NHL-Dollarmillionäre: Was von Streit & Co. erwartet wird
Aktualisiert

NHL-DollarmillionäreWas von Streit & Co. erwartet wird

Kein Schweizer Eishockeyspieler steht in Nordamerika so unter Druck wie die drei Stars Mark Streit, Jonas Hiller und Luca Sbisa. Von den gutbezahlten Legionären werden Wunder erwartet.

von
Jürg Federer
USA

Zehn Millionen US-Dollar an NHL-Salären fliessen im Verlauf der anstehenden 82 Qualifikationspartien auf die Konten von Mark Streit, Jonas Hiller und Luca Sbisa. Leistung wird im Berufsleben gegen Bezahlung erwartet, das ist so im Detailhandel, in einer Grossbank und eben auch in der NHL. Doch weil die NHL-Saläre transparent sind, ist öffentlich bekannt, dass die New York Islanders und die Anaheim Ducks von den drei Schweizer Stars Wunder erwarten.

Mark Streit: Mission Impossible

Die New York Islanders mussten in der Saison ohne Mark Streit vor durchschittlich 11 059 Fans spielen. Teambesitzer Charles Wang macht das baufällige Stadion für den mikrigen Zuschaueraufmarsch verantwortlich, doch die Fans verneinen. Sie erwarten vom Teambesitzer mehr Investitionen in ein starkes Team. Eine Zukunft vor vollen Rängen haben die Islanders nur, wenn sie ins Playoffgeschäft zurückkehren.

Mark Streit wird auf diesem Weg als Teamcaptain ein grosses Stück der Verantwortung übertragen. Er ist am Samstag nach 18 Monaten ohne Ernstkampf ins NHL-Geschäft zurückgekehrt. «Noch bin ich nicht auf meinem Niveau angelangt», sagt Streit nach der ersten Niederlage der Saison 2011/12. «Ich habe eine gute Saisonvorbereitung gespielt doch im Vergleich dazu war das erste Meisterschaftsspiel wie Tag und Nacht, auf dem Eis ging alles sehr schnell.»

Um sich für die Playoffs zu qualifizieren müssen die «Isles» erfolgreicher spielen als sieben Mannschaften im Osten. Sportlich ist das für die Mannschaft mit dem kleinsten Lohnbudget im Osten eine «Mission Impossible». Doch genau darin liegt die Herausforderung für Mark Streit. Er hat schon als Captain der ZSC Lions aber auch der Nationalmannschaft Krisen wie zum Beispiel den sportlichen und mentalen Absturz der Schweizer am Olympiaturnier in Salt Lake City erlebt und überlebt.

Sbisa und Hiller: Das Vertrauen herstellen

Luca Sbisa hat sich mit aufopfernden Faustkämpfen und krachenden Checks in seinen ersten drei NHL-Jahren einen Namen gemacht. Ein Vierjahresvertrag, der Sbisa heuer 1,2 Millionen Dollar einbringt, bringt ganz neue Erwartungen mit sich. Sbisas Vertragssumme steigt bis 2015 konstant, bereits ab nächster Saison wird der Nationalverteidiger regelmässig über 2 Millionen Dollar verdienen. Defensivarbeit ist ab sofort nur noch ein Teil der Erwartungen, die an Sbisa gestellt werden. Er muss offensiv in grössere Schlittschuhe hineinwachsen und eine tragende Figur der Ducks auf dem Weg vom Playoffteam zum Stanley Cup-Anwärter werden.

«Wir haben letzte Saison gezeigt, dass wir mit jeder Mannschaft mithalten können», begründet Goalie Jonas Hiller die hohen sportlichen Erwartungen. «Wir haben das Talent, den Biss – ja eigentlich alles, um Erfolg zu haben.» Um den hohen Anforderungen gerecht zu werden, kennt Hiller das Rezept. «Wir haben in der Vergangenheit zu oft bis im Dezember gebraucht, um zu einem Team zu finden. Nun sind wir als Team einige Jahre zusammen und wir können von Beginn weg da weitermachen, wo wir aufgehört haben.»

Was den Ducks aber zuletzt gefehlt hat, um in den Playoffs erfolgreich zu sein, ist ein gesunder Goalie. «Hillers Verletzung hat unserem Team geschadet», bestätigt Teamkollege Teemu Selanne. «Ist der Goalie durchschnittlich, ist die ganze Mannschaft durchschnittlich.» Mit 1,5 Gegentoren und einer Fangquote von 94 Prozent hat sich Hiller in der Saisonvorbereitung das Vertrauen seiner Mannschaft und der Trainer zurückerkämpft. Nun gilt es, das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder herzustellen. «Ich fühle mich gut aber erst wenn mir keine Fragen nach meinem Gesundheitszustand mehr gestellt werden, weiss ich, dass ich mit meiner Spielweise nicht mehr an die Tage erinnere, als ich wegen meinen Schwindelanfällen nicht gut spielen konnte», ist Hiller selbstkritisch.

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