Rätselhafter Giftmord: Was tötete Kim Jong-nam in so kurzer Zeit?

Aktualisiert

Rätselhafter GiftmordWas tötete Kim Jong-nam in so kurzer Zeit?

Kim Jong-nam hatte Glück im Unglück: Sein Todeskampf dauerte nur kurz. Andere Giftopfer litten länger.

von
Fee Riebeling
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Kim Jong-nam, der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers, ist tot.

Kim Jong-nam, der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers, ist tot.

AFP/Jung Yeon-je
Er ist auf dem Flughafen von Kuala Lumpur offenbar einem Giftmord zum Opfer gefallen. Die Aufnahmen der lokalen Überwachungskameras ...

Er ist auf dem Flughafen von Kuala Lumpur offenbar einem Giftmord zum Opfer gefallen. Die Aufnahmen der lokalen Überwachungskameras ...

Screenshot Tamedia/Reuters
... zeigen zwei Frauen, die sich Kim aus verschiedenen Richtungen nähern. Eine von ihnen scheint ihn dabei von hinten zu umgreifen und für einige Sekunden etwas über seinen Mund zu halten. Laut einer Autopsie könnten sie ihm das Nervengas VX verabreicht haben.

... zeigen zwei Frauen, die sich Kim aus verschiedenen Richtungen nähern. Eine von ihnen scheint ihn dabei von hinten zu umgreifen und für einige Sekunden etwas über seinen Mund zu halten. Laut einer Autopsie könnten sie ihm das Nervengas VX verabreicht haben.

epa/Jeon Heon-kyun

Auch eine Woche nach dem mutmasslichen Giftmord an Kim Jong-nam sind viele Fragen offen: Nicht nur ist völlig unklar, wer hinter der Attacke steckt, sondern auch, welche Substanz den Halbbruder von Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un tötete.

Noch nicht einmal Toxikologen wagen eine Diagnose: «Aufgrund der bis jetzt vorliegenden Hinweise sind Annahmen bezüglich dem möglicherweise verwendeten Gift äusserst spekulativ», schreibt Christine Rauber-Lüthy, stellvertretende Direktorin und leitende Ärztin bei Tox Info Suisse auf Anfrage von 20 Minuten. Grund für die Zurückhaltung seien die mageren bekannten Informationen.

Starkes Nervengift unter Verdacht

«Bei einem Gift, das innerhalb kürzester Zeit zum Tod führt, gesprüht wird und keine Symptome bei den anderen Personen verursacht, müsste es sich um ein hochtoxisches Aerosol handeln, das rasch über Haut und Atemwege aufgenommen wird», vermutet die Expertin. «Beispielsweise ein starkes Nervengift, eventuell vom Typ Cholinesterasehemmer.» Als Cholinesterasehemmer wirken zum Beispiel Kampfstoffe wie Sarin oder VX. Sie führen zu Krämpfen unter anderem des Magen-Darm-Traktes und anschliessend zum Tod durch Atemstillstand.

Allerdings gibt Rauber-Lüthy zu bedenken: «Auch dann würde es erstaunen, dass keine Menschen in der Umgebung oder die Rettungskräfte betroffen sind.»

Viele Verdächtige

Auch der deutsche Kriminalbiologe Mark Benecke will sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äussern. Er verweist lediglich darauf, dass es unzählige Gifte geben würde, derer sich die Täter bedient haben könnten.

Gängige Substanzen, die in der Vergangenheit häufiger bei Giftmorden verwendet wurden (siehe Bildstrecke), schliesst er weitgehend aus: So hätte radioaktives Polonium auch die Verantwortlichen selbst gesundheitlich in Mitleidenschaft ziehen müssen. Blausäure hingegen passe nicht zu den Schmerzen, von denen Kim Jong-nam kurz nach dem Angriff berichtet habe.

Video soll Mord an Kims Halbbruder zeigen

Der japanische Sender Fuji TV hat ein Überwachungsvideo veröffentlicht, das zeigen soll, wie der Bruder von Nordkoreas Diktator ermordet wurde. (Video: Tamedia/Reuters)

Dieses Video soll den Angriff auf Kim Jong-nam zeigen. (Video: Tamedia/Reuters)

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Steht in Malysia vor Gericht: Siti A. wird schwerbewacht. (Archivbild)

Steht in Malysia vor Gericht: Siti A. wird schwerbewacht. (Archivbild)

AFP/Mohd Rasfan
Auch sie wird verdächtigt, am mutmasslichen Mord an Kim Jong-nam beteiligt gewesen zu sein: Thi Huong D. Fahndungsbild der malaysischen Polizei. (19.Februar 2017).

Auch sie wird verdächtigt, am mutmasslichen Mord an Kim Jong-nam beteiligt gewesen zu sein: Thi Huong D. Fahndungsbild der malaysischen Polizei. (19.Februar 2017).

AFP
Steht unter Tatverdacht: Die 25-jährige Indonesierin Siti A. (19.Februar 2017).

Steht unter Tatverdacht: Die 25-jährige Indonesierin Siti A. (19.Februar 2017).

AFP/Royal Malaysian Police

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