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Heilende PilzeWas Pferdeäpfel mit Antibiotika zu tun haben

Struppiger Mist-Tintling – so heisst ein Pilz, der vornehmlich auf Pferdemist gedeiht und künftig als Lieferant eines neuen Antibiotikums dienen könnte.

von
jcg
Die Wissenschaftler isolierten den neuen Wirkstoff aus dem Struppigen Mist-Tintling, der bei uns im Pferdedung wächst.

Die Wissenschaftler isolierten den neuen Wirkstoff aus dem Struppigen Mist-Tintling, der bei uns im Pferdedung wächst.

Forschende der ETH Zürich haben es geschafft, aus dem struppigen Mist-Tintling einen bisher unbekannten Wirkstoff zu isolieren, der Bakterien abtötet. Copsin, so der Name des Stoffes, hat dieselbe Wirkung wie klassische Antibiotika. Der Pilz wächst auf den Exkrementen von Pferden.

Wie die ETH am Freitag mitteilte, gehört Copsin zu den so genannten Defensinen. Das sind kleine Proteine, die viele Lebewesen selber zur Abwehr von krankmachenden Mikroorganismen herstellen.

Wirkstoff tötet Listerien ab

Wofür der Wirkstoff aus dem Pferdeäpfel-Pilz dereinst verwendet werden kann, ist noch unklar. Neben einer Anwendung als Antibiotikum wäre gemäss ETH auch ein Einsatz in der Lebensmittelindustrie denkbar. Copsin tötet nämlich auch Listerien ab, jene Bakterien, die schwere Lebensmittelvergiftungen verursachen können. Die ETH hat den Wirkstoff aus dem Pferdeäpfel-Pilz bereits zum Patent angemeldet.

Pilzgeheimnisse entschlüsselt

Ebenfalls mit Pilzen beschäftigt haben sich Wissenschaftler der Forschungsanstalt Agroscope und der Universität Genf. Ihnen ist es gelungen, schlafende Gene von Pilzen zu aktivieren. Damit konnten sie neue Moleküle erforschen, die im Kampf gegen Krebs oder zum Schutz von Kulturpflanzen von grosser Bedeutung sein könnten.

Die entdeckten aktiven Moleküle können mit ihrer fungiziden Wirkung Pilze bekämpfen, die für Pflanzen und Gesundheit schädlich sind. «Das Potenzial dieser Methode ist fast unbeschränkt und könnte der Anfang unerwarteter Entdeckungen sein, die für Medizin und Landwirtschaft von grossem Interesse sind», teilte Agroscope am Freitag mit.

Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass lebende Organismen wie Pilze über Gene verfügen, die zwar Moleküle produzieren könnten, es aber nicht tun. Dies bedeutet, dass eine Vielzahl von Genen selten oder gar nie aktiviert werden. Die Erforschung dieses verschlüsselten genetischen Materials haben sich die Schweizer Forscher auf die Fahne geschrieben.

Mithilfe von synthetischen epigenetischen Modifikatoren aktivierten die Wissenschaftler ganze Gruppen von kleinen, unbekannten Molekülen. Deren biologischer Charakter wird derzeit untersucht. Die Forscher erhoffen sich Erkenntnisse im Kampf gegen Entzündungen, Krebs oder Alzheimer.

Auch in der Landwirtschaft könnte die Möglichkeit Mikroorganismen zu bekämpfen von grossem Nutzen sein. Beispielsweise könnten schädliche Pilze, Bakterien oder Viren für Kulturpflanzen eliminiert werden. (jcg/sda)

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