Ein Jahr Corona: «Was vor einem Jahr normal war, ist jetzt verboten»
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Ein Jahr Corona«Was vor einem Jahr normal war, ist jetzt verboten»

Vor einem Jahr wurde der erste Corona-Fall der Schweiz bestätigt. Das waren die sechs schönsten und schlimmsten Momente unserer User im Pandemie-Jahr.

von
Anja Zingg
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Tiziana (18) ist leidenschaftliche Fussballspielerin. 

Tiziana (18) ist leidenschaftliche Fussballspielerin.

20min
«Ich vermisse das Training und die Matches unglaublich.»

«Ich vermisse das Training und die Matches unglaublich.»

zvg
Tim (22) war gerne mit Freunden unterwegs und mochte Partys.

Tim (22) war gerne mit Freunden unterwegs und mochte Partys.

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Darum gehts

  • Am Donnerstag vor einem Jahr wurde der erste Coronafall in der Schweiz bestätigt.

  • Seither hat sich viel verändert.

  • 20-Minuten-Leserinnen und Leser erzählen von ihren schönsten und schlimmsten Momenten im vergangen Jahr.

  • In der Bildstrecke zeigen sie Bilder von «vor Corona» und erzählen, was ihnen fehlt.

Am 25.02.2020 wurde im Tessin der aller erste Covid-19-Fall der Schweiz offiziell bestätigt. Was danach folgte, wissen wir alle: ein nie da gewesener Shutdown, Öffnungen, zweite Welle und noch ein Shutdown. Wir wollten von euch wissen, was eure schönsten und schlimmsten Momente in den letzten 365 Tagen waren. Ausserdem siehst du in der Bildstrecke, was für sie früher alltäglich war, heute aber nicht mehr möglich ist.

«Die Polizei belangte uns für etwas, das vor einem Jahr noch legal war»

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Anjulies (16) schlimmster Moment:

«Eines Abends waren wir mit Freunden unterwegs. Wir waren 10 Personen, aber in zwei Autos unterwegs und haben Abstand gehalten. Also eigentlich waren wir zwei Fünfergruppe, was ja gestatten ist. Aber die Polizei hielt uns trotzdem an und nahm unsere Personalien auf. Das war ein sehr negatives Erlebnis. Wir wurden für etwas gemahnt, was vor einem Jahr noch völlig normal war, nämlich mit Freunden unterwegs zu sein.»

Anjulies schönster Moment:

«Es ist vielleicht nur etwas Kleines, aber ich konnte vergangenen Herbst noch in Griechenland in die Ferien reisen. In einem Jahr wie 2020 bedeutete mir das sehr viel. Ich war in der Wärme, am Strand. Es war wie eine Verschnaufpause von der Pandemie, ich konnte wieder aufatmen.»

«Mein Agent rief an und sagte alle Auftritte ab – ich war am Boden zerstört»

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Igors (28) schlimmster Moment:

«Ich bin Performance-Künstler in Deutschland. Ich und mein Kollektiv hatten für den Sommer 2020 einen Agenten. Das Jahr sah unglaublich vielversprechend aus, wir wären den ganzen Sommer hindurch an einer Vielzahl von Festivals aufgetreten. Als dann der Anruf kam, dass bis auf drei kleine Auftritte alles abgesagt wird, war das ein Schock. Ich musste mich zuerst setzen. Seither begleiten mich Existenzängste.»

Igors schönster Moment:

«Im Sommer war eine Performance mit meinem Kollektiv geplant. Es wäre ein grosser Anlass gewesen. Wir hätten in einer Parkanlage an mehreren Stellen performt. Kurzerhand wurde die Aufführung an einem anderen Ort aufgezeichnet. Die Zuschauer konnten dann alleine in den Park gehen und die jeweiligen Orte der Performance besuchen. Wenn sie dort waren, konnten sie sich mit dem Handy die Aufführung ansehen. So konnten wir wenigstens “virtuell” auftreten. Es war schön, dass der Auftritt stattfinden konnten, wenn auch anders als geplant.»

