Point de Presse - «Viele landen auf der Intensivstation, weil sie zu spät zum Arzt gehen»

Point de Presse «Viele landen auf der Intensivstation, weil sie zu spät zum Arzt gehen»

Die Expertinnen und Experten des Bundes haben sich in Bern zur aktuellen Corona-Situation geäussert. 20 Minuten berichtete live.

von
Newsdesk

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Dienstag, 21.09.2021

Zusammenfassung

  • Die Fallzahlen und Hospitalisationen gehen zurück, die Lage in den Spitälern bleibt aber nach wie vor angespannt. Auf den Intensivstationen werden noch immer über 250 Patienten und Patientinnen betreut.

  • Die Nachfrage nach der Impfung hat vor allem bei der jüngeren Bevölkerung zugenommen. Ein Grossteil der Personen auf den Intensivstationen ist ungeimpft.

  • Die Nachfrage nach Tests ist hoch. In diesem Zusammenhang hat man festgestellt, dass Personal an Teststellen vermehrt «unflätig angegangen» wird.

  • Wann die Impfung und eine damit verbundene Impfempfehlung für Kinder kommt, ist noch unklar. Dann wird man auch eine mögliche Zertifikatspflicht diskutieren.

  • Ob und wer möglicherweise eine Booster-Imfpung braucht, wird derzeit erörtert. Eine Empfehlung für die breite Bevölkerung gibt es derzeit nicht.

  • Mit Johnson & Johnson verhandelt man über die Beschaffung eines weiteren Impfstoffs. Bei neuen Erkenntnissen wird man wieder kommunizieren.

  • Die vierte Welle ist noch nicht gebrochen. Die Fallzahlen könnten in der kalten Jahreszeit wieder steigen.

Das wars

Die Medienkonferenz mit den Experten und Expertinnen des Bundes ist beendet. Hier folgt in kürze eine Zusammenfassung. Bis zum nächsten mal und weiterhin eine gute Woche.

Vierte Welle gebrochen?

Mathys: «Ich würde sagen, noch ist diese Welle nicht gebrochen. Auch weil jetzt die kalten Monate vor der Tür stehen. Das Damoklesschwert hängt noch immer. Die Lage könnte sich eher wieder verschlechtern.»

Hurst: «Die Fälle werden wohl mit der Kälte eher wieder ansteigen. Aber mittlerweile wissen wir ja, wie wir uns schützen können.»

Wie steht es um AstraZeneca und Novavax?

Mathys: «Ich kann zu diesen Impfstoffen, zu den Beschaffungen und dergleichen im Moment wirklich nichts weiter sagen.»

Nachfrage zur dritten Impfung

Mathys: «Im Moment gibt es für die breite Bevölkerung keine Empfehlung für eine dritte Impfung.» Zunächst müsse man genau klären, wer eine solche Booster-Impfung wirklich brauche. «Wir sind zurzeit daran die Daten zu sammeln.» Allgemein gelte: «Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie Symptome haben.»: Die Patienten und Patientinnen landen laut Mathys zum Teil direkt auf der Intensivstation, weil sie mit dem Arztbesuch zu lange warten.

Zertifikat für Kinder wenn die Impfung da ist?

Mathys: «Ein Zertifikat für Kinder ist im Moment kein Thema. Dem BAG ist die Rücksichtnahme auf Kinder und Jugendliche wichtig. Studien zur Impfung bei Kindern sind da. Wann aber die Impfung bzw. die Impfempfehlung kommen könnte, kann ich nicht sagen.» Und auch wenn wir dann soweit wären müsste eine Zertifikatspflicht noch diskutiert werden.

Zertifikat auf der Skipiste?

Mathys: «Ob ein Zertifikat für die Skigebiete kommt, kann man zurzeit noch nicht sagen, das wird sich zeigen. Wenn wir in einer guten Situation sind, dürfte sich die Frage, ob es eine Zertifikatspflicht in Skigebieten braucht, erübrigen.» Die Frage sei zudem, welche Risiken man bereit sei, in Kauf zu nehmen.

Wie seiht es mit der Booster-Impfung aus?

Samia Hurst: «Die Immunantwort nimm mit der Zeit ab. Eine dritte Dosis ist bei jenen denkbar, bei denen die Immunantwort bereits nach den ersten beiden Dosen schwach war.»

Wie steht es um den Impfstoff von Johnson & Johnson?

Mathys: «Die Nachfrage nach einem alternativen Impfstoff ist da. Wie viele Personen sich zusätzlich impfen lassen würden, wenn der Impfstoff von J & J da ist, kann ich aber nicht sagen. Dazu habe ich keine Zahlen. Wir sind im Moment in Verhandlungen und werden bei verlässlichen Informationen kommunizieren.»

