15.10.2019 10:15

«Abfallspenden» beim Roten Kreuz

«Was überlegen sich diese Menschen eigentlich?»

Beim Roten Kreuz häufen sich in letzter Zeit Fälle, bei denen Unbekannte ihren Abfall in Spendencontainern entsorgen. 20-Minuten-Leser sind entsetzt.

von
las
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Immer öfter laden Personen ihren Müll beim Roten Kreuz als «Spenden» ab. Das sagen Leser zu den Müllgrüseln.

Immer öfter laden Personen ihren Müll beim Roten Kreuz als «Spenden» ab. Das sagen Leser zu den Müllgrüseln.

Rotes Kreuz Basel
kein Anbieter

Am Montag informierte das Rote Kreuz Basel, dass dieses Jahr eine noch nie dagewesene Menge Müll bei der Organisation entsorgt wurde. Und das verpackt in Spendensäcken oder vor dem Hauptquartier. Neben Hausrat seien auch mit Exkrementen beschmierte Textilien «gespendet» worden.

Die meisten Leser sind entsetzt über das Verhalten der Abfallsünder. Andere fordern, dass dem Unfug mit Videoüberwachung Einhalt geboten werden soll.

Angschriebene Couverts im «gespendeten» Müll

Manche Abfallsünder werden sogar erwischt. «Wir haben schon adressierte Couverts gefunden», sagt Mathias Kippe, Sprecher des Roten Kreuzes Basel. Diesen Leuten werde dann eine Rechnung für die Entsorgung gestellt. Rund die Hälfte von ihnen würde auch bezahlen. «Manchen leuchtet es ein, dass sie etwas Falsches getan haben und sie bezahlen anstandslos», so Kippe.

Zum Vorschlag der Videoüberwachung gibt es laut dem Sprecher zwei Überlegungen, die dagegen sprächen: Erstens, ein Bild der Täter zu haben, identifiziere die Person nicht. «Sie tragen ihre Adressen ja nicht auf der Stirn», sagt er. Zweitens sei es nicht im Sinne eines humanitären Hilfswerks, zur Überwachung des öffentlichen Raums beizutragen.

Auch Caritas betroffen

Müllspenden sind auch bei Caritas ein Thema: «Zum Glück noch in einer machbaren Grössenordnung», wie Domenico Sposato, Sprecher von Caritas beider Basel, sagt.

Sposato stellt fest, dass auch bei den tatsächlich als Spenden gedachten Gegenständen die Sorgfalt abnehme. Darum fordert er die Spender auf, sich in die Lage von Kunden eines Second-hand-Ladens zu versetzen: «Wir bitten die Spender, die Kleider sorgfältig auszuwählen und vor der Abgabe zu waschen.»

An den Gebühren lässt sich nicht rütteln

Einige Leser kritisieren das Gebührensystem. Dieses sei zwar verursachergerecht, fördere aber die illegale Entsorgung. Laut dem Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt lasse sich dies aber gemäss Bundesrecht nicht ändern: «Wir müssen also Sackgebühren erheben und dürfen die Abfallentsorgung nicht mit Steuergeldern finanzieren», heisst es auf Anfrage von 20 Minuten.

Zwar gebe es schwarze Schafe, die ihren Müll illegal entsorgten, dies aber im einstelligen Prozentbereich. «Die Mehrheit der Bevölkerung entsorgt ihren Abfall richtig», betont die Behörde. Zudem sei die Busse von 100 Franken für unsachgemässe Entsorgung ein Vielfaches der Sackgebühr von 2.30 Franken für 35 Liter.

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