«Was soll ich tun, wenn sie mich nicht mehr so sehr braucht?»

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«Was soll ich tun, wenn sie mich nicht mehr so sehr braucht?»

Wenn Mütter wieder die Schulbank drücken, sind die eigenen Sprösslinge den Kinderschuhen meist schon entwachsen. Da bleibt Zeit, die berufliche Karriere neu zu lancieren.

Andrea T. (47) hat seit Sommer 2006 die Matura in der Tasche. Zuvor hatte die Mutter von zwei schulpflichtigen Söhnen als Betriebsdolmetscherin in Marketing- Firmen gearbeitet. Nun fühlt sie sich fit für neue Herausforderungen. Die eine – an der Universität Geschichte und Germanistik zu studieren – hat sie im Moment verworfen, «weil meine Söhne mich im Moment einfach noch brauchen».

So hat sich Andrea dafür entschieden, an der Klubschule Deutsch für Fremdsprachige zu unterrichten. «Eine gewaltige Herausforderung, weil sowohl das Altersspektrum als auch die fachlichen Kenntnisse unterschiedlicher nicht sein könnten», wie sie Zwischenbilanz zieht. Corinna A. (45) hat den Wiedereinstieg per Anfang dieses Jahres vollzogen. Wichtig war für sie, keine Tagesmutter mehr organisieren zu müssen. Währenddem der Sohn sich über den Mittag auswärts verpflegt, kann die jüngere Tochter im Bedarfsfall bei Freunden essen, damit die Betreuung gewährleistet ist.

Für Corinna geht es nicht nur darum, Geld zu verdienen, sondern auch den Fokus über den Kochherd und die Familie hinaus zu lenken. «Zudem ist es für mich wichtig, wieder unter Leuten zu sein, meine Sozialkompetenz einbringen zu können.» Nicht von der Hand zu weisen ist zudem, dass Frauen im fortgeschrittenen Alter auch für den Arbeitnehmer Vorteile bringen können, weil eine Babypause zum Beispiel kein Thema mehr ist.

Corinna ist aber auch aufgefallen, dass der berufliche Erfahrungshorizont heute wieder mehr denn je zählt. «Natürlich muss ich punkto Sprachen und PC-Kenntnissen à jour sein. Es zählt offenbar aber auch mein Erfahrungsschatz, den ich mir vor der Kinderpause bei renommierten Unternehmen angeeignet hatte.»

Die Tendenz, wonach flexiblere Arbeitszeitmodelle gefragt sind, will sich auch Madeleine K. (42) zu Nutze machen. Da ihr angestammter Job der Handarbeitslehrerin von den Stundenplänen der Schulen verbannt worden ist, musste sie sich notgedrungen nach einer Alternative umsehen. Nun ist sie ausgebildete Sozialarbeiterin FH, was ihr grossen Spass bereitet und ihr eine Perspektive bietet. «Meine Tochter ist nun 13. Was soll ich tun, wenn sie mich einmal nicht mehr so sehr braucht?»

Gabriel Aeschbacher

Weiterbildung von zu Hause aus

Fernstudien sind en vogue. Weiterbildung per E-Learning ist heute gefragter denn je. Obschon man vielleicht die Geselligkeit des Klassenverbandes vermisst, kann die Weiterbildung zu Hause am PC mit der höchstmöglichen Flexibilität angegangen werden: Maria B. hat Erfahrungen bezüglich Fernstudium gemacht – und kann es nur weiterempfehlen, «auch wenn die Selbstdisziplin gross geschrieben ist». Denn obschon die Lernmaterialien klar strukturiert sind, die Aufgaben auch korrigiert werden, ist die Versuchung gross, sich ablenken zu lassen. Maria sagt, sie würde zwei Halbtage für das Lernen planen. Dass die Abbruchquote bei Fernstudien relativ tief liegt, mag auch daran liegen, dass sich fast nur Leute um eine Weiterbildung bemühen, welche diese auch wirklich zu Ende bringen wollen.

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