Medienkonferenz Coronavirus - «Die Delta-Variante ist doppelt so ansteckend wie jene, die im Herbst 2020 dominierte»

Medienkonferenz Coronavirus«Die Delta-Variante ist doppelt so ansteckend wie jene, die im Herbst 2020 dominierte»

Expertinnen und Experten des Bundes informieren über den aktuellen Stand der Coronavirus-Pandemie in der Schweiz. 20 Minuten berichtet ab 14 Uhr live im Stream und im Ticker.

von
Marcel Urech

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Dienstag, 20.07.2021

Expertinnen und Experten des Bundes haben über den aktuellen Stand der Coronavirus-Pandemie in der Schweiz informiert. Dabei gab es folgende Aussagen:

  • Rund vier Millionen Personen in der Schweiz sind vollständig geimpft.

  • Die Neuinfektionen nehmen zu, und die Schwelle von 1000 pro Tag könnte noch diese Woche überschritten werden.

  • Jugendliche fangen vermehrt das Virus ein.

  • Die Reproduktionszahl hat minimal abgenommen.

  • Die Hospitalisierungen sind weiter auf tiefem Niveau.

  • Auch die Auslastung der Intensivstationen ist gering.

  • Der Ferienbeginn hat zu einer leichten Senkung der Impfbereitschaft geführt.

  • Die Anzahl der gefundenen Coronaviren im Abwasser nimmt zu.

  • Laut Sotomo ist die Skepsis gegenüber der Corona-Impfung leicht gesunken.

  • Das BAG hat Mühe, die Impfskeptiker über seine Website zu erreichen.

  • Das Vertrauen in den Bundesrat ist nach wie vor hoch.

  • Neue Corona-Massnahmen sind jederzeit möglich.

Besten Dank fürs Mitlesen und bis zum nächsten Mal.

Medienkonferenz ist zu Ende

In Kürze folgt hier eine Zusammenfassung. Danach ist dieser Liveticker beendet.

Junge Impfskeptiker hören auf ihr Umfeld

«Man muss das Medienverhalten der Geimpften und auch das der Impfunwilligen im Auge behalten», sagt Hermann. Gerade junge Impfskeptiker hörten aber stark auf ihr nahes Umfeld. Darum sei es sinnvoll, die Jungen in persönlichen Gesprächen zu einer Impfung zu überzeugen.

Braucht es eine Impfpflicht für Angestellte im Gesundheitswesen?

Laut Hurst gibt es unter den Impfskeptikern viele verschiedene Gründe, um sich nicht impfen zu lassen. Darum sei es wichtig, dass man die Menschen über das Coronavirus und die Impfung aufkläre. Eine Impfpflicht, wie sie etwa Frankreich für Mitarbeitende im Gesundheitswesen beschloss, sei in der Schweiz wegen der demokratischen Strukturen zum Beispiel nur schwierig umsetzbar.

Kann man die Corona-Diskussion entpolitisieren?

«Wir können die Konfliktlinien, die bei der Impffrage aufgebrochen sind, nicht von heute auf morgen zuschütten», sagt Hermann. Die Suppe werde aber oft heisser gegessen, als sie eigentlich sei.

Jeder entscheidet individuell

«Die Entscheidung, ob sich jemand impfen lässt oder nicht, ist eine individuelle Abwägung», sagt Hermann. Jugendliche entscheiden oft anders als Erwachsene. Ob man Druck auf die Jugendlichen aufbauen soll, sei eine politische und ethische Frage.

Braucht es Druck auf ungeimpfte Jugendliche?

«Die Impfung bringt allen etwas, nicht nur den Jugendlichen», sagt Hurst. Man müsse das Risiko der Impfung mit dem Risiko einer Nicht-Impfung vergleichen. Dann sei die Sache klar: Die Impfung sei sinnvoll.

Erreicht das BAG die Jugendlichen?

Ja, sagt Mathys. Man dürfe aber nicht vergessen, dass es die Impfung für Jugendliche in der Schweiz noch nicht so lange gebe. In dieser Altersgruppe müsse erst eine positive Dynamik entstehen. Mathys hofft unter anderem auf eine positive Mund-zu-Mund-Propaganda.

