19.11.2020 09:00

7 Erkenntnisse aus dem Nati-HerbstWas sich in 7 Monaten bis zur EM ändern muss

Seit 7 Spielen hat die Schweiz nicht gewonnen. Doch abgerechnet wird erst an der EM in 7 Monaten. Bis dahin muss die Nati noch an 7 Dingen arbeiten.

von
Eva Tedesco
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Nationaltrainer Vladimir Petkovic und seiner Mannschaft bleiben noch sieben Monate Zeit, um an der EM-Form zu arbeiten.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic und seiner Mannschaft bleiben noch sieben Monate Zeit, um an der EM-Form zu arbeiten.

Foto: Keystone

Darum gehts

  • Das Länderspieljahr 2020 ging mit der Absage gegen die Ukraine zu Ende.

  • Die Schweizer beendeten den Fussball-Herbst mit sieben Spielen ohne Sieg.

  • Bis zur EM in sieben Monaten bleibt noch einiges zu tun.

  • Sieben Baustellen, an denen gearbeitet werden muss.

Die Schweizer Nationalspieler sind zurück in ihre Clubs gereist. Geblieben ist die Ungewissheit, ob sie in der Elite-Klasse der Nations League bleiben. Nach der Absage der Partie gegen die Ukraine am Dienstag wird das letzte Gruppenspiel am grünen Tisch der Uefa entschieden.

So beendete das Nationalteam das durch Corona beeinflusste Länderspieljahr oder besser Halbjahr 2020 ohne einen einzigen Sieg. Vier Remis und drei Niederlagen stehen in der Bilanz. Auch wenn die Nati noch aus der Topdivision rutschen sollte – je nach Entscheidung der Uefa –, wird nicht gleich abgerechnet, sondern erst 2021. An der EM, wenn die Nati wieder ihrem Traum nachjagt: das Erreichen eines Viertelfinals. Die Europameisterschaft wird in sieben Monaten angepfiffen. Sieben Dinge, an denen die Nati bis dahin noch arbeiten kann:

Am neuen Spielstil

Im September verlor die Nationalmannschaft zum Auftakt in die Nations League 1:2 in der Ukraine. 

Im September verlor die Nationalmannschaft zum Auftakt in die Nations League 1:2 in der Ukraine.

Foto: Keystone

Vladimir Petkovic hat seine Mannschaft stärker auf Pressing und Umschaltfussball ausgerichtet. Beim 1:2 in der Ukraine präsentierte sich die Nati mit einer Dreierabwehr und einer sehr offensiven Spielweise. Doch sie spielte zu ungestüm und es rissen hinter den hochstehenden Angreifern grosse Löcher auf, die die Ukrainer geschickt ausnützten. Beim 0:1 in Spanien war die Defensive stabiler, darunter litt aber die Offensive. Am neuen Stil muss noch gefeilt werden.

An den Eigenfehlern

 Die Schweiz kassierte in diesem Herbst zu viele Tore unmittelbar nach individuellen Fehlern.

Die Schweiz kassierte in diesem Herbst zu viele Tore unmittelbar nach individuellen Fehlern.

Foto: Keystone

Das hohe Pressing birgt auch Risiken. 8:12 lautet die Torbilanz aus den sieben Herbstspielen, sechs der Gegentreffer fielen unmittelbar nach individuellen Fehlern. Zu viele in der Summe – auch wenn man die Qualität der Gegner berücksichtigen muss. Goalie Yann Sommer sagt: «Der neue Spielstil ist eine Herausforderung, weil er sehr viel Energie und Konzentration verlangt.» Diese Aussetzer muss das Team bis zur EM abstellen.

An der Balance


Remo Freuler erzielte zwei Tore. Der Atalanta-Mittelfeldspieler traf gegen Spanien und Deutschland.


Remo Freuler erzielte zwei Tore. Der Atalanta-Mittelfeldspieler traf gegen Spanien und Deutschland.

Foto: Freshfocus

Mal liess die Mannschaft in der Defensive kaum Chancen zu, blieb aber in der Offensive harmlos (0:1 in Spanien). Dann wiederum glänzte der Angriff (3:3 in Deutschland), aber die Abwehr patzte. Nur selten fand sie die nötige Balance. «Wir sind auf einem guten Weg, weil viele Spieler Erfahrungen aus grossen Ligen mitbringen. Alle übernehmen mehr Verantwortung. Aber als Team müssen wir noch reifer werden, damit wir gegen grosse Mannschaften auch mal ein Ergebnis über die Zeit bringen», sagt Sommer.

