Tier-Phantom: Was vom Panther übrig blieb
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Tier-PhantomWas vom Panther übrig blieb

Polizisten suchten in Maisfeldern, Zeugen meldeten sich sogar aus dem Wallis: Trotzdem bleibt der Panther, der vor Wochen die Schweiz auf Trab hielt, ein Phantom. Nur einer glaubt weiterhin an ihn.

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Er streunte angeblich durch die Wälder, ganz sicher aber durch den Blätterwald: Ein Panther - oder besser: die Meldung eines Panthers - mischte Anfang Mai die Schweiz auf. Doch der Eindringling blieb bisher eine Schimäre.

Zwar betrieben Panther-Jäger in den vergangenen sechs Wochen einen gewaltigen Aufwand, um einen schlagenden Beweis für die Existenz des schwarzen Phantoms zu finden. «Wir umstellten und durchkämmten nach ‹heissen› Meldungen nicht nur einmal ganze Maisfelder», sagt der Berner Jagdinspektor Peter Juesy. Doch statt eines Panthers scheuchten die Tier-Fahnder nur schwarze Katzen oder Labrador-Hunde aus den Äckern.

«Das Tier hat halt einen grossen Aktionsradius»

Von der schwarzen Wildkatze mit dem langen Schwanz fehlt weiterhin jede Spur. «Ich glaube mittlerweile nicht mehr, dass wirklich ein Panther in unseren Wäldern herumgestreift ist», sagt der solothurnische Jagdinspektor Marcel Tschan, der in den ersten Tagen nach der Sichtung der Wildkatze die Suche nach dem Raubtier koordiniert hatte - und damals keinen Zweifel daran liess, dass es den Panther wirklich gibt.

Heute ist einzig Revierförster Robert Käser, der mit seinem Panther-Meldung den ganzen Trubel ausgelöst hatte und seither keine Interviewanfrage auslässt, immer noch von der Existenz der Wildkatze überzeugt: «Für mich ist klar, dass ich damals im Wald einen Panther gesehen habe. Das Tier hat halt einen grossen Aktionsradius. Darum finden wir es nicht.»

Lebhafte Phantasien

Nicht wenige Leute haben Käser nach seinen zahlreichen Medienauftritten belächelt: «Das ist bloss ein Schwätzer», sagten bereits nach den ersten Berichten die Leute am Stammtisch in einer Beiz in Kestenholz SO. Sein Vorgesetzter nimmt den Förster in Schutz: Käser sei schon auf Grosswildjagd gewesen und könne sehr wohl einen Hund von einem Panther unterscheiden. «Ich würde niemals so eine Zeitungsente in die Welt setzen», beteuert Käser selbst.

Klar ist: Die schwarze Raubkatze hat die Phantasie der Leute beflügelt: Jagdinspektor Juesy erhielt gar Panther-Meldungen aus dem Wallis und zahlreiche Fotos von Tieren – die sich beim genaueren Hinschauen aber allesamt als Hunde herausgestellten. Er bilanziert: «Ohne Foto- oder Haarbeweis bleibt der Panther für immer ein Phantom.»

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