E-Autos richtig laden

Beim Laden eines E-Auto-Akkus kann man nichts falsch machen – oder doch?

Beim Laden eines E-Auto-Akkus kann man nichts falsch machen – oder doch?

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Publiziert

Reichweite und AkkuWas muss ich als E-Auto-Anfänger zum Laden wissen?

Die Elektromobilität boomt, aber gerade auch Unsicherheiten zum Thema Laden sind eine grosse Hürde für den Kauf eines Elektroautos – zum Beispiel für Ruedi. Was muss er als E-Neuling nun wissen?

von
Markus Peter, AGVS

Frage von Ruedi ans AGVS-Expertenteam:

Ich will mir vielleicht ein Elektroauto kaufen. Brauche ich wirklich eine «echte» Ladestation zu Hause und was muss ich als Anfänger zum Laden auf Fernreisen wissen?

Antwort:

Lieber Ruedi

Im Gegensatz zu teilelektrischen Plug-in-Hybriden, die gelegentlich auch an Haushaltssteckdosen Strom beziehen können, sollte ein rein batterieelektrisches Auto zu Hause oder am Arbeitsplatz nur an einer Wallbox geladen werden: Bei einer normalen Schweizer 230-V-Haushaltssteckdose ist der Dauerstrom auf acht Ampere begrenzt, den maximal möglichen Strom von zehn Ampere vertragen diese Steckdosen auf Dauer nicht. Dadurch ist die Ladeleistung auf bescheidene 1,8 kW beschränkt, womit du rund zwölf Stunden benötigst, um eine Reichweite von 100 Kilometern «nachzutanken».

Zum Fahrzeug passende Wallboxen bietet der Autohersteller oder Garagist meist selbst an, aber auch Energieversorger und viele freie Anbieter. Diese Wallboxen sind einfacher aufgebaut als die im öffentlichen Bereich verwendeten und zum Teil sehr leistungsstarken Ladestationen und deshalb auch deutlich günstiger. Do it yourself für den elektrischen Anschluss der Wallbox ist nicht empfehlenswert, da unbedingt zuvor die Elektroinstallation überprüft, richtig dimensioniert und abgesichert werden sollte.

Ein rein batterieelektrisches Auto sollte zu Hause oder am Arbeitsplatz nur an einer Wallbox geladen werden. 

Markus Peter, AGVS

Faustregeln für die Auswahl der geeigneten Wallbox: Zu Hause über Nacht bietet eine 11-kW-Wallbox ausreichend Leistung. Wer nur kürzere Strecken fährt und damit genug Zeit zum Nachladen hat, kann auch eine einfachere Wallbox mit 3,7 kW in Erwägung ziehen. Im halböffentlichen Bereich, das heisst, bei kürzerer Standzeit zum Beispiel beim Einkaufen oder am Arbeitsplatz, werden oft auch Wechselspannungs-Ladestationen mit 22 kW eingesetzt. Es gilt jedoch zu beachten, dass nicht alle Elektroautos über derart leistungsstarke interne Ladegeräte verfügen und somit dann selbst an einer 22-kW-Wallbox «nur» mit elf kW laden. Für eine Wallbox-plus-Installation solltest du mit rund 1500 bis 3000 Franken rechnen.

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Bist du Mieter oder Stockwerkeigentümer, benötigst du die Zustimmung des Vermieters respektive der Miteigentümer. Bei Sammelgaragen ist es zudem zukunftsweisend, eine Grundinstallation für sämtliche Plätze anzustreben. Hier gibt es beispielsweise Modelle, bei denen alle Miteigentümer zunächst die Grundinstallation – zum Beispiel durch einen Energieversorger – tragen und man die eigentliche Wallbox für den eigenen Platz dann von diesem Anbieter bei Bedarf später zukauft oder anmietet.

Auf Reisen kannst du «normal» mit Wechselstrom (AC) oder an den Schnellladern mit Gleichstrom (DC) «tanken». Beim Laden an einer Wechselstrom-Ladestation fliesst der Strom zuerst über das interne Ladegerät im Auto und wird dort zu Gleichstrom gewandelt, bevor er die Batterie auflädt. Da beim Schnellladen mit Gleichstrom die Energie quasi direkt in die Batterie fliesst und keine Umwandlung nötig ist, sind deutlich höhere Leistungen von über 100 kW möglich. Die maximale Ladeleistung beim Schnellladen steht jedoch nicht über die gesamte Ladezeit zur Verfügung, das würde zu einer Überhitzung und vorzeitigen Alterung der Batterie führen. An der Wallbox daheim kostet Strom – sofern er nicht selbst via Fotovoltaik produziert wird – je 100 Kilometer ca. vier Franken. Am Schnelllader kann ein voller Akku je nach Anbieter, nach Ladetempo und Umständen (Auslands-Roaming!) jedoch durchaus mal so teuer werden wie ein voller Benzintank.

Auf Reisen kannst du «normal» mit Wechselstrom (AC) oder an den Schnellladern mit Gleichstrom (DC) «tanken».

Markus Peter, AGVS

Das sind für einen E-Neuling sicherlich die wichtigsten Infos. Weitere liefert dir gerne auch dein Garagist, der dir als kompetenter Mobilitätsberater bezüglich E-Mobilität und weiterer alternativer Antriebe bestens Auskunft geben kann.

Gute Fahrt! 

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