Abgelaufenes Vakzin verimpft – Was man über den Impf-Fall in Ibach wissen sollte
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Abgelaufenes Vakzin verimpftWas man über den Impf-Fall in Ibach wissen sollte

In Ibach im Kanton Schwyz hat eine Ärztin über 100 Personen abgelaufenen Moderna-Impfstoff injiziert. Gut möglich, dass es noch mehr Betroffene gibt. Wie kam es dazu und welche Folgen haben die Betroffenen zu befürchten? 20 Minuten hat die wichtigsten Fragen und Antworten dazu zusammengestellt.

von
Matthias Giordano
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In einer Arztpraxis in Ibach SZ sind abgelaufene Impfdosen verabreicht worden.

In einer Arztpraxis in Ibach SZ sind abgelaufene Impfdosen verabreicht worden.

Tamedia AG
Verabreicht wurden abgelaufene Impfdosen des Herstellers Moderna.

Verabreicht wurden abgelaufene Impfdosen des Herstellers Moderna.

20min/Celia Nogler
Betroffen ist diese Praxis in Ibach SZ, teilte der Kanton Schwyz mit.

Betroffen ist diese Praxis in Ibach SZ, teilte der Kanton Schwyz mit.

20min

Darum geht’s

  • In Ibach SZ wurden über 100 Person mit abgelaufenem Moderna-Vakzin geimpft.

  • Der Grund für die falschen Injektionen wird ermittelt, finanzielle Interessen sind eher unwahrscheinlich.

  • Für Betroffene gibt es eine Hotline, an die sie sich wenden können. Gesundheitliche Schäden sind nicht zu erwarten.

  • Die Praxis der Ärztin in Ibach wurde geschlossen, sie darf vorübergehend nicht praktizieren.

Was ist passiert?

In einer Arztpraxis in Ibach wurden in den vergangenen Monaten mehrere Dutzend Personen mit abgelaufenem Moderna-Vakzin geimpft. Darauf aufmerksam wurden die Schwyzer Behörden, als während eines hängigen Aufsichtsverfahrens gegen die Ärztin Unvollständigkeiten in den Impf-Dokumentationen aufgefallen waren. 

Wieso wurde alter Impfstoff verabreicht?

Das wird nun von den Behörden ermittelt, weshalb sich darüber derzeit nur spekulieren lässt. Finanziellen Gewinn wird die Ärztin aller Voraussicht nach, nicht daraus gezogen haben. Die Vergütung für den Aufwand pro Impfung ist von den Gesundheitsdirektoren und Krankenkassen genau festgesetzt und liegt bei 24.50 Franken. Das ist allerdings weniger als die Hälfte der realen Kosten, die die Ärzte zu tragen haben. Eine Berechnung der Schweizer Ärzteverbindung FMH ergab einen Aufwand von 56 Franken pro Impfung.

Wie lange ist ein Impfstoff haltbar?

Die Durchstechfläschchen mit Mehrfachdosen des Covid-19-Impfstoffs von Moderna müssen gefroren bei -25 bis -15 Grad Celsius aufbewahrt werden, bis das Verfallsdatum überschritten ist. Sie dürfen nicht auf Trockeneis oder unter -40 Grad lagern. Im Kühlschrank kann der Impfstoff zwischen zwei und acht Grad für bis zu 30 Tage gelagert werden, sofern er nicht angebrochen wurde. Hier gehen die Empfehlungen von Swissmedic und Hersteller Moderna allerdings auseinander: Laut Moderna ist das Vakzin nach dem Auftauen drei Monate verwendbar. In den USA wird es auch dementsprechend angewendet. In der EU und der Schweiz jedoch darf der Moderna-Impfstoff nicht länger als 30 Tage im normalen Kühlschrank aufgehoben werden.

Was haben Betroffene zu befürchten?

Die gute Nachricht für alle Betroffenen: Gesundheitliche Folgen hat niemand zu befürchten, das bestätigen die Schwyzer Behörden sowie Hersteller Moderna. Und: Auch ein abgelaufener Impfstoff kann unter Umständen immer noch wirken. Das zeigen Fälle aus anderen Regionen, in denen alter Impfstoff verimpft wurde. Wie beispielsweise im Impfzentrum in Sindelfingen in Baden-Württemberg. Dort wurden zwischen August und September rund 800 Personen aus Versehen mit abgelaufenem Moderna-Vakzin geimpft. Laut den Behörden hatten sich 250 Be­trof­fene anschliessend auf Antikörper testen lassen. Resultat: Keiner dieser getesteten Menschen musste nachgeimpft werden. Allerdings: Dass eine Nachimpfung trotzdem nötig ist, kann nicht ausgeschlossen werden.

Was sollten Betroffene jetzt tun?

«Betroffene sollen besondere Vorsicht walten lassen: Dazu zählen das konsequente Tragen einer Schutzmaske, das Vermeiden von Menschenansammlungen und das Einhalten der allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln», rät die Schwyzer Kantonsapothekerin Willi-Hangartner. Der Kanton hat dazu eine Hotline unter 041 819 19 99 eingerichtet. Dort können sich Personen mit ihren Fragen melden. 

Was sind die Folgen für die Ärztin?

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz hat ein Strafverfahren gegen die Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin eröffnet.  Die Praxis der Ärztin ist derzeit geschlossen und ihr wurde die Berufsausübung vorläufig verboten. Sie hatte die Praxis erst vor einem Jahr von Dr. Schmidt in Ibach übernommen.

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