweizer Fernsehen SF – die Jahresziele des Gesamtunternehmens fest. Sollte sich ein Leiter einer Unternehmenseinheit nicht mehr an die Erfüllung des gesetzlichen Auftrags halten, wäre der Generaldirektor verpflichtet, ihn zurückzupfeifen. Laut Blum könnte dies der Fall sein, wenn sich ein Fernsehdirektor beispielsweise entscheiden würde, wegen der Zuschauerquote boulvardeskere Sendungen zu machen. Zudem kann er die Entlassung von Angestellten beantragen.

Vielmehr als um einzelne Sendungen und Personalentscheide muss sich der Direktor aber um publizistische Leitlinien kümmern. Blum sagt, man müsse sich eine Kaskade analog zur Gesetzgebung vorstellen: «Der Generaldirektor bestimmt die Verfassung, die Regionalleiter die Gesetze, die Redaktionsleiter die Verordnungen und die Journalisten an der Front setzen die Vorgaben um.»

Machtwort bei wichtigen Personalentscheiden

Mächtig ist der Generaldirektor bei der Besetzung von wichtigen Posten in der obersten Etage der SRG. Die Geschäftsleitung der Organisationseinheiten kann er im Alleingang bestimmen und wenn in der Geschäftsleitung, an der sämtliche Unternehmenseinheiten beteiligt sind, kein Einvernehmen zustande kommt, entscheidet er abschliessend. Das spielt besonders dann eine grosse Rolle, wenn es um die Verteilung der Einnahmen geht, da nirgends vorgeschrieben ist, wie hoch der Beitrag beispielsweise für die Radiotelevisione svizzera di lingua italiana (RSI) oder die Onlineplattform Swissinfo sein muss.

Daneben ist der Generaldirektor auch für die Erarbeitung und Umsetzung der Unternehmensstrategie, die Sicherung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit und die «operative, effektive und effiziente» Unternehmensführung verantwortlich, wie die SRG im vergangenen Herbst in ihrer Projektbeschreibung zur Findung des neuen Generaldirektors ausformuliert hatte.

Guter Draht ins Bundeshaus

Eine zentrale Rolle spielt der SRG-Direktor aufgrund der komplizierten Organisationsstruktur der SRG im Kontakt nach aussen. Das grösste Unternehmen für elektronische Medien der Schweiz ist mit seinen Regionalgesellschaften einerseits als Verein und andererseits als ganz normales Unternehmen organisiert. Der Direktor müsse sich daher regelmässig mit Politikern, Verlegern, sowie den Partnern im In- und Ausland austauschen, erklärt Blum.

Besonders kräftig für die SRG lobbyieren wird de Weck wohl im Bundeshaus müssen. «Schliesslich entscheidet das Parlament über das RTVG und damit über die Rahmenbedingungen für die SRG», so Blum. Der Bundesrat kann überdies neben der Konzessionserteiltung auch über Gebührenerhöhungen oder -senkungen entscheiden. Ein guter Draht zu Medienminister Moritz Leuenberger ist daher bestimmt kein Nachteil. Der Kontakt ins Ausland ist laut Blum vor allem bei Sport-Übertragungen wichtig, da diese gleich für die deutsch-, französisch- und die italienischsprachigen Sender eingekauft werden.

Eckmann bleibt länger

Der stellvertretende SRG-Generaldirektor Daniel Eckmann bleibt auf Wunsch des SRG-Verwaltungsrats zwei Monate länger im Amt als ursprünglich geplant. Der 60-Jährige wird die SRG erst Ende März 2011 verlassen, wie es hiess. Eckmann hatte vor längerer Zeit angekündigt, per Ende Januar 2011 - einen Monat nach dem Rücktritt des amtierenden SRG-Generaldirektors Armin Walpen - aus persönlichen Gründen ebenfalls von seinem Amt zurückzutreten. Die Nachfolgeregelung wird laut SRG unter Einbezug Roger de Wecks rechtzeitig angegangen werden. Eckmann war vor seiner Tätigkeit für die SRG unter anderem Kommunikationschef und persönlicher Berater von alt Bundesrat Kaspar Villiger und vielfacher Torhüter der Schweizer Handball-Nationalmannschaft.

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