01.11.2020 21:07

Vom Geflüchteten zum IT-Spezialisten«Was mir passiert ist, könnte jedem passieren»

Hussam Allaham musste 2012 aus Syrien fliehen. Als Asylsuchender kam er in die Schweiz, wo er in ein Programm der Codierer-Akademie für Geflüchtete von Powercoders aufgenommen wurde. An den Digitaltagen 2020 gibt er einen tieferen Einblick in seine Geschichte.

von
Dominique Zeier
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Hussam Allaham stammt aus Syrien. 

Hussam Allaham stammt aus Syrien.

Aufgrund des Kriegs, der 2012 ausbrach, musste er zusammen mit seiner Frau und Tochter flüchten. 

Aufgrund des Kriegs, der 2012 ausbrach, musste er zusammen mit seiner Frau und Tochter flüchten.

Nach einigen Jahren kam er als Asylsuchender in die Schweiz, wo er Christian Hirsig, den Gründer des Unternehmens Powercoders, traf (hier im Bild rechts).

Nach einigen Jahren kam er als Asylsuchender in die Schweiz, wo er Christian Hirsig, den Gründer des Unternehmens Powercoders, traf (hier im Bild rechts).

Darum gehts

  • Hussam Allaham flüchtete 2012 vor dem Krieg in Syrien.

  • 2015 kam er als Geflüchteter in die Schweiz.

  • An der Codierer-Akademie für Geflüchtete von der Firma Powercoders wurde er zum IT-Spezialisten ausgebildet.

  • Heute möchte er vor allem anderen Menschen helfen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, in der er selbst war.

  • Davon erzählt Allaham an den Digitaltagen 2020.

Als Hussam Allaham im Jahr 2011 an der Universität in Damaskus, Syrien, seinen Hochschulabschluss macht, scheint ihm die Welt offenzustehen. «Ich war bereits vor meinem Abschluss als Englisch-Lehrer angestellt gewesen. Im Jahr zuvor hatte ich die Liebe meines Lebens geheiratet und im selben Jahr, in welchem ich die Uni abgeschlossen hatte, wurde meine Tochter geboren. Ich hätte glücklicher und optimistischer nicht sein können», erzählt Allaham. Dann ändert sich alles.

Denn 2012 war das Jahr, in welchem in Syrien der Krieg ausbrach. «Eines Tages wachte ich auf und die Welt war auf den Kopf gestellt. Überall war Blut und Chaos. Über der ganzen Stadt hing der Geruch des Todes», so Allaham. Zuerst versuchte er, mit seiner Familie in Syrien zu überleben, musste aber schnell erkennen, dass ihnen nur noch das Verlassen ihres Heimatlands übrig blieb.

Asyl in der Schweiz

«Im Januar 2013 flüchteten wir in den Libanon und liessen alles zurück», erzählt der heute 34-Jährige. «Dort blieben wir beinahe drei Jahre lang und es war auch der Ort, an welchem ich mich offiziell als Flüchtling registrieren liess.» Bereits damals war es ihm aber wichtig, weiterhin hart zu arbeiten und anderen Geflüchteten zu helfen. So leistete er für verschiedenste Organisationen wie beispielsweise Worldvision und Unesco Freiwilligenarbeit und war für eine kurze Zeit als Reporter für einen libanesischen Sender tätig.

«Mir war aber immer bewusst, dass wir nicht im Libanon bleiben wollten. Auch in die Türkei oder nach Griechenland wollten wir nicht. Und so warteten wir lange, bis wir eines Tages schliesslich einen Anruf erhielten, dass wir in der Schweiz Asyl bekommen hatten. Ich konnte es kaum glauben», erzählt Allaham.

So zog er mit seiner Frau und Tochter im November 2015 in die Schweiz um. Zuerst kamen sie in einem Sicherheitslager unter, später wurde ihnen eine Wohnung in Langenthal zugeteilt. «Bereits in der ersten Woche war ich äusserst aktiv und habe wie wild nach Anstellungsmöglichkeiten gesucht. Denn ich wollte niemals einfach von Sozialhilfe leben. Man sagte mir allerdings, dass ich mich etwas gedulden und zuerst einmal das Schweizer System kennen lernen müsse.» Daraufhin verbrachte Allaham ein Jahr damit, Deutsch zu lernen und verschiedenste Integrationskurse zu besuchen.

Coding-Akademie für Geflüchtete

Dann erreichte ihn schliesslich eine E-Mail des Berner Unternehmens Powercoders. Dieses befand sich damals gerade in seinen Kinderschuhen und spezialisierte sich darauf, die Berufsintegration in der IT-Branche zu revolutioniert und Geflüchteten in Europa eine neue berufliche Perspektive zu bieten. «Es handelt sich um eine Art Coding-Akademie für Flüchtlinge», erklärt Allaham. «Ich habe mich sofort beworben und wurde unter 120 Mitbewerbern zusammen mit 14 weiteren Personen ausgewählt.»

«Die Computer-Welt hat mich immer schon interessiert» erzählt er weiter. «Als ich 15 Jahre alt war, war meine Familie eine der wenigen, die überhaupt über einen Computer verfügten. Und ich spielte immer damit herum, lud verschiedenste Programme darauf, probierte alles Mögliche aus und besuchte auch einige Kurse. Das Coden und Programmieren war für mich aber neu.»

«Ich möchte Geflüchteten aus der ganzen Welt helfen»

Allaham lernte rasch und wurde bald selbst Mitglied des Teams bei Powercoders. Heute arbeitet er täglich mit hoch qualifizierten Geflüchteten zusammen und unterstützt sie dabei, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen. «Mein längerfristiges Ziel ist es, unser Angebot von Powercoders auch international auszuweiten. Idealerweise möchten wir Geflüchtete aus der ganzen Welt aus der Ferne helfen können und Online-Praktika anbieten.» Vor allem möchte er aber eine Botschaft übermitteln: «Was mir passiert ist, könnte jedem passieren. Ich war frisch verheiratet und gut ausgebildet. Alles fühlte sich in Ordnung an. Ich hätte nie gedacht, dass ich meine Heimat jemals verlassen würde.»

Am kommenden Dienstag gibt Allaham ausserdem im Rahmen der Digitaltage 2020 zusammen mit Powercoders-Gründer Christian Hirsig einen tieferen Einblick in seine Geschichte. Dabei wird er erzählen, wie es ihm gelungen ist, mit der Starthilfe von Powercoders im Schweizer Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Mehr Infos zum Online-Event sind unter diesem Link zu finden. Das vollständige Programm der Digitaltage gibt es hier.

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2 Kommentare
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Helvetia

02.11.2020, 18:55

Leider ist der gute Mann nur ein Einzelfall! Die ganz grosse Mehrheit spielt auch nach vielen Jahren ausschliesslich mit den Händy's herum und lebt auf Kosten vom Steuerzahler!

IT Anwender

02.11.2020, 13:22

Gut gemacht, so sollte es sein, viel Glück für die Zukunft!