18.09.2014 08:36

Bea Heim fragt Bundesrat

«Was, wenn ein Güterzug in Basel explodiert?»

Züge mit gefährlicher Ladung fahren täglich durch Schweizer Städte. Bea Heim (SP) ist besorgt: Die Kontrollen müssten intensiviert werden. Im Ernstfall drohe eine Katastrophe.

von
J. Büchi
Bea Heim (SP) fordert strengere Güterzug-Kontrollen in der Schweiz.

Bea Heim (SP) fordert strengere Güterzug-Kontrollen in der Schweiz.

Toxische Gase, Benzin und Chemikalien: Mehrere Millionen Tonnen gefährliche Güter werden jedes Jahr per Zug durch die Schweiz transportiert. Für die Transporte gibt es strenge Vorschriften. Viele Güterzüge sind aber in einem schlechten Zustand, wie ein aktuelles Beispiel zeigt.

Erstmals überhaupt führte das Bundesamt für Verkehr (BAV) im Juli gemeinsam mit Italien eine Güterzug-Kontrolle durch. In Chiasso überprüften die Inspekteure vier Züge mit insgesamt 78 Wagen. Das Fazit: insgesamt 27 Fehler. 14 davon stuften die Inspekteure als «kritisch» ein. Das BAV wertet die Zusammenarbeit mit Italien als Erfolg, da die verantwortliche italienische Behörde nun beim betroffenen Transport-Unternehmen intervenieren kann. Vorher wäre das nicht möglich gewesen. Jetzt sollen auch Kooperationen mit Frankreich und Österreich folgen.

«Nicht auszudenken, was passieren könnte»

Als SP-Nationalrätin Bea Heim dies im aktuellen BAV-Newsletter liest, schrillen bei ihr die Alarmglocken. Schliesslich verkehren die Güterzüge in der Schweiz durch dichtest besiedeltes Gebiet. «Nicht auszudenken, was es bedeutete, wenn ein solcher Zug beispielsweise in Basel explodieren würde.» Mängel an den Zügen müssten auf jeden Fall verhindert werden, so Heim. «Regelmässige, grenzüberschreitende Kontrollen von Güterzügen sollten deshalb längst selbstverständlich sein.»

Dies insbesondere, da die Schweiz ein wichtiges Bindeglied im Nord-Süd-Güterverkehr sei. Nach offiziellen Angaben zählen 70 Prozent der Güterzüge, die in der Schweiz unterwegs sind, zum Transitverkehr. Bereits um die Jahrtausendwende herum wurde der europäische Schienengüterverkehrsmarkt geöffnet.

Dass erst jetzt ein erstes Mal eine Zugskontrolle zusammen mit Italien durchgeführt wurde und über Kooperationen mit Frankreich und Österreich erst nachgedacht werde, erscheine ihr «schier unglaublich». Nächste Woche will Heim deshalb in einer Anfrage vom Bundesrat wissen, weshalb es nicht schon früher grenzüberschreitende Kontrollen gab.

Kontrollen verschärft - keine Transporte bei FCB-Spielen

Beim Bundesamt für Verkehr heisst es auf Anfrage, heute würden in der Schweiz viel mehr Güterzüge kontrolliert als früher. Seien 2006 noch 44 Güterzüge überprüft worden, seien es heute jährlich 350. «Im Nachgang zum Brand eines Güterzugs im Simplontunnel 2011 haben wir die Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden und der verladenden Industrie intensiviert», so Sprecher Andreas Windlinger. Dass noch nicht mit allen Nachbarländern Kontroll-Kooperationen bestünden, liege daran, dass solche Verhandlungen Zeit benötigten und die Bereitschaft beider Seiten voraussetzten.

Neben regelmässiger Kontrollen im Inland sorgen heute laut Windlinger auch über hundert Zugkontrolleinrichtungen mit Detektoren an der Bahnlinie dafür, dass überhitzte Räder oder ein Gasaustritt sofort entdeckt werden. Bei einem Monitoring werde zudem alle vier Jahre ausgelotet, wo es ein erhöhtes Risikopotenzial gibt. Gefahrengüter würden in der Konsequenz meist nachts transportiert, wenn keine Personenzüge unterwegs sind. Strecken mit vielen Weichen würden wegen des erhöhten Entgleisungsrisikos möglichst nicht befahren. Auch grössere Menschenmengen würden gemieden. «Wenn im St.-Jakob-Park ein Fussballspiel ist, dürfen in dieser Region keine Gefahrengüter transportiert werden.»

Windlinger erinnert daran, dass es in der Schweiz höchst selten zu Zwischenfällen mit Gefahrengütern kommt. Der letzte sei 1994 in Lausanne verzeichnet worden.

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