Autodesign: Was macht ein Auto schön?
Die Luxuslimouse DS 9 wurde auf das Prinzip des Goldenen Schnitts geprüft.

Die Luxuslimouse DS 9 wurde auf das Prinzip des Goldenen Schnitts geprüft.

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DesignregelnWas macht ein Auto schön?

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Doch es gibt Regeln, die Objekte für uns besonders attraktiv machen. Der Lausanner Produktdesigner Raphaël Lutz zeigt anhand der neuen französischen Luxuslimousine DS 9 warum wir uns beispielsweise so zum Goldenen Schnitt hingezogen fühlen.

von
Isabelle Riederer / A&W Verlag

Raphaël, eine der bekanntesten Designregeln ist der Goldene Schnitt. Woher stammt er?

Der Goldene Schnitt ist eine sehr alte Designregel. Sie stammt aus der Zeit der Antike und der alten Ägypter und wir nutzen diese Regel nun seit rund 6000 Jahren. Ein gutes Beispiel ist die berühmte Cheops-Pyramide, auch sie basiert auf dem Goldenen Schnitt.

Und was genau besagt der Goldene Schnitt?

Es geht um ein bestimmtes Verhältnis zweier Grössen zueinander, also um die Proportionen, wie zum Beispiel die langen und kurzen Linien eines Rechteckes. Man sagt, dass dieses Verhältnis bzw. diese Proportionen absolut perfekt sind. Der Goldene Schnitt spiegelt auch die Schönheit und die Harmonie wieder und er kommt von Natur aus in vielen Dingen vor. Der Mensch ist ebenfalls ein gutes Beispiel, man denke nur an die berühmte Zeichnung des vitruvianischen Menschen von Leonardo Da Vinci. Interessant ist, dass Menschen sich automatisch zu Dingen hingezogen fühlen, die auf dem Goldenen Schnitt basieren.

Also hat der Mensch ein natürliches Gespür für die perfekten Proportionen?

Ja, man weiss nicht genau, woher das kommt, aber der Goldene Schnitt übt eine gewisse Anziehungskraft auf Menschen aus. Deshalb wird der Goldene Schnitt auch gern als göttliche Proportion bezeichnet. Und deshalb arbeiten natürlich Designer gerne damit.

Die Luxuslimousine DS 9 ist das neue Flaggschiff der französischen Automarke DS Automobiles. 

Die Luxuslimousine DS 9 ist das neue Flaggschiff der französischen Automarke DS Automobiles.

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Designer Raphaël Lutz erklärt Redaktorin Isabelle Riederer das Prinzip des Goldenen Schnitts anhand der Linienführung des neuen DS 9.

Designer Raphaël Lutz erklärt Redaktorin Isabelle Riederer das Prinzip des Goldenen Schnitts anhand der Linienführung des neuen DS 9.

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Die neue Luxuslimousine DS 9 gibt es ab 57'200 Franken.

Die neue Luxuslimousine DS 9 gibt es ab 57'200 Franken.

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DS Automobiles Schweiz hat dich gebeten, den neuen DS 9 auf das Prinzip des Goldenen Schnittes hin zu prüfen. Was ist dabei rausgekommen?

Als ich die Anfrage bekam, war ich eher skeptisch, ob eine rund 6000 Jahre alte Regel für das Design eines Automobils funktionieren würde. Doch die Linienführung des DS 9 entspricht den genauen Proportionen des Goldenen Schnittes. Auch alle Elemente am Fahrzeug sind perfekt darauf ausgerichtet. Betrachtet man den DS 9 von vorne, erkennt man, dass der DS 9 exakt in ein Rechteck passt, dass dem Goldenen Schnitt entspricht. Das Gleiche gilt auch für die Seitenansicht.

Der neue DS 9 spielt mit vielen weiteren Designelementen. Welche sind das?

Das erste Detail, das mich als Designer beeindruckte, war die Verwendung der Guilloche des Clou de Paris auf der Motorhaube. Diese Oberflächenbehandlung, die normalerweise in der feinen Uhrmacherkunst verwendet wird, kommt hier auf der Motorhaube des DS 9 zum Einsatz und ist für mich als Designer einfach ein wunderschönes Element. Damit aber nicht genug. Diese Linie auf der Motorhaube ist auch eine Reminiszenz an die älteren Modelle von DS. Die grossen französischen Karosseriebauer unterteilten die Motorhaube gerne in zwei Teile mit Hilfe eines metallischen Streifens. Und dieser Streifen kommt jetzt auch beim DS 9 wieder zum Einsatz.

Gibt es noch weitere Details, die dir aufgefallen sind?

DS hat beim Design des neuen DS 9 zahlreiche Elemente aus der Uhr- und Schmuckhandwerkskunst angewendet. Ein besonders schönes Detail sind die Front- und Hecklichter. Betrachtet man die Konstruktion der Lichter erkennt man, dass die einzelnen Elemente wie Diamanten geschliffen sind, dadurch entsteht diese einmalige, glitzernde Lichtsignatur des DS 9. Ein wunderschönes Beispiel, wie DS Elemente aus der Uhrmacherei auch im Innenraum anwendet, sieht man an den Ledersitzen. Die Struktur der Sitze erinnert stark an die Glieder einer Armbanduhr.

Auffällig ist auch der Kühlergrill.

Ein besonderes Highlight am neuen DS 9. Der Kühlergrill basiert auf dem neuen Konzept des generativen Designs. Das generative Design ist ein sehr neues Verfahren im Objektdesign, um den Materialeinsatz in der additiven Fertigung einzuschränken. Beim DS 9 verwendeten die Designteams die neueste computergenerierte Designtechnologie, um ein Design zu erstellen, das durch einen logischen Algorithmus zur Herstellung und Materialoptimierung generiert wurde. Einfach gesagt: Man sagt dem Computer: Das hier ist deine Form und diese Funktionen muss das neue Design erfüllen. Anschliessend kreiert der Computer das perfekte Design und lässt es im 3D-Drucker entstehen. Das generative Design kommt vor allem auch dann zum Einsatz, wenn man Material sparen muss. Ich gebe zu, dass mir dieses Detail am neuen DS 9 besonders gut gefällt. Ich könnte es stundenlang lang ansehen und über generatives Design sprechen.

Raphaël Lutz

Der Lausanner Raphaël Lutz ist Industrie- und Produktdesigner, sowie Unternehmer. Er studierte an der Kunsthochschule Ecole Cantonale d'Art de Lausanne (Ecal) Industrie- und Produktdesign und betreut heute mit seinem Designstudio mehrere Unternehmen in Designfragen. Raphaël ist Jury-Mitglied bei Startup-Wettbewerben und arbeitet als Dozent an der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL). Im Jahr 2009 gründete Lutz ein kleines Unternehmen für handwerkliche Dienstleistungen, 2012 das Studio Raphaël Lutz und 2016 dann das LAB, ein Kreativlabor für multidisziplinäre Experimente. Mit seinem Unternehmen Designer’s Table kreiert er zudem Objekte für die Tafelkultur, was ihm einen Platz im Redaktionskomitee der berühmten Gourmetbibel Gault Millau einbrachte.

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