Final vor Gericht - Ungeimpfter Novak Djokovic kämpft um Melbourne-Start
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Entscheidung in MelbourneWas, wenn Tennis-Superstar Novak Djokovic vor Gericht verliert?

Seit mehreren Tagen sitzt Novak Djokovic in einem Hotel in Melbourne fest und wartet darauf, nach Australien einreisen zu dürfen. Doch darf er das? Um Mitternacht Schweizer Zeit startet die Verhandlung vor Gericht.

von
Nils Hänggi

Das Umfeld von Djokovic ist derzeit stinksauer.

20 Minuten

Darum gehts

  • Die Spannung steigt. Um Mitternacht Schweizer Zeit beginnt die Gerichtsverhandlung.

  • Dann wird über die definitive Einreise von Novak Djokovic nach Australien entschieden.

  • Wir geben dir vorher nochmals den Überblick über die wichtigsten Fragen.

Jetzt wird es ernst für Novak Djokovic. Ein Gericht entscheidet über seine Einreise nach Australien. Immer mehr Details kommen in der Posse ans Licht – werfen aber mehr Fragen auf, als dass sie Antworten geben. Wir versuchen es dennoch. Versuchen, Licht ins Dunkle zu bringen und beantworten dir die wichtigsten Fragen vor dem Showdown, der um Mitternacht Schweizer Zeit beginnt.

Was ist überhaupt passiert?

Djokovic war am Mittwochabend (Ortszeit) die Einreise am Flughafen in Melbourne verweigert worden. Er konnte aus Sicht der Behörden nicht die nötigen Dokumente für eine medizinische Ausnahmegenehmigung, auch ohne Corona-Impfung einreisen zu dürfen, vorlegen. Der 34 Jahre alte Serbe hatte dagegen Einspruch eingelegt, am Montag wird eine Gerichtsverhandlung dazu angesetzt. Laut den Gerichtsdokumenten gibt die Seite von Djokovic an, dass dieser am 30. Dezember vom medizinischen Chef des australischen Tennisverbands eine Ausnahmegenehmigung für die Teilnahme am Australian Open erhalten habe.

Stimmt das denn?

Craig Tiley, Turnierdirektor des Australian Open, verwies bei der Frage zu derartigen Ausnahmen auf unterschiedliche Angaben der Behörden. «Es gab viele widersprüchliche Informationen, viele gegensätzliche Informationen und wir haben vom ersten Tag an ständig Klarheit gesucht, um sicherzustellen, dass wir erstens das Richtige tun und zweitens, die Spieler ins Land bringen können», sagte der Chef des australischen Tennisverbands. «Wir werden niemanden beschuldigen. Es gibt viele widersprüchliche Informationen, weil sich die Verhältnisse ändern.»

Was wollen die Anwälte des Tennis-Superstars erreichen?

Kurz und knapp gesagt: Djokovic soll nach Australien einreisen und am Australian Open spielen dürfen. Sie wollen eine Rücknahme der Annullierung erreichen. Sie argumentieren, Djokovics Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung sei von zwei unabhängigen medizinischen Gremien genehmigt worden. Als Grund für die Genehmigung führten sie einen positiven Corona-Test des serbischen Spielers vom 16. Dezember an. Sie kritisierten, dass Djokovic nach seiner Ankunft am Flughafen von Melbourne acht Stunden lang weitgehend isoliert und ohne Kontakt zu seinen Rechtsbeiständen festgehalten wurde.

Ich habe aber gehört, dass da etwas komisch daran ist?

Ja, in der Tat. Da er noch am selben Tag und einen Tag später an zwei öffentlichen Veranstaltungen in Belgrad teilnahm – ohne Maske. Wie aus Beiträgen in den Online-Netzwerken hervorging, nahm er am 16. Dezember an der Präsentation einer eigenen Briefmarken-Serie der serbischen Post teil, einen Tag später beteiligte er sich an einer Ehrung junger Tennisspieler im Novak Tennis Center. Dort posierte er lächelnd mit den Kindern, auch bei diesem Event, das indoor stattfand, gab es scheinbar keine Maskenpflicht. Am 18. Dezember nahm Djokovic an einem Foto-Shooting für die «Champion of Champions 2021 Trophy» der französischen Sportzeitung «L'Équipe» teil. Auch dort posierte der Serbe ohne Maske auf den Fotos.

Nur das?

Nein, da ist noch mehr. Die Frist zum Einreichen von Anträgen für Ausnahmeregelungen endete nämlich am 10. Dezember, also fast eine Woche vor Djokovics angeblicher Infektion.

