Aktualisiert 01.03.2019 11:46

Männlich, weiblich ...Was soll das neue «d» in Jobinseraten?

Bei Stelleninseraten gesellt sich zum gewohnten «m/w» neuerdings ein «d» dazu. Erste Schweizer Firmen benutzen es schon. Das steckt dahinter.

von
V. Blank

«Gleichstellung beginnt im Kopf»: Personalexperte Jörg Buckmann über den neuen Zusatz in Stellenausschreibungen.

Es sorgt für Verwirrung: Das zusätzliche «d» in Stelleninseraten. Bis vor kurzem benutzten Firmen lediglich «m/w» (männlich/weiblich), um sicherzustellen, dass sich beide Geschlechter angesprochen fühlen. Doch jetzt sind auf Job-Portalen plötzlich zahlreiche Stellen mit dem Zusatzvermerk «m/w/d» gelistet.

Hintergrund: In Deutschland gibt es seit Anfang Jahr offiziell ein drittes Geschlecht. Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen, können sich als «divers» im Personenstandsregister eintragen lassen.

Das hat Auswirkungen auf die Arbeitgeber: Um nicht mit dem Gleichbehandlungsgesetz in Konflikt zu geraten, müssen sie ein «d» für divers oder ein «i» für intersexuell bei Stellenausschreibungen hinzufügen.

Zeichen der Anerkennung

Jetzt folgen erste Schweizer Firmen dem Beispiel aus Deutschland. Auf der Onlineplattform Jobs.ch sind zurzeit 1822 Stellen mit dem Zusatzvermerk «m/w/d» zu finden. Auf 100000jobs.ch sind es rund 700 Stellen. Viele davon haben ihren Hauptsitz in Deutschland, wie etwa die Drogeriekette Müller. Obwohl in der Schweiz keine Pflicht für das «d» in Inseraten besteht, sucht die Kette am Standort Basel beispielsweise einen «Kassierer m/w/d».

Aber auch Firmen mit Schweizer Hauptsitz haben den dritten Buchstaben schon eingeführt. So sucht beispielsweise der Pharmariese Roche einen «Materialplaner m/w/d».

Der Zusatz diene als Anerkennung, dass es Personen gibt, die sich weder als männlich noch als weiblich klassifizieren, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Auch diese wolle man bei Stellenausschreibungen ansprechen.

«Gleichstellung beginnt im Kopf»

Personalexperte Jörg Buckmann steht dem Zusatz in den Jobinseraten skeptisch gegenüber (siehe Video). Er sei eher verwirrend als nützlich und nicht viel mehr als ein «krampfhaftes Bemühen, es allen recht zu machen». Ausserdem sei es naiv, zu glauben, dass der Geschlechterdiskriminierung einen Riegel vorgeschoben werde, nur weil neu drei Buchstaben nach dem Jobtitel erwähnt werden. «Gleichstellung beginnt zuallererst im Kopf», sagt Buckmann.

Für Daniela Truffer von Zwischengeschlecht.org ist der dritte Buchstabe in Jobinseraten lediglich ein «Nebenschauplatz», wie sie zu 20 Minuten sagt. Das dritte Geschlecht – ob im Pass oder in Stelleninseraten – sei primär eine Transgender-Forderung.

«Wir haben ganz andere Probleme», erklärt Truffer. «Intersex-Kinder werden in der Schweiz nach wie vor genitalverstümmelt – bezahlt von der IV –, und das trotz bereits vier UNO-Rügen.»

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