«Ich wusste nicht, ob ich überhaupt noch nach Hause fliegen konnte»

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Tizianas (18) schönster Moment:

«Im Sommer war die ganze Situation sehr ungewiss. Lange war nicht klar, ob unsere Reise nach Italien stattfinden kann, oder ob die Schweiz auf die Quarantäneliste in Italien gesetzt wird oder umgekehrt. Als wir endlich abreisten, konnte ich aufatmen. Ich war sehr erleichtert, denn meine Grossmutter lebt in Italien und es war nicht klar, wann ich sie sonst das nächste Mal sehen könnte. Ich war überglücklich, als wir bei ihr ankamen.»

Tizianas schlimmster Moment:

«Ich war nach den Sportferien letztes Jahr mit meinem Fussballverein in Valencia im Trainingslager, als die spanische Regierung den Lockdown ausrief. Die ganze Situation war schrecklich. Wir wussten zu Beginn nicht, ob wir überhaupt noch nach Hause fliegen können Ausserdem war der Lockdown in Spanien viel härter als bei uns. Es gab unter anderem eine Ausgangssperre. Erst als wir im Flugzeug sassen, konnte ich aufatmen.»

«Wegen der Maske konnte ich sein Gesicht nicht erkennen»

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Mariangelas (34) schönster Moment:

«Im Frühling war mein Mann plötzlich mehr zu Hause. Das hat in unserer Beziehung sehr viel zum Positiven verändert. Wir hatten mehr Zeit als Familie aber auch mehr Zeit für einander. In dieser Zeit haben wir sehr viel über uns und unsere Beziehung gesprochen. Das waren sehr schöne Wochen, in der wir uns im Grunde auf eine andere Art nochmals kennenlernten.»

Mariangelas schlimmster Moment:

«Für mich war es sehr schwierig, als die Maskenpflicht kam. Ich hatte einen Termin beim Arzt und sass ihm gegenüber, konnte aber sein Gesicht nicht erkennen. Für mich ist es sehr schwierig, dass man die Gesichter der Menschen nicht mehr sieht, vor allem, wenn man mit ihnen über etwas Persönliches reden möchte. Es entfremdet einen von den Mitmenschen, wenn das halbe Gesicht verdeckt ist.»

«Ich habe heute viel mehr Kontakt zu meiner Schwester»

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Nicks (20) schönster Moment:

«Ich wohne noch bei meinen Eltern. Zu Beginn der Pandemie ist meine Schwester wieder nach Hause gezogen. Jetzt verbringen wir viel mehr Zeit zusammen als davor. Das find ich cool, durch die gemeinsamen Essen und Gespräche haben wir nun eine bessere Geschwisterbeziehung. Wir verstehen uns besser und machen auch mehr zusammen.»

Nicks schlimmster Moment:

«2020 habe ich meine Lehre als Mediamatiker abgeschlossen. Ich weiss noch genau, als bekannt gegeben wurde, dass die Lehrabschlussprüfung nicht stattfinden wird. Es war insofern negativ, weil da klar war, was für krasse Auswirkungen die Coronapandemie auf unser Leben hat. Es war auch krass, dass es nach vier Jahren Lehre keine Abschlussfeier gab. Es war einfach plötzlich fertig, ohne, dass man mit seinen Freunden feiern konnten.»

«Während Corona hab ich meinen Freund kennengelernt»

zvg

Selinas (27) schönster Moment:

«Anfang 2020 habe ich meinen heutigen Freund kennengelernt, er war neu als Schlagzeuger in der gleichen Band wie ich. Das erste Mal persönlich getroffen haben wir uns dann im Mai. Er lebt in München und da die Grenzen zu waren, konnte er erst im Mai in die Schweiz einreisen. Eine zeitlang waren wir Bandkollegen, im Sommer hat es dann zwischen uns gefunkt.»

Selinas (27) schlimmster Moment:

«Für mich war Weihnachten dieses Jahr schrecklich. Ich habe ein grosse Familie, wir sind sieben Geschwister. Also entschieden wir uns, die Feier auf diesen Sommer zu verschieben. Ausserdem belastete mich die Arbeit sehr: Ich arbeite normalerweise im Operationssaal, aber war während der ersten Welle im Frühling und der zweiten Welle im Winter vermehrt auf der Intensivstation tätig. Die Arbeit im Spital während der Coronapandemie fordert dem gesamten Gesundheitspersonal extrem viel ab.»

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