Was meint der Serbe selbst zur ganzen Sache?

Von Djokovic selbst gibt es nach wie vor keine öffentlichen Aussagen zu dem Thema. Am Freitag hatte sich der Serbe lediglich kurz bei Instagram geäussert und sich für die Unterstützung seiner Fans bedankt. Vor dem Hotel bekunden immer wieder Landsleute und andere Djokovic-Supporter ihre Solidarität mit ihrem Idol. Ansonsten wolle sich der Tennisstar wegen des laufenden Verfahrens nicht äussern, hiess es aus seinem näheren Umfeld.

Und sein Umfeld?

Das ist stinksauer. Vater Srdjan sagte zuletzt etwa gegenüber der serbischen Zeitung «Telegraf», dass sein Sohn «so frei wie noch nie» sei, obwohl er sich «in australischer Gefangenschaft» befinde. «Von diesem Moment an ist Novak zum Symbol und zum Anführer der freien Welt geworden, der Welt der armen und benachteiligten Nationen und Völker», so der ehemalige Skirennfahrer. Später meinte er noch auf einer Pressekonferenz: «Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, er ertrug es und lebt immer noch unter uns. Jetzt versuchen sie Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen und ihm alles anzutun.»

Hier winkte der Tennis-Superstar aus der Quarantäne.

Twitter

Wo ist er denn derzeit?

Der 34-Jährige sitzt in Melbourne in einem Quarantäne-Hotel. Das Park Hotel ist in Melbourne bekannt. Das Hotel wird von der australischen Grenzwache seit etwas mehr als einem Jahr als eine Art Hafthotel genutzt. Die Zustände sollen unzumutbar sein. Flüchtlinge berichteten zuletzt gegenüber verschiedenen Medien von unmenschlichen Zuständen, sprachen von Mahlzeiten, die von Maden befallen waren. Djokovic hat es besser. So organisiert die serbische Regierung glutenfreies Essen, Trainingsgeräte, einen Laptop sowie eine Sim-Karte.

Und wann beginnt jetzt die Gerichtsverhandlung?

Das Innenministerium versuchte am Wochenende mit einem Antrag, seine Aussage in der Verhandlung auf Mittwoch zu verschieben – die Gründe dafür blieben unklar. Richter Anthony Kelly lehnte das jedoch ab. Es bleibt beim ersten Showdown am Montag. Nach Djokovic (10.00 Uhr Ortszeit/0.00 Uhr MEZ) soll das Innenministerium (15.00 Uhr/5.00 Uhr) bis zu 120 Minuten lang seine Position klarmachen dürfen. Wann und ob am Montag eine Entscheidung fällt, blieb zunächst unklar. Die Anhörung kann weltweit verfolgt werden. So zumindest steht es auf der offiziellen Seite des Gerichts in Melbourne.

Angenommen, die Weltnummer 1 verliert vor Gericht. Was passiert?

Nun – er darf nicht am Australian Open spielen. Und: Es könnte sein, dass die Weltnummer eins für längere Zeit nicht mehr nach Australien einreisen darf. «Eine Einreisesperre von bis zu drei Jahren kann verhängt werden, wenn eine Person gegen die Visabestimmungen verstösst», heisst es auf der Regierungswebseite. Aus sportlicher Sicht droht Djokovic die Nummer eins in der Weltrangliste abgeben zu müssen, da er ohne Teilnahme am Turnier in Melbourne viele Punkte in der Rangliste verlieren würde und seine Verfolger Alexander Zverev und Daniil Medwedew aufrücken könnten.

In diesem Hotel wohnt der Serbe derzeit.

20 Minuten

Und wenn er gewinnt?

Dann darf er wohl am Turnier teilnehmen. Wohl, weil der Sieg vor Gericht auch nur ein Etappensieg sein könnte. So stellt die Regierung nämlich in der 13-seitigen Stellungnahme vor dem Gerichtstermin klar: «So etwas wie eine Zusicherung der Einreise für einen Nicht-Australier nach Australien gibt es nicht.» Heisst: Nicht das Gericht kann entscheiden, ob Djokovic einreisen darf – sondern nur die Nation Australien.

Zum Schluss: Ist Djokovic denn nun wirklich nicht gegen Corona geimpft?

Mittlerweile lässt sich diese Frage zu 100 Prozent beantworten. Aus den Gerichtsdokumenten geht nämlich hervor, dass Djokovic in der Befragung durch einen Beamten des australischen Grenzschutzes angegeben habe, «nicht gegen Covid-19 geimpft» zu sein. Djokovic hatte um seinen Impfstatus seit Monaten ein Geheimnis gemacht.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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