Eurovision Song Contest: Was wäre wenn: Ein Leben ohne Grand Prix

Aktualisiert

Eurovision Song ContestWas wäre wenn: Ein Leben ohne Grand Prix

Permanente Pleiten lassen Zweifel an Sinn und Zweck einer eidgenössischen Beteiligung am Eurovision Song Contest aufkommen: Dass das Leben auch ohne den Gesangswettbewerb weitergeht, beweisen Österreich und Italien. 20 Minuten Online stellt ein Schweizer Ausstiegsszenario vor.

von
Oliver Baroni

Deutschland, England, Spanien und Frankreich haben gemeinsam, dass sie sich als die grössten Eurovisions-Beitragszahler nicht durch den Halbfinal Eurovision Song Contest quälen müssen. Ebenfalls gemeinsam haben die «Big Four» die lausigen Platzierungen im letztjährigen Finale. No points: Deutschland und England landeten gemeinsam mit Polen auf dem letzten Rang.

Die Schuldigen waren schnell ermittelt: Bekannt ist das «Block Voting» des ESC-Publikums, bei dem Migrantengruppen (vorrangig aus Osteuropa) angeblich für jeden noch so miesen Beitrag anrufen, solange er nur aus dem Land ihrer Ahnen stammt. Doch heuer greift dieses Argument zumindest nach dem ersten Halbfinal nicht, denn unter den zehn Ländern, die sich schon fürs Finale qualifizierten, befinden sich auch Schweden, Israel, Malta, Finnland und Island – nicht gerade die üblichen Verdächtigen.

«La Suisse – zéro points»

Doch was auch immer die Gründe sein mögen, das helvetische Versagen ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Mal verliert die Schweiz mit peinlichen «zero points», wie 1998 mit Gunvor, öfters durch klägliches Ausscheiden im Halbfinal, wo ihr die Schmach der Punktzahl-Nennung erspart bleibt. «Wieso machen wir da überhaupt noch mit?», fragt sich mancher User im 20-Minuten-Online-Talkback und auch mancher Zuschauer vor dem TV-Bildschirm.

SF-Pressesprecher Marco Meroni hat dazu die naheliegende Antwort: «Es wäre doch schade, beim weltweit grössten TV-Event nicht mehr dabei zu sein» und auch eine erstaunliche: «Die Teilnahme kostet uns gar nicht so viel. Die finanzielle Hauptlast wird ja von den Big Four getragen. […] Die Schweiz als kleines Land zahlt einen dementsprechend kleinen Betrag. Die Teilnahme kostet uns weniger als manche Unterhaltungssendung.» (20 Minuten Online berichtete)

«Keiner will das Risiko eines Eurovisionssiegs»

Trotzdem: Ein «kostet nichts, schadet nichts»-Argument rechtfertigt noch keine jährliche Nullnummer. Österreich und Italien sind bereits ausgestiegen (letztere haben ja noch das Sanremo Festival – das Original und ursprüngliche Vorbild für den ESC.) Wieso also nicht auch die Schweiz? Das TV-Publikum könnte sich auf einem deutschen Sender weiterhin an der Show mit ihren leichtbekleideten Osteuropäerinnen und stimmgewaltigen Isländerinnen erfreuen - das masochistische Erlebnis eines Schweizer Versuchs bliebe ihm aber erspart.

Den Ausstieg eines kleinen zentraleuropäischen Landes wie der Schweiz könnte der Eurovision Song Contest mühelos verkraften. Allerdings wäre es ein weiteres Signal für einen geordneten Rückzug, dem andere folgen könnten. Denn glaubt man Insidern, sind sogar die Big Four nicht wirklich mit Elan bei der Sache. «In Wirklichkeit», so das deutsche Magazin «Spiegel» in einem Bericht zum letztjährigen Grand Prix, «will keines der vier Länder das Risiko eines Eurovisionssiegs und damit einer kostspieligen Ausrichtung im Folgejahr eingehen.»

Bulgarien sucht den Superstar

Wie wäre es, wenn sich die vier grössten westeuropäischen Geldgeberländer aus dem Wettbewerb verabschiedeten? Nun, auf dem Papier wäre der Contest weiterhin der grösste Musikwettbewerb der Welt, doch würde er angesichts des extrem ausgeprägten osteuropäischen Regionalismus kaum mehr wahrgenommen - zumindest in der westlichen Hemisphäre nicht. Den Eurovision Song Contest in seiner heutigen Form gäbe es nicht mehr.

Ähnlich wie Countrymusik, die in den USA omnipräsent ist, an uns Europäern aber nahezu schmerzlos vorbeigeht, gäbe es in unseren Breitengraden alljährlich eine kurze Agenturmeldung – das wärs. Der Concours würde auf den Status von «Bulgarien sucht den Superstar» absinken.

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