Real vs. Barça: Was von den Clásicos übrig bleibt

Aktualisiert

Real vs. BarçaWas von den Clásicos übrig bleibt

Viel ist passiert in den vier Duellen zwischen Madrid und Barcelona. Meist verkam der Fussball zur Nebensache – trotzdem oder gerade deswegen haben wir viel über ihn gelernt.

von
Philipp Reich

Viermal haben Real Madrid und der FC Barcelona in den vergangenen 17 Tagen gegeneinander gespielt, zweimal in der Champions League, einmal in der Primera División und einmal im Final der Copa del Rey. Sticheleien, Provokationen, Ausreden, Verschwörungstheorien, harte Fouls, Schwalben, Traumtore, eine zerstörte Trophäe: Die Clásico-Wochen sorgten für viel Diskussionsstoff. Vier Erkenntnisse:

1) Barça ist besser als Real

Das Duell der beiden Erzrivalen endete zwar zweimal Unentschieden und mit je einem Sieg - wer die nackten Zahlen als Referenz nimmt, könnte glauben, die beiden besten spanischen Fussballklubs seien sich auf Augenhöhe begegnet. Beim genaueren Hinsehen werden die wahren Machtverhältnisse jedoch klar: Barça ist die Nummer 1, dann kommt lange nichts und erst dann kommt Real.

Die Königlichen hatten dem blitzschnellen Kombinationsspiel der Katalanen fussballerisch nichts entgegenzusetzen. Über alle vier Partien hatte Barça über 70 Prozent Ballbesitz und ein Mehrfaches an guten Tormöglichkeiten herausgespielt. Wenn Barça den Turbo zündete, konnte Real nur mit Härte reagieren, um die Angriffsmaschinerie zu stoppen. Das überharte Einsteigen der Königlichen war sozusagen das Eingeständnis der eigenen Unterlegenheit.

2) Messi ist der Beste, aber nicht alles

Lionel Messi war zwar die überragende Figur der vier Clásicos. Drei der vier Barça-Tore gingen auf sein Konto – das Traumsolo im dritten Aufeinandertreffen war schlicht und einfach Weltklasse. Immer wenn «La Pulga» (der Floh) an den Ball kam, hielten die Zuschauer im Stadion und an den TV-Geräten den Atem an – gespannt, was als nächstes passieren wird. Mit seinem unglaublichen Antritt und der engen Ballführung ist er unberechenbar und für jeden Verteidiger ein Albtraum.

Messis Solo zum 2:0 gegen Real

Doch Barça auf Messi zu reduzieren, wäre nicht ganz fair. Villa und Pedro öffnen für den Argentinier die Räume, Xavi und Iniesta spielen die Traumpässe in die Tiefe, Dani Alves, Mascherano und Busquets halten den Stars den Rücken frei und Piqué und Puyol räumen vor dem Tor nicht nur alles weg, sondern stehen auch am Beginn der Angriffsauslösung. Barça ist hervorragend organisiert, das Spiel hat Struktur und es steckt eine Idee dahinter. Messi ist dabei das Aushängeschild, wie der Leadsänger einer Rockband.

Ronaldos Siegtreffer in der Copa del Rey

3) Mourinho und Real sind schlechte Verlierer

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: José Mourinhos Auftritte nach den vier Clásicos hätten unterschiedlicher nicht sein können. Auf die Kritik an seiner Defensivtaktik nach dem 1:1 in der Meisterschaft reagierte «The Special One» gewohnt beleidigt und wortkarg. Ganz anders sein Auftritt nach dem Triumph in der Copa del Rey. Stolz erzählte der Portugiese, wie er den FC Barcelona mit einer neuen Taktik austrickste.

Eine Woche später hatte der Wind wieder gedreht. Barça hatte das CL-Hinspiel im Bernabéu mit 2:0 gewonnen, und Mourinho suchte die Schuld bei allen anderen (Schiedsrichter, Uefa, Welt, Gott), nur nicht bei sich selbst. Real folgte den abstrusen Verschwörungstheorien seines Trainers und begann auf der Vereinsseite Videos von strittigen Entscheidungen zu veröffentlichen und zu kommentieren. Die Schmach, sich das Real-Out in Barcelona von der Tribüne mit anzusehen, ersparte sich der gesperrte Mourinho und verfolgte den letzten Clásico im Hotelzimmer vor dem TV. Auch das passte zum schlechten Verlierer Mourinho.

4) Perfektion ist langweilig

Fussballerisch erfüllten die vier Clásicos die Erwartungen nur in Ausnahmefällen. Die Defensivtaktik von Real hatte sicherlich ihren Teil dazu beigetragen, doch auch Barça ist verantwortlich für die Langeweile, die der Fussballfan teilweise verspürte. Das minutenlange Ballgeschiebe, die unendlichen Passkombinationen sind zwar schön anzuschauen, aber reissen nicht vom Hocker. Das Barça-Spiel grenzte an Perfektion, war aber eben phasenweise auch richtig langweilig.

Durch Reals grobe Spielweise kamen Emotionen in die Partien. Der Dramaturgie tat das gut. Die Holzfäller aus Madrid bekämpften die Schwalbenkönige aus Barcelona, könnte man etwas überspitzt sagen. Real versuchte alles, um die Katalanen aus ihrem Rhythmus zu bringen. Einmal wurde Barça für seine Überheblichkeit bestraft, doch am Ende siegte doch der Fussball, die Perfektion Barcelonas.

Deine Meinung