Informatives Wachs: Was Ohrenschmalz über ein Walleben verrät
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Informatives WachsWas Ohrenschmalz über ein Walleben verrät

Wie Lebensringe eines Baumes geben Propfen in den Ohren eines Blauwales Auskunft über sein Leben. Stresshormone können ebenso nachgewiesen werden, wie Umweltgifte.

von
jcg
Der Schmalzpropfen des Wales. Illustration A) zeigt die Lage im Ohrkanal. B) zeigt den entfernten 25,4 Zentimeter langen Propfen. C) und D) zeigen Detailaufnahmen. (Bild: PD)

Der Schmalzpropfen des Wales. Illustration A) zeigt die Lage im Ohrkanal. B) zeigt den entfernten 25,4 Zentimeter langen Propfen. C) und D) zeigen Detailaufnahmen. (Bild: PD)

25 Zentimeter lang war der Schmalzpropfen, den ein Forscherteam um Sascha Usenko von der Baylor Universität in Waco (US-Bundesstaat Texas) aus dem Gehörgang eines toten Blauwalmännchens zog. Die eklige Arbeit hat sich gelohnt. Das Wachs gab den Wissenschaftlern seltene Einblicke in das Liebesleben und die Schadstoffbelastung der Meeressäuger.

Wie bei den Lebensringen eines Baumes besteht auch so ein Pfropfen aus mehreren Schichten, die die Wissenschaftler auseinandernahmen und genau analysierten. Sie suchten unter anderem nach dem Stresshormon Cortisol und dem Sexualhormon Testosteron, aber auch nach Pestiziden.

Ihre Untersuchung ergab, dass der Blauwal etwa zwölf Jahre alt war, als er bei einer Schiffskollision starb, wie die Forscher im Fachjournal «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS) schreiben. Der hohen Konzentration an Cortisol und Testosteron in den entsprechenden Schichten nach zu urteilen, wurde er mit etwa zehn Jahren geschlechtsreif. Andere Stoffe zeigen, dass er vor allem während des ersten Lebensjahres - als er noch gestillt wurde - Pestiziden ausgesetzt war. Die Forscher vermuten, dass die Schadstoffe durch die Mutter übertragen wurden.

Stress bei Walen

Ziel der Studie war es, genauere Informationen über Stress- und Umwelteinflüsse sowie generell über die Entwicklung von Walen zu erhalten. «Der Ohrenschmalzpfropfen ermöglicht eine umfassendere Untersuchung, um das lebenslange chemische Profil nachzuzeichnen», schreiben die Autoren. Ausserdem könne die Ohrenschmalz-Analyse Hinweise darauf geben, wie sehr der Mensch das Meer und die Wale beeinflusse.

Wale haben keine Ohrmuscheln. Ihre Ohren sind von aussen nur als kleines Loch erkennbar. Zwischen dieser Öffnung und dem inneren Hörorgan liegt der Gehörgang mit dem Ohrenschmalzpfropfen.

Der Blauwal (Balaenoptera musculus) gilt als das schwerste Tier, das jemals auf der Erde gelebt hat. Die grössten Exemplare messen über 30 Meter und wiegen mehr als 150 Tonnen - das sind über 40 Elefanten. Ihr Leben lang ziehen die bedrohten, stahlblauen bis blaugrauen Riesen auf der Suche nach Futter umher. Das Herz eines Blauwals hat die Grösse eines Autos und sein Magen fasst etwa zwei Tonnen Krill.

Nach Angaben der Umweltorganisation WWF führte die massive Jagd nach Blauwalen zu einem drastischen Rückgang der Bestände. Erst durch das 1967 von der Internationalen Walfangkommission IWC erlassene Jagdverbot werden diese Tiere geschützt. Sie sind laut WWF heute unter anderem durch die Meeresverschmutzung, den Schiffsverkehr und den Klimawandel bedroht. (jcg/sda)

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