Hurst über die Delta-Variante

Die Delta-Variante ist etwa doppelt so infektiös als jene Variante, die während der Welle im Herbst 2020 vorherrschend war, sagt Hurst. Dies sei der Grund, warum ein rasanter Anstieg der Falzahlen nun möglich ist, trotz Impffortschritten.

Als Zuschauer ins Stadion - ist das sicher?

Bald wird in der Schweiz in der obersten Liga wieder Fussball gespielt. Ist das für die Zuschauer sicher? Wichtiger sei die Frage, was vor den Stadien passiere, sagt Mathys. Die meisten grösseren Veranstaltungen seien keine Superspreader-Events. Es sei aber klar, dass jede Lockerung ein zusätzliches Risiko generiere – auch Fussballspiele.

Schnelltests im Covid-Zertifikat - ist das sinnvoll?

Laut Hurst sind Schnelltests im Covid-Zertifikat heikel, da sie ungenau sind. Dieses Risiko habe man bewusst in Kauf genommen. Auch um die Impfskeptiker nicht auszuschliessen. «Jede Person, die getestet an einen Event kommt, kann theoretisch infiziert werden», sagt Mathys.

Covid-Zertifikat auch im Büro?

Ob das Covid-Zertifikat in Zukunft stärker genutzt werden soll – etwa auch im Büro – müsse der Bundesrat und die Gesellschaft als Ganzes entscheiden, sagt Mathys. Das sei nicht die Entscheidung des BAGs.

Braucht es mehr niederschwellige Impfangebote?

«Der Kanton Zürich braucht eine andere Impfinfrastruktur als der Kanton Appenzell», sagt Mathys auf diese Frage. Darum seien auch nicht in allen Kantonen niederschwellige Impfangebote vorhanden, wie zum Beispiel der Impf-Drive-Through im Kanton Solothurn. Das BAG unterstütze aber solche Angebote.

Impfung als Weg aus der Krise

«Je mehr Leute geimpft sind, desto weniger sollte sich das Virus verbreiten», sagt Hurst. Darum sollten sich möglichst viele Personen gegen das Coronavirus impfen.

Neue Corona-Massnahmen sind möglich

Die einfachste Lösung der Corona-Krise sei momentan, die Impfung stärker zu etablieren, sagt Hurst. Bleibe die Impfquote aber tief, seien neue Corona-Massnahmen nicht auszuschliessen.

Hurst zum Covid-Zertifikat

Nun spricht Hurst über das Corona-Zertifikat. Es gebe verschiedene Optionen, um dieses auszugestalten. Das sei aber vor allem eine politische und weniger eine epidemiologische Frage, so Hurst.

Inzidenz und Reproduktionszahl bleiben relevant

«Eines der zentralen Ziele der Strategie in der Schweiz, ist es, das Gesundheitssystem vor einer Überlastung zu schützen», sagt Mathys. Das bedeute aber nicht, dass man zum Beispiel die Inzidenz oder die Reproduktionszahl nicht mehr berücksichtige. Diese Indikatoren könnten nämlich darauf hinweisen, dass sich das epidemische Geschehen verschärfe, sagt Mathys.

Ein Indikator allein reicht nicht

«Wir müssen uns bei unseren Entscheidungen auf mehrere Variablen abstützen», sagt Hurst. Mathys ist damit einverstanden. Das Gesamtbild sei entscheidend. Ein einfaches Ampelsystem, das Massnahmen automatisch folgere, gebe es nicht.

Hohe Impfnachfrage

Haben alle Menschen in der Schweiz, die sich impfen lassen wollen, bereits Zugang zur Impfung? «Es wird nach wie vor im grossen Stil geimpft», sagt Mathys auf diese Frage. Die Impfnachfrage sei nach wie vor da, und sie werde wohl auch nach den Somerferien noch hoch sein.

Vergleiche mit anderen Ländern sind schwierig

Die Corona-Situation in den europäischen Ländern sei nur noch schwierig miteinander vergleichbar, sagt Mathys. Das begründe sich auch darin, dass der Impfstand in allen Ländern unterschiedlich sind.

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