Sie hat die Hosen an: Was Obama und Hildebrand eint
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Sie hat die Hosen anWas Obama und Hildebrand eint

Im Weissen Haus hat nicht der mächtigste Mann der Welt das Sagen – sondern seine Frau. Das schreibt Autorin Jodi Kantor in ihrem Buch «Die Obamas: Ein öffentliches Leben».

von
rme
Familienidyll mit Chefin: Präsident Barack Obama, seine Frau Michelle und die beiden Töchter Malia (links) und Sasha.

Familienidyll mit Chefin: Präsident Barack Obama, seine Frau Michelle und die beiden Töchter Malia (links) und Sasha.

Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand stolperte über ein Devisengeschäft seiner Gattin. An einer Pressekonferenz bekannte er: «Meine Frau ist eine starke Persönlichkeit. Sagen wir es so.» Die Journalisten konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen. Denn allen war klar, was der Starbanker damit öffentlich zugab: Seine Frau hat die Hosen an, nicht er.

US-Präsident Barack Obama ist von diesem Schritt wohl weit entfernt. Doch die Öffentlichkeit erfährt aus einem neuen Buch davon, dass auch im Weissen Haus nicht der Mann sagt, wo es durchgeht. «Sie ist Bill Clinton und er ist Hillary», schreibt Autorin Jodi Kantor. Eine sehr gute Quelle habe ihr, der Reporterin der «New York Times», eingetrichtert, dass sie sich genau dies merken solle, wenn sie ein Buch über das Paar schreibe.

Kein Wunder, dass es ein Buch so in die Schlagzeilen schaffte, noch bevor es am Dienstag veröffentlicht worden ist. Michelle Obama beschränkt sich in ihrer Rolle als First Lady demnach nicht bloss aufs Begleiten ihres Gatten und auf nettes Lächeln. Sie soll hinter den Kulissen auch Politik betreiben.

First Lady macht sich zum Hampelmann

Rücktritt wegen Michelle

Der Abgang von Barack Obamas ehemaligem Stabschef Rahm Emanuel geht laut Kantor auf das Konto Michelles. Verschiedene Spitzenmitarbeiter im Weissen Haus hätten nach Ansicht der 47-Jährigen zu stark an die Wiederwahl und zu wenig an eine Strategie gedacht. Michelle Obama sei darüber erzürnt und frustriert gewesen. Sie habe befürchtet, ihr Mann werde retrospektiv bloss als «gewöhnlicher Politiker» betrachtet, weil er wenig bewegen konnte. Emanuel soll dieser Streit dazu gebracht haben, zu kündigen.

Auch in den Rücktritt von Obamas Sprecher Robert Gibbs soll die First Lady involviert gewesen sein. Angeblich hatte sie sein Krisenmanagement kritisiert, worauf er sie hinter ihrem Rücken mit wüsten Schimpfwörtern eindeckte.

Autorin Jodi Kantor hat für ihr Buch nicht mit den Obamas gesprochen, sie aber in der Vergangenheit interviewt. Ihre Informationen hat sie aus unzähligen Gesprächen mit 33 Personen, aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern sowie Freunden des Paars. «Die Obamas haben sie nicht davon abgehalten, mit mir zu sprechen», sagte die Buchautorin dem «Chicago Magazine».

Geheime Party und Dementis

Im Buch ist auch die Rede von einer pompösen Party im Weissen Haus - ausgerechnet zu einer Zeit, als es den USA wirtschaftlich besonders schlecht ging. Das Fest, zu dem auch Schauspieler Johnny Depp oder «Star Wars»-Legende George Lucas eingeladen waren, soll geheim gewesen sein.

Das Weisse Haus reagierte nicht erfreut auf die Enthüllungen. Es nahm vorige Woche offiziell Stellung zum Inhalt des Buchs. Es sei eine Überzeichnung von alten Begebenheiten, heisst es im Communiqué. Auch dass die beschriebene Party geheim gewesen sein soll, sei eine Fantasie der Autorin. Schliesslich habe man dazu Journalisten eingeladen und später ein Video des Fests auf die eigene Website gestellt.

Intimes zu den Obamas

Kantors Buch beschäftigt sich auch mit profanen Angelegenheiten. Es beschreibt beispielsweise die Wohnung der Obamas in Chicago, in welchem die Autorin das Paar einst besucht hatte. Sie sei erstaunt gewesen über den kleinen Kleiderschrank Michelles.

Ausserdem erfährt der Leser, dass Barack Obama offenbar eine ziemlich unrealistische Vorstellung von der Zukunft hat. «Er denkt, dass wenn er nicht mehr Präsident sein wird, er wieder wie eine ganz normale Person leben kann», zitiert Kantor einen guten Freund des mächtigsten Mannes der Welt.

Michelle Obama ihrerseits konnte sich den Wechsel vom normalen Alltag in denjenigen einer First Lady nur schwer vorstellen. Angeblich plante sie nach der Wahl ihres Gatten, nicht gleich mit ihm nach Washington zu ziehen. Ihre beiden Töchter hätten zunächst das Schuljahr in Chicago beenden sollen – Obamas Berater tobten. Und im Weissen Haus angekommen habe sie darüber gestaunt, dass sie kein Privatleben mehr habe. Sogar ihren Hund «Bo» habe sie nicht mehr ohne Bodyguard ausführen können.

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Autorin Jodi Kantor im Interview (Quelle: MSNBC)

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