Michael Lang: «Was soll ich sagen – dass YB schon Meister ist?»
Aktualisiert

Michael Lang«Was soll ich sagen – dass YB schon Meister ist?»

Was haben die Niederlage in Bern und das Aus für Folgen für den Verlauf der Meisterschaft? Das sagen die Protagonisten aus dem rotblauen Lager dazu.

von
E. Tedesco
Bern

Was die Niederlage in Bern und das Aus des FCB für den Verlauf der Meisterschaft bedeuten. (Video: 20 Minuten)

Was haben die Niederlage in Bern und das Aus für Folgen für den Verlauf der Meisterschaft? Wer, wenn nicht der Zweitplatzierte FC Basel, soll YB auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Berner noch stoppen? Dem Cup-Halbfinal wurde wegweisender Charakter für die Meisterschaft zugeschrieben.

Nach der 0:2-Niederlage stellt man fest, dass der FCB derzeit einem eindrücklichen YB wenig entgegenzusetzen hat und kaum Gefahr ausstrahlt. «YB hatte am Schluss mehr Offensivpower; es ist bitter, wie wir die Gegentore kassiert haben. Aber das ist Fussball. YB hat den Sieg verdient», sagt Raphael Wicky.

YB in allen Belangen besser

YB ist Rotblau in allen Belangen überlegen. Sie sind physisch besser, ihr Spiel ist variantenreicher und schneller. YB verfügt über viel Potenzial in der Offensive, in der Defensive stehen sie sehr stabil und machen wenig Fehler. «Wir sind kaum hinter ihre Abwehrkette gekommen – und wenn, waren einfach zu wenig präzise», sagt Wicky. «Ich bin aber nach wie vor der Überzeugung, dass nicht viel fehlt.»

«Wir haben ganz sicher zu viele falsche Entscheidungen getroffen. Wenn man das gesamte Spiel nimmt, dann waren wir viel zu wenig gefährlich», sagt Michael Lang nach dem Cup-Aus. «Wenn ich jetzt darüber nachdenke, hatten wir vielleicht eine Chance.» Das Dilemma vor dem gegnerischen Tor zieht sich im Kalenderjahr wie ein roter Faden weiter. In bisher fünf Pflichtspielen (inklusive Champions League) haben die FCB-Stürmer lediglich zwei Tore (in Thun) erzielt und zum vierten Mal zu null verloren.

«Es gibt nicht viel zu sagen»

Bei FCB-Trainer Raphael Wicky und Valentin Stocker ist die Enttäuschung gross. (Video: 20 Minuten)

Bei FCB-Trainer Raphael Wicky und Valentin Stocker ist die Enttäuschung gross. (Video: 20 Minuten)

Trotz der miserablen Jahresbilanz gibt sich Wicky optimistisch: «Ich bin überzeugt, es fehlt nicht viel.» Aber er gesteht auch ein, dass er sich schon Gedanken macht. «Man überlegt sich, an welchen Schrauben wir jetzt drehen müssen. Wir müssen zu unserem Selbstvertrauen und zu unserer Form zurückfinden.»

«Wir hätten das Spiel gern genutzt, um den Turnaround zu schaffen», sagt auch Lang. Das Meisterduell wird aber je länger je schwieriger, wenn nicht gar unmöglich. Ans Aufgeben denkt man beim FCB aber noch nicht.

YB kann sich nur selber schlagen

«Das Spiel kann einen Einfluss haben. Am Wochenende geht es in der Meisterschaft weiter, und wir müssen unsere Hausaufgaben machen», sagt der FCB-Trainer. «Man hat gesehen, dass jeder jeden schlagen kann in diesem Jahr. Wichtig ist, dass wir am Samstag gegen den FCZ drei Punkte machen und so wieder in die Spur kommen.»

An einen psychologischen Knick will auch Valentin Stocker nicht glauben. «Dass es am Wochenende eine Reaktion geben muss, muss jedem klar sein. In der Meisterschaft müssen wir nur auf uns schauen. YB kann sich schlussendlich nur selber schlagen.» Aber bei acht beziehungsweise elf Punkten Vorsprung (Basel hat ein Spiel weniger) scheint ein enges Duell wenig realistisch. Denn seit der Einführung des aktuellen Modus hat es bisher kein Team nach 23 Runden geschafft, so ein Polster noch zu verspielen.

«Was soll ich sagen? Dass YB schon Meister ist?», fragt Lang verschnupft, als er mit der Statistik konfrontiert wurde. «Wenn es einer schafft, dann wir, denn wir sind Zweiter. Es ist schwierig, das wissen wir, aber nicht unmöglich. Wir glauben daran.»

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