Künstliche Intelligenz: Was taugen die KI-Kindergeschichten?

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Künstliche IntelligenzWas taugen KI-Kindergeschichten aus Bern? Das sagt die Kinderbuchautorin

Ein Berner Start-up verkauft Kindergeschichten, die von einer künstlichen Intelligenz geschrieben und bebildert werden. Zwei Expertinnen geben ihr Urteil ab. 

von
Mara Wehofsky

Darum gehts

  • Eine Illustratorin und eine Literaturwissenschaftlerin schätzen die KI-generierte Geschichte des Berner Start-ups Tales Time ein.

  • Die Illustratorin findet die Pinguin-Geschichte nicht sehr originell und glaubt, dass man den Menschen in der Kunst erkennt und braucht.

  • Die Literaturwissenschaftlerin findet die Geschichte nicht schlecht und sieht der Entwicklung gespannt entgegen.

  • Für beide könnten KIs unterstützend im kreativen Prozess wirken. 

Ein Berner Start-up veröffentlicht Kindergeschichten, welche von einer künstlichen Intelligenz geschrieben wurden. Doch was taugen sie? Für 20 Minuten geben zwei Expertinnen ihre Beurteilung ab und erklären, wie KIs den kreativen Prozess verändern könnten.

«Das hat ungefähr dem entsprochen, was ich erwartet habe. Ich finde die Geschichte wahnsinnig flach und nicht sehr originell», sagt die Berner Kinderbuch-Illustratorin Sabine Rufener, nachdem sie sich die KI-generierte Geschichte des Pinguins Pingo angesehen hat. «Vor allem die Bilder wirken auf mich wahnsinnig stereotyp und blutleer.»

Man sehe einer Illustration an, wenn sie ein Mensch mit individuellen Erfahrungen erschaffen habe: «Das hat so etwas Beseeltes.» Während der Illustration eines Kinderbuches lerne man die Charaktere kennen und entwickle Empathie für sie, die sich dann in den Illustrationen widerspiegle: «Wenn ich eine Figur entwickle, weiss ich viel über die Figur, das nicht im Buch steht. Ich arbeite das aber in die Illustration mit ein», sagt Rufener. «Ich glaube nicht, dass man das künstlich hinkriegt.»

Urheberrechte und Konkurrenzen auf dem Markt

Rufener sieht aber auch Probleme mit der KI: Erstens sei es schwierig, auf das Urheberrecht von Millionen Referenzen im Internet zu achten. Zweitens könnten von KI generierte Kindergeschichten eine Konkurrenz für herkömmliche Verlage werden: «Eine Illustration durch die KI kostet nur ein Bruchteil der Arbeitskraft einer Firma oder Person.» Sie könne sich vorstellen, dass der Kinderbuch-Markt noch weiter unter Druck gerate. 

Man könne KI jedoch auch als Hilfsmittel in den kreativen Prozess einbauen: «Die KI könnte eine Art Brainstorming-Hilfe werden. Ich schaue mir im Findungsprozess auch viele Bücher in der Bibliothek an.» Angst um ihren Beruf habe sie jedoch nicht. Uninspirierte Geschichten und Illustrationen, die von Menschen gemacht werden, gebe es ja bereits. «Ein Gespür für gute Geschichten wird es weiterhin geben und die Expertise wird weiterhin gebraucht werden.»

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Das Berner Startup Tales Time lässt eine künstliche Intelligenz Kindergeschichten schreiben und illustrieren. 

Das Berner Startup Tales Time lässt eine künstliche Intelligenz Kindergeschichten schreiben und illustrieren. 

TalesTime
Sabine Rufener, gebürtige Bernerin und Kinderbuch-Illustratorin, hat keine Angst vor der Entwicklung, steht der KI aber skeptisch gegenüber. 

Sabine Rufener, gebürtige Bernerin und Kinderbuch-Illustratorin, hat keine Angst vor der Entwicklung, steht der KI aber skeptisch gegenüber. 

Schirin Moaiyeri
Christine Lötscher ist Professorin für Literatur und Medien an der Universität Zürich und beschäftigt sich mit Kinder- und Jugendmedien. Sie sieht der Entwicklung gespannt entgegen.

Christine Lötscher ist Professorin für Literatur und Medien an der Universität Zürich und beschäftigt sich mit Kinder- und Jugendmedien. Sie sieht der Entwicklung gespannt entgegen.

Christine Lötscher

KI reproduziert Muster

Christine Lötscher ist Professorin für Literatur und Medien an der Universität Zürich und beschäftigt sich mit Kinder- und Jugendmedien. In ihren Seminaren hat sie bereits ChatGTP mit ihren Studierenden zusammen genutzt. Die KI-generierte Geschichte von Pingo sei «nicht anders als eine Geschichte, die man sich auch selbst ausdenken könnte.» Sie steht der neuen Technologie weniger skeptisch gegenüber: «Ich bin gespannt, was da noch alles kommt.»

Bei Kinderliteratur gebe es oft ein Problem, das gelöst werden müsse. Dann werde es gelöst, und zu guter Letzt gebe es ein Happy End. «Die KI reproduziert, basierend auf dem Datensatz, hervorragend Muster, wie wir es selbst beim Schreiben tun.» Für Lötscher macht die Kombination aus Wiederholungen und Variationen eine gute Kindergeschichte aus: «Wenn sich innerhalb der Muster ein kleiner Dreh findet, erzeugt das die Spannung. Das ist auch für die Eltern interessant.» Lötscher vermutet, dass auch die KI das eines Tages hinbekommen könnte. 

Seit Jahrhunderten dieselben Narrative

«Schon als die ersten Bücher gedruckt wurden, wurde gesagt: Das verblödet die Kinder!», sagt Lötscher. Sie vermutet, dass auch die neuesten Entwicklungen sich in den kreativen Prozess eingliedern werden: «Diese Technologien werden Stück für Stück Teil unseres Alltags und können beim kreativen Prozess unterstützend wirken.»

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