Nintendo-Konsole im Test: Was Sie über die Wii U wissen müssen
Aktualisiert

Nintendo-Konsole im TestWas Sie über die Wii U wissen müssen

Seit Freitag ist die neue Wii in den Läden. Was unterscheidet die jüngste Spielkonsole von ihrer Vorgängerin? Und lohnt sich der Kauf? Wir haben sie ausgiebig getestet.

von
Jan Graber

In der Game-Branche gehört es zum guten Ton, neue Hardware von Nintendo mit einem überheblichen Lächeln zu quittieren. Nur um kurz darauf die Innovationen der Japaner zu kopieren. Das war bei der Wii so, das war bei Nintendos portablem Spielgerät DS nicht anders: Es wurde gelacht, gestaunt und kopiert. Auch bei der Wii U wird bereits wieder dieselbe Hupe betätigt: Das Gerät sei zu schwach für die Zukunft, was die Rechenleistung betrifft; es könne es höchstens mit den aktuellen, nicht aber mit den kommenden Konkurrenz-Konsolen aufnehmen.

Das mag tatsächlich stimmen – sofern man sich auf den Standpunkt stellt, der Stärkere sei stets der Bessere. Die Wii U ist gewiss nicht die Stärkere. Die Spielkonsole startet langsam, beim Zerlegen des Teils wurde festgestellt, dass die Prozessoren eher schwach auf der Brust sind. Doch die Wii U hat etwas im Gepäck, was bereits jetzt von der Konkurrenz kopiert wird: den zweiten Spielbildschirm im Wii-U-Gamepad, mit dem sich Games asymmetrisch spielen lassen. Während auf dem TV-Bildschirm das Hauptgeschehen läuft, können auf dem Touchscreen in den Händen nützliche Infos zum Spiel abgebildet oder zusätzliche Spielmechanismen angeboten werden.

Potenzial wird noch nicht genutzt

Noch aber sind die Spiele nicht so weit: Spiele wie beispielsweise «Assassin's Creed 3» oder «Mass Effect 3» nutzen den zweiten Bildschirm vornehmlich als Kartendarstellungsgerät und zur Auswahl des Inventars oder von Waffen. Nur wenige Spiele – wie etwa «Just Dance 4», das im Frühjahr erscheinende «Rayman Legends» oder das Minigame «Takamarus Ninja Festung» in der Spielsammlung «Nintendoland» - enthalten zusätzliche und neuartige Steuerungsmöglichkeiten, die das Potenzial der Wii U erahnen lassen.

Das doppelte Sehen birgt indes Gefahren: Die Spieler müssen sich neu orientieren und wissen oft nicht, auf welchen Bildschirm sie zu einem bestimmten Zeitpunkt schauen sollen - ein Spielverhalten, an das sich Spieler erst gewöhnen müssen. Das stellt die Wii U vor ein Problem: Während die alte Wii auch von Spiellaien sehr einfach zu begreifen war, macht es die Wii U den Gameneulingen schwerer. Diese scheinen aber gar nicht zur Hauptzielgruppe zu gehören: Gemessen am Spiel-Lineup versucht Nintendo zunehmend, Core-Spieler an Bord zu holen. Für diese These spricht, dass Nintendo bereits eine sehr viel günstigere Wii Mini für Gelegenheitsspieler bestätigt hat.

Feine Steuerung

Zurück zum Gamepad: Das Tablett erstaunt mit einer extrem feinen Motion-Control. Schon das leichteste Kippen wird erkannt, eingebaut wurde ein extrem sensitiver 9-Wege-Kontroller. Ein magnetischer Sensor misst laut Nintendo zudem das Magnetfeld der Erde, um stets die horizontale Ausrichtung zu erkennen – kein Smartphone kann hier derzeit mithalten.

Vorbei sind zudem die Zeiten schummriger Spiele bei Nintendo: Sowohl auf dem TV-Gerät wie auf dem Gamepad wird brillante High-Definition-Grafik dargestellt. Ein weiterer Pluspunkt: Manche Games können unabhängig vom TV-Bildschirm gespielt werden – sofern sich der Spieler in Reichweite der Wii-U-Konsole befindet. Bis zu acht Meter kann sich der Spieler entfernen.

Fokus aufs gemeinsame Spielen

Vielversprechend sind auch die Online-Funktionen, die von 20 Minuten Online wegen einem ausstehenden Firmware-Update allerdings noch nicht getestet werden konnten: Mit Miiverse soll Nintendo das erste echte Social Networking ähnlich wie Facebook in eine Konsole integrieren. Die Konsole wird Videochat ermöglichen, enthält einen HTML-5-Internetbrowser, bringt einen eShop und ermöglicht das Übertragen der Wii-Daten auf die neue Wii U.

Neue Netzwerkfunktionen, das neue Wii-U-Gamepad im Zusammenspiel mit der herkömmlichen Wiimote oder einem klassischen Controller, ein ausgebautes Miiverse: Dies alles legt den Fokus aufs gemeinsame Spielen. Einsame Zocker, die die Abgeschiedenheit vorziehen, dürften sich von der Wii U deshalb ein wenig ausgeschlossen vorkommen.

Was spricht für den Kauf?

- Viele Spiele, darunter Futter für alle Altergruppen und Spieltypen.

- Das GamePad macht Spass und ist herausfordernd. Der zweite Bildschirm eröffnet neue Möglichkeiten.

- Die Netzwerkfunktionen wurden immens ausgebaut, Miiverse, Video, eShop, etc.

- Die High-Definition-Grafik.

- Auch Wii-Spiele können auf der Wii U gespielt werden.

- Das GamePad lässt sich auch als Fernbedienung fürs TV-Gerät verwenden.

Was spricht gegen die Wii U?

- Im Bereich der Hardcore-Games genügen PS3 und Xbox 360 – sofern man bereits eine der Konsolen hat.

- Die langsame Hardware: Bei der Lancierung der nächsten Xbox oder Playstation wird die Wii U alt aussehen.

- Der Preis ist hoch: ab 379 Franken für das Basis-Angebot (ohne Sensorleiste und klassischem Gamepad) und ab 439 Franken für das Premiumpack.

Das Fazit:

Erneut geht Nintendo spielerisch an die Sache und lotet mit einer innovativen Erfindung neue Wege des Gamens aus. Die Wii U ist dabei ein inspirierendes Stück Technologie, das vor allem auch technikaffine Spieler faszinieren dürfte. Aber auch alle, die Lust auf neuartige Spielformen haben und diese gerne zusammen mit anderen ausloten, werden sich mit der Wii U pudelwohl fühlen.

Die ersten Spiele für die Wii U

Quelle: YouTube/GameStar

Deine Meinung