Aktualisiert 15.01.2015 09:16

Q&A

Was will die Terrorsekte Boko Haram?

Tausende Menschen hat die Terrorsekte Boko Haram in Nigeria getötet. Welches Ziel streben die islamistischen Terroristen aus Westafrika an?

von
nsa
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Bilder von Mitgliedern der Terrorsekte Boko Haram sind selten: Die Terroristen töten gezielt Journalisten und Fotografen.

Bilder von Mitgliedern der Terrorsekte Boko Haram sind selten: Die Terroristen töten gezielt Journalisten und Fotografen.

Dafür umso häufiger: Bilder von Dörfern, die Boko Haram abbrannte.

Dafür umso häufiger: Bilder von Dörfern, die Boko Haram abbrannte.

Keystone/AP/Haruna Umar
So sah Baga aus, als Boko Haram die Kleinstadt 2013 das letzte Mal angriff. Wie Baga heute aussieht, kann man sich nur vorstellen - der erneute Angriff soll noch brutaler abgelaufen sein.

So sah Baga aus, als Boko Haram die Kleinstadt 2013 das letzte Mal angriff. Wie Baga heute aussieht, kann man sich nur vorstellen - der erneute Angriff soll noch brutaler abgelaufen sein.

Keystone/AP/Haruna Umar

Bei dem Grossangriff der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram in der Region Baga wurden nach Angaben der nigerianischen Regierung unzählige Menschen getötet. Amnesty International sprach vom «bislang wohl schlimmsten Terrorakt» im westafrikanischen Land. Wer ist Boko Haram? Was ist ihr Ziel – und was hat sie mit Al Kaida zu tun? Antworten im Überblick.

Wie viele Tote gab es beim Angriff auf Baga tatsächlich?

Die Opferzahlen sind widersprüchlich: Das nigerianische Verteidigungsministerium bestätigte BBC 150 Tote, unter denen auch viele Terroristen zu finden seien – ein Augenzeuge auf CNN sprach von bis zu 3000 Leichen, die «über Kilometer verteilt auf den Strassen lagen». Genaue Angaben kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand machen: Die Region rund um die Grenzstadt Baga wird noch immer von Boko-Haram-Patrouillen überwacht. «Sie schiessen auf jeden, den sie sehen», sagte Provinzvorsteher Alhaji Baba Abahassan zur «New York Times». «Wenn ich heute Angaben zu den Toten machen würde, würde ich lügen.»

Welche Strategie wendet Boko Haram an?

Boko Haram hat sich von einer Guerilla-Organisation , die die Dörfer Nigerias terrorisierte, zu einer radikalislamischen Gruppierung im Stil des «Islamischen Staats» gewandelt: Die Terrorsekte hat im Norden Nigerias innert kurzer Zeit die Vormacht in einem Gebiet erobert, das grösser als die Schweiz ist. Andrew Pocock, der britische Hochkommissar in Nigeria, sagte zur «National Post»: «Diese Strategie hat Boko Haram vom IS kopiert. Der Gedanken dahinter ist: Wenn die ein Kalifat errichten können, können wir das auch.»

Charakteristisch sind die brutalen Angriffe der Terrorsekte. Provinzvorsteher Abahassan: «Sie verf0lgen Flüchtende in die Wälder und töten sie, egal ob es Erwachsene oder Kinder sind.» Bereits zweimal haben die Terroristen in diesem Jahr minderjährige Mädchen benutzt. Die Kinder wurden mit Sprengstoffgürteln ausgerüstet, die die Terroristen per Fernzünder auslösten.

Was will Boko Haram?

Wie der «Islamische Staat» will Boko Haram ein Kalifat errichten. Westliche Bildung ist darin verboten. Als Gesetz gilt die Scharia. Während die Terrorsekte am Anfang nur in Nigeria aktiv war, baut sie ihre Präsenz mittlerweile in den Nachbarländern Tschad und Kamerun aus. (Siehe Karte unten)

Wie steht Boko Haram zum «Islamischen Staat» oder zur Al Kaida?

«Meine Brüder, möge Allah euch beschützen», sagt Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau in einem Video. Damit meint er den «Kalifen» des «Islamischen Staates», Abu Bakr al-Baghdadi, Al-Kaida-Chef Ayman al-Zawahiri und Taliban-Führer Mullah Omar. Boko Haram hat eine lange Beziehung zu Al Kaida. So soll Al-Kaida-Übervater Osama Bin Laden drei Millionen Dollar gespendet haben, um den salafistischen Islamismus im Norden Nigerias zu unterstützen und dort einen Scharia-Staat zu errichten. 2013 waren ausserdem mehrere Boko-Haram-Kommandanten an einer geheimen Konferenz von 20 führenden Al-Kaida-Funktionären dabei. Wie eng die Beziehung zwischen den Terrorgruppierungen heute sind, ist umstritten – zumindest scheint Boko Haram auf zwei Hochzeiten zu tanzen: Im Juli 2014 verkündete Boko-Haram-Chef Shekau öffentlich seine Unterstützung für den «Islamischen Staat» in Syrien und im Irak.

Was wird gegen Boko Haram getan?

Kamerunische Soldaten konnten laut dem «Spiegel» am Montag erstmals einen Erfolg gegen die Terrorsekte vermelden: Einen Angriff von Boko Haram schlugen sie zurück. Dabei töteten sie 143 Terroristen. Im Rahmen der Trauermärsche von Paris trafen sich letzte Woche zudem mehrere afrikanische Staatschefs, um über den Kampf gegen die Terroristen zu beraten. Neben Nigeria wollen nun auch mehrere Nachbarländer gegen Boko Haram aktiv werden.

Wer steht hinter Boko Haram?

Die Gruppe hat in Nigeria wenig Rückhalt: Einer Umfrage des renommierten Pew Institutes zufolge unterstützten 2013 zwei Prozent der Muslime Nigerias die Terrortruppe.

Boko Haram «Bücher sind Sünde», gemeint ist damit «Westliche Bildung ist Sünde». Angeführt wird die Organisation seit 2014 von «Emir» Abubakar Shekau (im Bild). Die islamistische Sekte ist seit 2009 in Nigeria aktiv und hat das Ziel, ein ostafrikanisches Kalifat zu errichten. Wegen ihrer fundamentalistischen Auslegung von radikalislamischen Ansichten wird Boko Haram als Terrorsekte bezeichnet.

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