Plastikvermüllte Meere: Was nützen Verbote, wenn andere sauen?
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Plastikvermüllte MeereWas nützen Verbote, wenn andere sauen?

Um die Meere sauberer zu machen, will die EU Einweg-Plastik verbieten. Nur: Was bringt das, wenn die grossen Plastik-Verschmutzer der Welt keine Entsorgungssysteme haben?

von
gux
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Das Problem mit dem Plastikmüll wird sich noch verschlimmern. Bis 2030 werden etwa 111 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Umwelt geraten. Das haben Forscher der University of Georgia berechnet.

Das Problem mit dem Plastikmüll wird sich noch verschlimmern. Bis 2030 werden etwa 111 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Umwelt geraten. Das haben Forscher der University of Georgia berechnet.

AFP/Claudio Reyes
Seit 1992 hat China mehr als 105 Millionen Tonnen Plastik importiert – 45 Prozent des weltweiten Plastikmülls. Jetzt aber hat das Land ein Importverbot eingeführt. Es nimmt unseren Plastikmüll nicht mehr.

Seit 1992 hat China mehr als 105 Millionen Tonnen Plastik importiert – 45 Prozent des weltweiten Plastikmülls. Jetzt aber hat das Land ein Importverbot eingeführt. Es nimmt unseren Plastikmüll nicht mehr.

AFP/Seyllou
Die Folge davon: In Ländern wie Thailand, Vietnam und Malaysia ist der Import sprunghaft angestiegen. Und das, obwohl die Infrastruktur für Abfall-Management in solchen Schwellenländern nicht existiert.

Die Folge davon: In Ländern wie Thailand, Vietnam und Malaysia ist der Import sprunghaft angestiegen. Und das, obwohl die Infrastruktur für Abfall-Management in solchen Schwellenländern nicht existiert.

AFP/Manjunath Kiran

Europa hat den Kampf gegen die schwimmenden Mülldeponien auf dem Meer aufgenommen. Die ersten Weichen für Verbote einer Reihe von Einweg-Plastikprodukten sind gestellt – oder mussten gestellt werden. Denn bis heute haben sich um die 150 Millionen Tonnen Kunststoff im Meer angesammelt. Pro Jahr kommen zwischen 5 und 13 Millionen Tonnen hinzu – zusätzlich zu den gefährlichen organischen Chemikalien wie Lösungsmittel, Pestizide oder Herbizide.

Gemäss der deutschen Industrievereinigung Kunststoffverpackungen stammt aber nur ein Prozent des Plastikmülls in den Meeren aus Europa, 80 Prozent dagegen aus Asien.

Vor der eigenen Tür kehren

Was bringen also alle EU-Massnahmen, wenn die fünf grössten Verschmutzer der Welt mit Plastik aus China, Indonesien, den Philippinen, Thailand und Vietnam kommen? «Es ist klar: Das Müllmanagement in diesen Ländern muss verbessert werden», sagt Bernhard Wehrli vom Departement für Umweltsystemwissenschaften der ETH Zürich.

Gleichzeitig muss Europa auch vor der eigenen Tür kehren: Es ist von Randmeeren umgeben, seine Länder sind hier die Hauptverschmutzer. Wehrli: «Es gibt also sehr wohl einen inhaltlichen Anreiz, dagegen etwas zu tun.»

Unser Plastikabfall wird importiert

Wir müssen uns bewusst sein, dass die EU ihren Plastikabfall noch immer in eben jene Länder exportiert, die es als Plastik-Hauptverschmutzer an den Pranger stellt. Erst kürzlich hat China ein Importverbot eingeführt und nimmt unseren Plastikmüll nicht mehr. Die Folge davon: In Ländern wie Thailand, Vietnam und Malaysia ist der Import sprunghaft angestiegen.

«Der Plastikmüll in Asien und Afrika scheint weit weg, hat aber sehr viel mit uns Industriestaaten zu tun», sagt Yves Zenger von Greenpeace Schweiz. So hätten die Konzerne, die nicht rezyklierbare Plastikverpackungen in Umlauf setzen, ihre Sitze in den Industrieländern. Dies, obwohl die teure Infrastruktur für Abfall-Management in den ärmeren Schwellenländern nicht realisierbar ist.»

Über 9000 Plastikteile vom Schweizer Konzern Nestlé

«Bei einer Strandsäuberungsaktion vor rund einem Jahr hat Greenpeace auf einem 1200 Quadratmeter grossen Strandabschnitt der philippinischen Hauptstadt Manila 54'000 Stück Plastikmüll gefunden», so Zenger. «Der Strand war übersät mit Zahnbürsten, Verpackungen, PET-Flaschen, Shampooflaschen, Trinkhalmen und Plastiklöffeln.»

Man habe vor lauter Plastik den Sand darunter nicht mehr gesehen. «Und jetzt kommts: Über 9000 der gefundenen Plastikteile trugen das Label des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé. Auch Produkte von Weltfirmen wie Unilever und Procter & Gamble waren zahlreich vertreten.»

«Wie beim Papier-Recycling – es braucht Zeit»

Mit dem Plastikmüll-Importverbot Chinas hat der Druck auf die Industriestaaten zugenommen, eine Recycling-Strategie zu entwickeln. «Wir müssen ein umweltgerechtes Plastikmanagement, einen Markt für Plastik-Recycling sowie abbaubare Ersatzprodukte entwickeln», sagt Umweltwissenschaftler Wehrli. «Wir haben die beste Industrie- und Forschungskapazität weltweit. Doch wie einst beim Papier-Recycling braucht es Zeit, Methoden zu entwickeln, um Plastik – ein Wertstoff – am besten wieder nutzbar zu machen.»

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