Aktualisiert 26.09.2016 09:54

Bürgerkrieg in Syrien«Was Russland tut, ist Barbarei»

Die USA und Russland liefern sich einen heftigen Streit um Syrien im UNO-Sicherheitsrat. Erstmals seit fast sechs Monaten konnte das Rote Kreuz eingeschlossenen Städten Hilfe bringen.

von
foa/rub
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Nach über sechs Monaten wieder in der Stadt: Ein Konvoi des Roten Kreuz hat Essen und wichtige Medikamente nach Madaja gebracht – wie hier im Bild zuletzt am 11. Januar 2016.

Nach über sechs Monaten wieder in der Stadt: Ein Konvoi des Roten Kreuz hat Essen und wichtige Medikamente nach Madaja gebracht – wie hier im Bild zuletzt am 11. Januar 2016.

Keystone/Epa/International Committee of the Red Cross ICRC
Madaja liegt 24 Kilometer nordwestlich von Damaskus. Etwa 40'000 Menschen leben dort.

Madaja liegt 24 Kilometer nordwestlich von Damaskus. Etwa 40'000 Menschen leben dort.

Keystone/AP Photo
Das IKRK arbeitet mit den Vereinten Nationen sowie mit Syrian Arab Red Crescent (SARC) zusammen. Insgesamt hätten 70 Lastwagen Hilfsgüter geliefert.

Das IKRK arbeitet mit den Vereinten Nationen sowie mit Syrian Arab Red Crescent (SARC) zusammen. Insgesamt hätten 70 Lastwagen Hilfsgüter geliefert.

Keystone/International Committee of the Red Cross ICRC

Die Gewaltspirale in Syrien dreht sich immer schneller und scheint allen diplomatischen Bemühungen zum Trotz nicht zu stoppen. Eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zur blutigen Eskalation im Bürgerkriegsland brachte kein Ergebnis, wurde jedoch von harschen gegenseitigen Schuldzuweisungen überschattet.

Viel Kritik musste Moskau einstecken, das die Militäroffensive der syrischen Regierung unterstützt. «Was Russland unterstützt und tut, ist nicht Anti-Terror, es ist Barbarei», erklärte die amerikanische UN-Botschafterin Samantha Power. Ihr russischer Kollege Witali Tschurkin sah die Schuld hingegen bei den Rebellen, die die kurze Waffenruhe zur Stärkung ihrer Einheiten genutzt hätten.

Westler verlassen Saal

Wie verhärtet die Fronten sind, zeigte sich beim Auftritt des syrischen UN-Botschafters Baschar al-Dschaafari. Als er aufgerufen wurde, verliessen seine amerikanischen, britischen und französischen Kollegen aus Protest den Raum. Die drei westlichen Staaten, die die Sitzung angesetzt hatten, machten Moskau schwere Vorwürfe.

UN-Botschafter Tschurkin hielt hingegen dem Westen vor, westlich unterstützte gemässigte Rebellen nicht von Terrororganisationen unterscheiden zu können. «Frieden zu stiften ist jetzt eine fast unmögliche Aufgabe», sagte Tschurkin. Er fügte aber hinzu, dass Russland weiterhin eine Feuerpause und Verhandlungen zwischen den syrischen Konfliktparteien wolle.

Aleppo unter Dauerbeschuss

Seit dem Zusammenbruch einer von Washington und Moskau vermittelten Feuerpause am Montagabend sind in und um die umkämpfte nordsyrische Stadt Aleppo 213 Zivilisten durch Luftangriffe und Bombardements der von den Rebellen gehaltenen Gegenden umgekommen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Allein bis zum Sonntagabend seien mindestens 26 Menschen getötet worden. Ibrahim Alhadsch vom syrischen Zivilschutz sagte indes, Krankenhäuser und Einsatzkräfte hätten am Sonntag 43 Tote gezählt.

Krankenhäuser in Aleppo meldeten, sie seien wegen der hohen Opferzahlen überfordert. Wegen mangelnder Behandlung dürften viele Verletzte sterben.Mohammed Sein Chandakani, ein Mitglied des sogenannten Medizinischen Rates, sagte in einer der Kliniken: «Ich habe noch nie so viele Menschen an einem Ort sterben sehen.»

«Es ist fünf vor zwölf»

Die syrische Regierungsoffensive zur Rückeroberung von Rebellengebieten im Osten Aleppos habe zu einer der schlimmsten Wochen im nunmehr über fünf Jahre langen Bürgerkrieg geführt, sagte der Syrien-Gesandte der UN, Staffan de Mistura zum Auftakt der Dringlichkeitssitzung in New York. Bis zu 275'000 Menschen befänden sich «seit 20 Tagen unter eine Art De-facto-Belagerung.»

Die Offensive auf Ostaleppo folgte zwar auf einen Luftangriff der US-geführten Anti-IS-Koalition auf syrische Regierungstruppen sowie eine tödliche Attacke auf einen UN-Hilfskonvoi. Doch könne kein Zwischenfall die beispiellose militärische Gewalt rechtfertigen, die unschuldige Zivilisten treffe, sagte de Mistura weiter. Die USA und Russland müssten «eine Extrameile gehen» und prüfen, ob sie die am 9. September vereinbarte Feuerpause noch retten könnten. Es sei «fünf vor zwölf», warnte de Mistura weiter.

Hilfe für belagerte Städte

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz brachte nach eigenen Angaben dringend benötigte Hilfsgüter in vier seit langem belagerte syrische Städte. Zu den Hilfen für rund 60'000 Einwohner in Madaja, Sabadani, Fua und Kafraja zählten Lebensmittel, medizinische Versorgungsgüter und Weiteres, teilte das IKRK am Sonntagabend mit.

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Nach über sechs Monaten wieder in der Stadt: Ein Konvoi des Roten Kreuz hat Essen und wichtige Medikamente nach Madaja gebracht – wie hier im Bild zuletzt am 11. Januar 2016.

Nach über sechs Monaten wieder in der Stadt: Ein Konvoi des Roten Kreuz hat Essen und wichtige Medikamente nach Madaja gebracht – wie hier im Bild zuletzt am 11. Januar 2016.

Keystone/Epa/International Committee of the Red Cross ICRC
Madaja liegt 24 Kilometer nordwestlich von Damaskus. Etwa 40'000 Menschen leben dort.

Madaja liegt 24 Kilometer nordwestlich von Damaskus. Etwa 40'000 Menschen leben dort.

Keystone/AP Photo
Das IKRK arbeitet mit den Vereinten Nationen sowie mit Syrian Arab Red Crescent (SARC) zusammen. Insgesamt hätten 70 Lastwagen Hilfsgüter geliefert.

Das IKRK arbeitet mit den Vereinten Nationen sowie mit Syrian Arab Red Crescent (SARC) zusammen. Insgesamt hätten 70 Lastwagen Hilfsgüter geliefert.

Keystone/International Committee of the Red Cross ICRC

Der Syrische Arabische Rote Halbmond, der gemeinsam mit den UN und dem IKRK für die Konvois zuständig ist, teilte mit, dass 53 Lastwagen mit Hilfsgütern in Madaja und Sabadani angekommen seien. Beide Städte werden von regierungsnahen Kräften belagert, während Rebellen Kafraja und Fua umzingelt halten. Dort kamen demnach 18 weitere Trucks an.

Regierungstruppen und Rebellen haben den Vereinten Nationen bislang regelmässigen Zugang zu belagerten Gebieten in Syrien verwehrt. Nach UN-Schätzungen sind rund 600'000 Syrer von verschiedenen Belagerungsringen eingeschlossen. (foa/rub/dapd)

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