Muss ich mein Auto bei einem Fahrzeugrückruf in die Garage bringen?
Wer sein Auto bei einem Fahrzeugrückruf nicht in die Garage bringt, macht sich allenfalls strafbar. 

Wer sein Auto bei einem Fahrzeugrückruf nicht in die Garage bringt, macht sich allenfalls strafbar.

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SicherheitWas muss ich tun bei einem Fahrzeugrückruf?

Immer wieder liest man von Fahrzeugrückrufen: Muss man sein Auto dann wirklich in die Werkstatt bringen oder reicht es auch beim nächsten Service?

von
Markus Peter, AGVS

Frage von Henry ans AGVS-Expertenteam:

In Deutschland gibt es eine sogenannte Rückrufdatenbank, in der man sich über Rückrufaktionen der Fahrzeughersteller orientieren kann. Gibt es das in der Schweiz ebenfalls? Ab wann kommt es zu einem solchen Rückruf und was muss ich bei einem Rückruf als Fahrzeugbesitzer eigentlich machen?

Antwort:

Lieber Henry,


Durch die immer kürzeren Entwicklungs- und Modellzyklen haben die Rückrufe bei Autos in den letzten Jahren leider tendenziell zugenommen. Je nach Schwere des Fehlers oder des Defekts kann dann ein Rückruf in die Werkstatt vom Hersteller freiwillig bekannt gegeben oder aber auch von Gesetzes wegen angeordnet werden.

In der Schweiz ist bei sicherheits- oder umweltrelevanten Rückrufen das Bundesamt für Strassen (ASTRA) zuständig. Diese sollten natürlich möglichst rasch und an möglichst allen betroffenen Fahrzeugen durchgeführt werden. Dazu haben die Fahrzeughersteller und Importeure die Pflicht, die betroffenen Fahrzeughalter umgehend über Mängel, mögliche Konsequenzen und das Vorgehen zur Mängelbeseitigung zu orientieren.

Aktuelle Autorückrufe finden sich auf der Seite des eidgenössischen Büros für Konsumentenfragen.

Markus Peter, AGVS


Es ist korrekt, dass in Deutschland beim KBA, dem für die Produkte-Sicherheit zuständigen Kraftfahrt-Bundesamt, eine sogenannte Rückrufdatenbank existiert. Dort können Rückrufe nach Fahrzeugherstellern und Modellen unterteilt spezifisch gesucht werden. Eine solche Datenbank – ausschliesslich für Fahrzeugrückrufe – gibt es für die Schweiz nicht. Aktuelle Rückrufe von Haarklammern, Kinderbeissringen bis zu Reifen finden sich aber auf der Seite des eidgenössischen Büros für Konsumentenfragen. Sie werden zudem meist über die App «RecallSwiss» verbreitet.


Sicherheits- oder umweltrelevanten Rückrufaktionen hat man als Fahrzeughalter übrigens auch Folge zu leisten und kann sich nicht einfach darum futieren, weil einem der Garagenbesuch aktuell nicht in den Kram passt; sonst macht man sich allenfalls selbst straf- oder haftbar.

Handelt es sich um einen sicherheits- oder umweltrelevanten Defekt oder Fehler, muss das Auto in die Garage.

Markus Peter, AGVS


Selbst wenn die Rückrufe bei neueren Fahrzeugen tendenziell zunehmen, haben moderne Fahrzeuge – zumindest aus Kundensicht – einen Vorteil: Sie verfügen oft über sogenannte OTA-Funktionen – sie stehen für die Möglichkeit, Software auch «Over the Air» zu erneuern, wie man das vom Computer oder Smartphone kennt. Damit kann man kleinere Defekte, beispielsweise an einer Komfortfunktion, mit einem simplen Softwareupdate statt einem Werkstattbesuch beheben. Handelt es sich um einen sicherheits- oder umweltrelevanten Defekt oder Fehler, kennt der Gesetzgeber kein Pardon, dann muss das Auto in die Garage.

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