Die Journalisten sind an der Reihe

Die Fragerunde ist eröffnet.

Rudolf Hauri

«Die Virusaktivität ist weiter hoch und volatil, auch wenn sich die epidemiologische Lage etwas entspannt hat. Schutzmassnahmen können erst zurückgefahren werden, wenn die Impfquote weiter steigt.»

In den Kantonen gebe es eine hohe Testnachfrage. Dabei komme es zu Engpässen die sich nicht vermeiden liessen. «Wir stellen dabei fest, dass Personal an Teststellen vermehrt unflätig angegangen wird.»

Screenshot SRF

Alain Di Gallo

Kinder und Jugendliche seien durch die Pandemie vor allem psychisch beansprucht. Schwere Krankheitsverläufe seien eher selten, dennoch könnten auch sie beispielsweise von Long-Covid-Symptomen hart getroffen werden.

Bis ein Impfstoff für Kinder da sei, müsse man die Schutzmassnahmen befolgen. «Diese können verhindern, dass beispielsweise Schulen geschlossen werden müssen.» Tests, Hygiene, CO2-Messungen und auch das konsequente Lüften der Räume sei wichtig.

Das Tragen von Masken werde weiter empfohlen, auch wenn verschiedentlich und aus unterschiedlichen Gründen diese Massnahme kontrovers diskutiert werde.

Samia Hurst

«Zwischen Ende Juni und Mitte August diesen Jahres sind die Infektionszahlen gestiegen und haben sich auf hohem Niveau eingependelt. Dann begannen sie wieder zu sinken. Die ist auch mit der Rückgängigen Zahl der Reiserückkehrer zu erklären.»

Es sei noch immer wichtig auf die Hygiene zu achten und wenn möglich sich impfen zu lassen. In der Schweiz würden sich 40'000 Spitaleinweisungen vermeiden lassen, wenn sich alle noch nicht immunisierten Personen impfen liessen.

Screenshot SRF

Mathys

«Die Impfung schützt gut vor schweren Verläufen. Die Situation auf den Intensivstationen bleibt angespannt, die Mitarbeitenden sind sehr ausgelastet.» Man müsse durch das Impfen weiter den Druck auf die Spitäler reduzieren. «Es besteht weiter die Gefahr einer neuen Infektionswelle, dies auch mit Blick auf die kommende Jahreszeit.»

Screenshot SRF

Jetzt gehts wieder

Das Bild ist zurück.

Technische Störung

Zurzeit gibt es bei der Übertragung der Medienkonferenz ein Problem.

Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit

Patrick Mathys gibt einen Überblick über die Lage: «Die Lage hat sich bei den Infektionen und den Hospitalisationen leicht beruhigt. Die Auslastung der Intensivbetten ist allerdings weiter hoch.» Die höchsten Inzidenzen liege bei der jungen, mobilen Bevölkerung. Die Spitaleinweisungen sollten in den kommenden Tagen zurückgehen. «Damit ist zu rechnen.»

Es geht los

Die Medienkonferenz mit den unten aufgeführten Expertinnen und Experten des Bundes hat begonnen. Herzlich willkommen.

Mögliche Themen

  • Der Bund führt intensive Verhandlungen für den Bezug von Impfdosen des Impfstoffs von Pharmahersteller Johnson & Johnson. Dieser ist vektorbasiert. Er könnte Menschen zum Impfen animieren, die gegenüber den mRNA-Impfstoffen Vorbehalte haben. Bislang wird in der Schweiz Moderna und Biontech/Pfizer verimpft. Wie der «Blick» schreibt, könnte der Deal in «den nächsten Tagen besiegelt werden».

  • Seit einer Woche gilt die neue Zertifikatspflicht für Restaurants, Kinos oder Fitnesscenter. Bei Verstössen drohen Bussen. Wie hat sich diese neue Situation bislang ausgewirkt?

  • Wie sehen die Experten und Expertinnen des Bundes die Zahl der neuen Corona-Fälle und wie wirken sich diese auf die Hospitalisationen und die damit verbundene Auslastung der Spitäler aus?

Teilnehmende

Am Point de Presse auf Fachebene um 14 Uhr nehmen teil:

  • Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit, Bundesamt für Gesundheit BAG

  • Rudolf Hauri, Kantonsarzt Zug, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte VKS

  • Samia Hurst, Vice-présidente, National COVID-19 Science Task Force

  • Alain Di Gallo, National COVID-19 Science Task Force

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