Überblick: Was Sie zum Fifa-Skandal wissen müssen
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ÜberblickWas Sie zum Fifa-Skandal wissen müssen

Elf Funktionäre gesperrt, die Wahlen finden statt, Blatter marschiert weiter voran – das Wichtigste zum Fifa-Skandal im Überblick.

von
Arne Richter
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Fifa-Präsident Joseph Blatter stellt sich beim Kongress am 29. Mai 2015 zur Wiederwahl und strebt seine fünfte Amtszeit an.

Fifa-Präsident Joseph Blatter stellt sich beim Kongress am 29. Mai 2015 zur Wiederwahl und strebt seine fünfte Amtszeit an.

Andreas Meier/freshfocus
Herausgefordert wird Blatter vom jordanischen Prinzen Ali bin al-Hussein (l.). Ihm werden gute Chancen eingeräumt.

Herausgefordert wird Blatter vom jordanischen Prinzen Ali bin al-Hussein (l.). Ihm werden gute Chancen eingeräumt.

Keystone/Jamal Nasrallah
Am 26. Januar 2015 steigt der Holländer Michael van Praag in den Präsidentschaftspoker ein. Der 67-Jährige ist ein ausgesprochener Kritiker Blatters. Am 21. Mai 2015, etwas mehr als eine Woche vor der Wahl, zieht er seine Kandidatur aber zurück.

Am 26. Januar 2015 steigt der Holländer Michael van Praag in den Präsidentschaftspoker ein. Der 67-Jährige ist ein ausgesprochener Kritiker Blatters. Am 21. Mai 2015, etwas mehr als eine Woche vor der Wahl, zieht er seine Kandidatur aber zurück.

Keystone/Steffen Schmidt

Nach einem dramatischen Tag in Zürich mit mehreren Festnahmen und Durchsuchungen in der Zentrale des Fußball-Weltverbandes sind nun elf aktuelle oder ehemalige Funktionäre des Weltfußballverbands Fifa provisorisch gesperrt worden – unter ihnen auch die Blatter-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo, die zuvor von den Schweizer Behörden auf Antrag der US-Justiz in Abschiebehaft genommen worden waren.

Die Fifa steht unmittelbar vor ihrem Wahlkongress vor der größten Zerreißprobe ihrer skandalumtosten Geschichte - und plötzlich scheint sogar die Position von Joseph Blatter als Fifa-Chef nicht mehr unantastbar.

Blatter will die fünfte Amtszeit

Während die Gegner des Fifa-Chefs aus der Uefa nach einer Sondersitzung in Warschau eine Verschiebung des Fifa-Kongresses forderten, verteidigte Blatter in einem schriftlichen Statement sein Krisenmanagement. Eine Absage der Präsidentschaftswahlen am Freitag, bei der er für eine fünfte Amtszeit gewählt werden will, sind für den 79-Jährigen keine Option.

"Das ist eine schwierige Zeit für den Fußball, die Fans und für die Fifa als Organisation. Wir haben Verständnis für die Enttäuschung, die viele zum Ausdruck gebracht haben...", wird Blatter in einem schriftlichen Statement der Fifa zitiert.

Uefa: Fifa-Kongress droht Farce

Blatters europäische Gegner haben die unverhoffte Gunst der Stunde offenbar erkannt und proben den Aufstand. Der Kongress samt Wahlen müsse um sechs Monate verschoben werden, hieß es in einem Statement unter der Überschrift "Uefa zeigt dieser Fifa die Rote Karte". Es käme auch ein Boykott infrage.

"Beim anstehenden FIFA-Kongress besteht die Gefahr einer Farce. Deshalb werden sich die europäischen Verbände genau überlegen müssen, ob sie überhaupt am Kongress teilnehmen sollen, um ein System zu verwarnen, welches – insofern es nicht gestoppt wird -– den Fußball letztendlich töten wird", hieß es in einer Pressemitteilung. Solch scharfe Töne sind einmalig in der einst auf Harmonie gebauten Funktionärswelt.

"Sie haben das weltweite Fußballgeschäft korrumpiert"

Mehreren Fifa-Funktionären werden organisiertes Verbrechen und Korruption vorgeworfen, auch von Geldwäscherei wird gesprochen. Als Höchststrafe drohen in den USA 20 Jahre Haft. Insgesamt ermittelt das US-Justizministerium, das die Schweizer Behörden um Amtshilfe ersucht hatte, gegen 14 Personen. Sie sollen seit Anfang der 90er Jahre Schmiergelder von mehr als 150 Millionen Dollar von Vermarktern für die Vergabe von Fußballturnieren erhalten haben. 110 Millionen Dollar sollen allein für Vermarktungsrechte für die Copa America 2016 in den USA geflossen sein. Bestechungsgelder sollen auch vor der WM-Vergabe an Südafrika 2010 gezahlt worden sein. Die WM 2006 in Deutschland wird in dem Bericht des US-Justizministeriums nicht erwähnt.

"Sie haben das weltweite Fußballgeschäft korrumpiert, um sich selbst zu bereichern», sagte US-Justizministerin Loretta Lynch am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in New York. «Sie haben es immer und immer wieder gemacht. Jahr um Jahr, Turnier um Turnier."

Russland hat "nichts zu verbergen"

Russland sieht sich als Gastgeber 2018 nicht belastet. Die betroffenen Funktionäre hätten "keine Beziehung" zu dem Turnier, sagte Sportminister Witali Mutko. Russland sei zur Zusammenarbeit mit den Behörden bereit. "Wir haben nichts zu verbergen." Auch bei der Fifa äußert man es keine WM-Zweifel.

Die WM-Ermittlungen gehen auf eine Strafanzeige der FIFA vom 18. November 2014 zurück. "Das Timing ist nicht das beste", räumte Fifa-Kommunikationschef Walter de Gregorio ein. Das Verfahren sei aber gut für die FIFA im Sinne der Transparenz. «Solch ein Fehlverhalten hat kein Platz im Fußball», sagte Blatter.

Blatter bleibt nur ein Konkurrent

Der Kongress des Dachverbandes und die Wahl seines Präsidenten mit Blatter und seinem einzigen noch verbliebenen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein soll durchgeführt werden. Ein Rücktritt Blatters sei kein Thema.

Herausforderer Al-Hussein forderte natürlich auch aus eigenem Interesse einen generellen Wandel: "Wir können so nicht weitermachen. Die Krise dauert an und ist nicht nur an die heutigen Ereignisse geknüpft. Die FIFA braucht eine Führung, die regiert, führt und unsere Verbände schützt."

Ex-Fifa-Vize beteuert Unschuld

Unter den insgesamt 14 Verdächtigen ist auch der frühere FIFA-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad und Tobago. Warner beteuerte indes in einer Stellungnahme seine Unschuld. Sein Name taucht im US-Bericht aber auch im Zusammenhang mit der WM 2010 auf. In den USA laufen seit längerem Untersuchungen des FBI gegen ihn und den ehemaligen US-Verbandschef Chuck Blazer. Beide wurden von der FIFA auch vorläufig gesperrt, obwohl sie lange kein Amt mehr ausüben.

Wie das US-Justizministerium erklärte, sollte am Mittwoch in Miami auch das Hauptquartier des nord- und mittelamerikanischen Dachverbandes CONCACAF durchsucht werden. Korruption sei weit verbreitet, systematisch und tief verwurzelt sowohl in den USA als auch im Ausland, erklärte Lynch. Bei der Beurteilung der WM-Vergabe 2018 und 2022 müsse die Fifa "tief in ihre Seele blicken".

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