04.06.2015 03:56

Silvan Amberg

Was vom Staat kommt, ist ihm häufig ein Graus

Freiheit, Eigentum, Selbstverantwortung – das steht für den Jungpolitiker Silvan Amberg über allem. Der Spitzenkandidat der neuen Partei Up! sagt, womit er im Nationalrat punkten würde.

von
rom
1 / 3
Der 32-jährige Silvan Amberg am Flughafen Zürich - für ihn ein dynamischer Ort, der zu seiner Partei passe. Er ist Spitzenkandidat auf der Zürcher Nationalratsliste von Up!

Der 32-jährige Silvan Amberg am Flughafen Zürich - für ihn ein dynamischer Ort, der zu seiner Partei passe. Er ist Spitzenkandidat auf der Zürcher Nationalratsliste von Up!

rom
Die Unabhängigkeitspartei Up! wurde vor einem Jahr gegründet.

Die Unabhängigkeitspartei Up! wurde vor einem Jahr gegründet.

Up!
Der nationale Parteivorstand (von links): Co-Präsident Simon Scherrer, Co-Präsident Silvan Amberg und die Co-Präsidentin Brenda Mäder.

Der nationale Parteivorstand (von links): Co-Präsident Simon Scherrer, Co-Präsident Silvan Amberg und die Co-Präsidentin Brenda Mäder.

Up!

Als Treffpunkt und Fotosujet für das Interview hat Silvan Amberg den Flughafen Zürich vorgeschlagen. «Er symbolisiert internationale Offenheit und ist zugleich ein dynamischer Ort», sagt der 32-jährige Zürcher. Unterschiedlichste Kulturen und Lebensentwürfe begegneten sich hier friedlich und auf engstem Raum. «Alles Dinge, die auch auf unsere Partei zutreffen.» Amberg ist Mitgründer der Unabhängigkeitspartei Up! und Spitzenkandidat auf deren Nationalratsliste im Kanton Zürich.

Herr Amberg, Sie wollen für eine neue Kleinstpartei nach Bern, die Wahlchancen sind gering – was treibt Sie an?

Es geht mir nicht so sehr darum, einen Sitz zu ergattern, sondern darum, einen Dialog anzustossen. Wir von Up! sehen uns als Avantgarde, eine Art Marketingorganisation für liberale Ideen.

Früher waren Sie bei den Freisinnigen, wurden Sie denen zu extrem mit Ihren Ansichten?

Extrem klingt mir zu negativ. Up! steht einfach für eine konsequente Auslegung von Liberalismus. Das heisst, wir wollen die Politik so weit zurückdrängen, dass jeder sein Leben so leben kann, wie er möchte. Freiheit, Eigentum und Selbstbestimmung sind das A und O. Die FDP macht dies zu wenig konsequent.

Es gibt allerdings Menschen, die können schlecht mit Eigenverantwortung umgehen – Stichwort Drogen.

Das stimmt. Doch die Frage ist, ob die Leitplanken vom Staat kommen müssen. Gerade das Beispiel Drogen zeigt doch, dass das heutige politische System keine wirklichen Lösungen bietet. Die Folgeschäden der Drogenpolitik sind bekannt – erfolgloser Kampf gegen Drogen, Kriminalität, verunreinigter Stoff.

Also ist alles, was vom Staat kommt, für Sie ein Graus?

Häufig ja, weil zentralistisch und obligatorisch. Wir aber sind für Wettbewerb. In Bern würde ich mich deshalb dafür starkmachen, dass etwa der Taxidienst Uber nicht verboten wird oder dass Fernbusse die SBB konkurrenzieren dürfen.

Aufgewachsen ist Amberg in Illnau-Effretikon, bereits während des Gymis beginnt er sich für Politik zu interessieren. Zu einer Partei kommt er an der Jungbürgerfeier – und zwar durch den abgewählten Justizdirektor Martin Graf, damals noch Stadtpräsident von Illnau-Effretikon und ein Grüner. «Allerdings trat ich nicht den Grünen bei, sondern den Jungfreisinnigen.» Bei der FDP präsidiert er später die Homosexuellen-Organisation. Parallel dazu studiert er an der HSG Volkswirtschaft und Politik. Und im Militär erreicht der als Büroordonanz ausgehobene Amberg den Grad eines Hauptmanns in einer Panzerbrigade.

Sie arbeiten als Steuerexperte bei einer grossen Revisionsgesellschaft – dabei sorgen Sie getreu Ihrem Motto «Weniger Staat» dafür, dass Ihre Kunden möglichst wenig Steuern zahlen.

Genau. Wobei es nicht darum geht, möglichst null Steuern zu bezahlen, das wollen die Kunden gar nicht. Sondern dass man nicht mehr zahlt, als man muss.

Wäre Ihr jetziger Job überhaupt mit dem Nationalratsmandat kompatibel?

Vom zeitlichen Aufwand her nicht. Das müsste ich mir einrichten.

Sie sind ein Karrieremensch, wirken sehr zielorientiert – hauen Sie auch mal über die Stränge?

Selten. Ich bin schon eher der Kontrollierte.

Trotzdem geben Sie auf Twitter, Facebook oder auch in Ihrem Blog viel Privates von sich preis.

Primär möchte ich meine Erlebnisse mit anderen teilen. Die Leute interessiert es – das schliesse ich aus den positiven Reaktionen. Es ist aber alles kontrolliert verfasst.

Auf sozialen Medien kommentieren Sie politische Vorgänge, man liest aber auch Tweets wie «Mit 40 und nach 20 Jahren Crack sollte man keine bauchfreien Tanktops mehr tragen, liebe Nachbarin» – wo ziehen Sie die Grenze?

Auf Social Media darf man schon etwas provokativer schreiben. Die Grenze ist für mich dort, wo eine Person namentlich beleidigt wird.

In zehn Jahren sieht sich Amberg immer noch in der Schweiz wohnhaft und beruflich in einer oberen Kaderposition. Er hofft zudem, dass es die Partei Up! dann noch geben wird, und zwar nach wie vor mit der konsequent liberalen Linie. «Leider gibt es ja genug Beispiele von Parteien, deren Ausrichtung sich verwässert hat», sagt er. Und schliesslich will er bis dahin noch viele Reisen unternehmen. Denn das ist auch ein Grund für den Treffpunkt Flughafen. Rund 20-mal pro Jahr fliegt Amberg ab Zürich in die Welt hinaus. Er betont: «Nach Möglichkeit buche ich mit CO2-Kompensation.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.