An der Spieler-Mischung

«Die Nati braucht erfahrene Spieler in Form und junge Wilde, die eine gewisse Lockerheit versprühen», sagt Yann Sommer. 

«Die Nati braucht erfahrene Spieler in Form und junge Wilde, die eine gewisse Lockerheit versprühen», sagt Yann Sommer.

Foto: Freshfocus

«Wir brauchen die erfahrenen Spieler. Die jungen Wilden braucht es auch, weil sie eine gewisse Lockerheit versprühen. Sie spielen so, wie sie es gerade im Kopf haben. Insgesamt glaube ich, dass wir einen guten Mix haben», sagt Sommer. Bis zur EM kann Petkovic diese Mischung perfektionieren. Dann geht es ebenfalls darum, dass die Spieler ihr Potenzial und ihre Qualität auch abrufen und ihre Stärken auf der richtigen Position einbringen können. Die Zeit der Experimente ist aber mit dem Ende der Nations League vorbei.

An der Personalie Shaqiri

An der EM braucht die Nati einen Shaqiri in Topform. 

An der EM braucht die Nati einen Shaqiri in Topform.

Foto: Freshfocus

«Xherdan braucht unsere Hilfe. Und wir brauchen Xherdans Hilfe, um noch besser zu werden. Es ist eine Win-win-Situation», sagt Coach Vladimir Petkovic zur Rückkehr von Xherdan Shaqiri im Oktober nach einem Jahr Nati-Absenz. Das Team braucht seine Kreativität und Unberechenbarkeit. Bis zur EM muss der Zauberwürfel in Liverpool dafür sorgen, wieder in Bestform zu kommen, damit er die tragende Rolle in der Nati einnehmen kann, die er vor seiner langen Verletzung innehatte.

An der Kommunikation

Nati-Captain Granit Xhaka zieht im Spiel der Schweizer die Fäden. Er gibt ihr den Takt vor. Bei Geisterspielen sind seine Anweisungen gut zu hören.

Nati-Captain Granit Xhaka zieht im Spiel der Schweizer die Fäden. Er gibt ihr den Takt vor. Bei Geisterspielen sind seine Anweisungen gut zu hören.

Foto: Freshfocus

Eine Sache, die Geisterspiele mit sich bringen: Man kann im leeren Stadion hören, was auf dem Platz gesprochen wird, und auch, wenn nicht gesprochen wird. Deutlich waren die Anweisungen von Granit Xhaka bis auf die Tribüne zu vernehmen. Der Captain dirigierte, motivierte, forderte und beruhigte. Es war aber auch auffällig, wie ruhig es war, wenn der Captain nicht auf dem Platz stand. Daran muss die Mannschaft arbeiten: Jeder muss den Mund aufmachen und Verantwortung übernehmen. Dann klappt auch das Zusammenspiel besser.

An der Weiterentwicklung des Teamgeists

Der Teamgeist in der Nati ist intakt. Darauf ist Nati-Trainer Vladimir Petkovic stolz. 

Der Teamgeist in der Nati ist intakt. Darauf ist Nati-Trainer Vladimir Petkovic stolz.

Foto: Keystone

«Auf unseren Teamgeist bin ich stolz», sagt Petkovic zufrieden. Er garantiert ihm, dass nicht nur 11, sondern 23 Spieler einen wichtigen Beitrag leisten können. Dank des starken Kollektivs ist die Schweiz in der Lage, schwierige Situationen aufzufangen, ohne die grosse Linie zu verlassen. Was der Nati noch fehlt, ist das gewisse Etwas, um den grossen Coup zu landen – sieben Monate hat sie noch Zeit, das zu ändern. Aber am besten fängt sie schon in der WM-Qualifikation ab März damit an.

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2 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Dan

20.11.2020, 17:31

Wow, ist ja eine Riesenbaustelle...

Witzig

19.11.2020, 12:07

Wenn ihr schon keine Kommentare veröffentlichen wollt, schliesst doch wenigstens in Funktion...