Marija (17) wird ausgeschafft: «Was soll ich in einem Jugendheim in Serbien?»

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Marija (17) wird ausgeschafft«Was soll ich in einem Jugendheim in Serbien?»

Seit zweieinhalb Jahren wohnt Marija Milunovic in der Schweiz, sie ist bestens integriert. Dennoch soll sie das Land bald verlassen. Kaum jemand hat dafür Verständnis.

von
jeb
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Marija Milunovic lebt seit zwei Jahren in der Schweiz. Sie ist bestens integriert und besucht die Realschule in Sargans. Sie hat eine Lehrstelle im Kantonsspital in Glarus bekommen.

Marija Milunovic lebt seit zwei Jahren in der Schweiz. Sie ist bestens integriert und besucht die Realschule in Sargans. Sie hat eine Lehrstelle im Kantonsspital in Glarus bekommen.

zVg
Marija ist leidenschaftliche Fussballerin ...

Marija ist leidenschaftliche Fussballerin ...

zVg
... und spielt beim FC Balzers in Liechtenstein. (Mittlere Reihe, 3. v. l.)

... und spielt beim FC Balzers in Liechtenstein. (Mittlere Reihe, 3. v. l.)

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«Am Donnerstag musste ich zu einer Besprechung auf das Migrationsamt. Ich wurde gefragt, ob ich die Schweiz freiwillig verlassen wolle», sagt Marija am Freitag zu 20 Minuten. «Ich antwortete, dass ich nicht nach Serbien gehen möchte, da ich dort niemanden habe, zu dem ich gehen kann.»

Da habe man ihr gesagt, dass sie gehen müsse und das Amt einen Platz in Serbien organisieren würde, zum Beispiel in einem Jugendheim. «Doch wieso soll ich in ein Jugendheim in Serbien gehen, wenn ich doch bei meiner Mutter in der Schweiz wohnen kann?»

BG-Entscheid soll umgesetzt werden

Für das Migrationsamt ist der Fall klar: «Es gibt einen Bundesgerichtsentscheid, der besagt, dass die Wegweisung von Marija Milunovic zumutbar und rechtens ist», sagt René Hungerbühler vom St. Galler Migrationsamt. Die Rückkehr von Minderjährigen wie Marija werde jedoch vom Amt erst vollzogen, wenn sichergestellt ist, dass die weggewiesenen Minderjährigen einem Familienmitglied oder einer Institution übergeben werden können. «Wir stellen keine Minderjährigen in Serbien auf die Strasse, der Schutz der minderjährigen Person wird gewährleistet sein. Der Vater, die Mutter oder Verwandte können dabei mithelfen und ihre Verantwortung wahrnehmen.»

Hungerbühler verweist darauf, dass es im Fall Milunovic mehrere Urteile gebe, die alle zum Schluss gekommen sind, dass eine Wegweisung zumutbar ist. Letztinstanzlich hat das Bundesgericht die Wegweisung bestätigt. «Es wird von uns als Amt erwartet, dass wir höchstinstanzliche Urteile vollziehen. Ob sich jemand mittlerweile gut integriert hat oder sich vorbildlich verhält, was grundsätzlich erwartet werden kann, hat damit nichts zu tun.»

Kleiner Hoffnungsschimmer

Marijas Anwalt kann dem nicht viel abgewinnen. «Das Sorgerecht wurde im Januar 2014 von einem serbischen Gericht vom Vater auf die Mutter übertragen», sagt Urs Bertschinger. «Wieso sollte Marija nicht bei ihrer Mutter wohnen, bei der das Sorgerecht liegt?»

Zudem kam Ende August 2016 die Jugendanwaltschaft Uznach zum Schluss, dass sich Marija nicht des rechtswidrigen Aufenthaltes in der Schweiz schuldig gemacht habe. Deshalb habe man beim Migrationsamt ein Wiedererwägungsgesuch eingereicht. Ein letzter Hoffnungsschimmer für Marija. Beim Amt habe man jedoch bereits durchblicken lassen, dass man auch dieses Gesuch abzuschmettern gedenke.

Rückkehr für Marija keine Option

Marija sagte am Freitag zu 20 Minuten, dass sie sich eine Rückkehr nach Serbien nicht vorstellen könne. «Ich kann nicht zu meinem Vater und dessen neuer Familie zurück. Vor meiner Abreise in die Schweiz gab es Konflikte.» Laut Medienberichte wurde sie vom Vater misshandelt.

Marija macht derzeit im Rahmen des zehnten Schuljahres ein Praktikum bei einer Familie, wo sie die Kinder betreut. Die Lehrstelle im Kantonsspital Glarus konnte sie nicht antreten, da bis zum Lehrbeginn der Aufenthaltsstatus nicht geklärt wurde.

Breite Unterstützung

Marija spielt weiterhin Fussball beim FC Balzers im angrenzenden Liechtenstein. Von der Mannschaft wird sie weiterhin unterstützt, ebenso von ihrem Freund. «Das gibt mir Kraft», sagt Marija.

Auch ihr ehemaliger Trainer Armin Kekic hält ihr die Stange: «Ich werde Geld sammeln, um sie zu unterstützen.» Er könne nicht verstehen, dass Marija gehen muss. «Sie lernte in kurzer Zeit Deutsch, wollte eine Lehre im Gesundheitsbereich machen, wo Fachkräftemangel herrscht, und sie hat sich bestens integriert. Wieso kann die Justiz in diesem Fall nicht ein Auge zudrücken?»

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